ORC Zweihand-WMEine Langstrecke, drei Titel – deutsches Quintett greift vor Oslo an

Tatjana Pokorny

 · 10.06.2024

Michael Höfgens Arcona 385 "Lightworks" mit Co-Skipper Eckhard Kaller am Steuer
Foto: Team Lightworks
Fünf deutsche Crews sind unter den 68 Teilnehmern, die ab 11. Juni bei der ORC Doublehand-WM in drei Klassen um Titel und gute Platzierungen kämpfen. Die WM-Langstrecke beginnt vor Oslo, die Ziellinie liegt vor der historischen Küstenstadt Tønsberg. Dazwischen erwartet die WM-Herausforderer ein abwechslungsreicher, aber auch fordernder Kurs mit unterschiedlichen Längen.

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Vor zwei Jahren haben Jonas Hallberg und Till Barth die Zweihand-WM in Schweden mit der JPK 10.30 “Hinden” in der mittleren Gruppe B knapp vor Michael Höfgen und Max Gurgel auf dem Schwesterschiff “Lightworks” gewonnen. Wenn am 11. Juni der Startschuss zur ORC-WM für Zweihand-Crews in Oslo fällt, ist einer der vier damaligen Podiumssegler wieder dabei: Michael Höfgen (Flensburger Segel-Club) hat inzwischen eine Arcona 385 gekauft, weil er ebenso Regatten segeln wie mit seiner nach Flensburg umgesiedelten Familie Wochenend- und Ferienvergnügen genießen will. Am Dienstag startet Michael Höfgen mit Bodenseesegler Eckhard Kaller (Yacht-Club Meersburg) ins einzige mehrtägige WM-Rennen. Sie sind eine von fünf deutschen Crews, die in Norwegen angreifen wollen.

Lina Rixgens (Verein Seglerhaus am Wannsee) und Sverre Reinke (Turn- und Sportverein Schilksee von 1947) treten mit ihrer neuen Sun Fast 30OD „Gaia“ an. Mit der First 31.7 „Meister Hora“ starten Martin Fürst (Yacht-Club Gode Wind) und Nathan Lauer (Kieler Yacht-Club) in die Langstrecke. Detlef und Morten Göpfert vom Neustädter Seglerverein bestreiten die WM mit der Dehler 38 C „Uminoko“. Das fünfte Team im deutschem Zweihand-WM-Quintett bilden Arno Böhnert (Norddeutscher Regatta Verein) und Christian Heermann (Kieler Yacht-Club) auf der First 36 “Salicornia”.

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Wagemutiger Wikinger-Stil für die Zweihand-WM

Die zehn deutschen Akteure haben eine gemeinsame WhatsApp-Gruppe eingerichtet, in der sie sich austauschen. “Die deutsche Delegation ist sehr nett, das Doublehand-Segeln insgesamt sehr kollegial. Alle helfen sich gegenseitig, denn alle sind ja immer ‘shorthanded’. Es gibt viel Hilfsbereitschaft, wenn jemand etwas braucht”, beschreibt der Hamburger Arno Böhnert die gute Stimmung im Hafen beim Königlich Norwegischen Yacht Club. “Wir sind entspannt, haben die Vermessung und den Sicherheitscheck erledigt. Es kann losgehen”, so Böhnert am Montagabend.

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Etwas Pech hatte die “Salicornia”-Crew bei der Gruppeneinteilung, wo sie gerade noch in die sehr großzügig abgesteckte Gruppe A der großen Yachten rutschte. Hier treten sie mit ihrer First 36 gegen Boote wie beispielsweise Per Ottar Skaarets für den Zweihand-Betrieb kreativ umgerüstete TP52 “Jokerman” oder Karl Otto Books schnelle Landmark 43 “White Shadow” an. “Es ist cool, dass sie dabei sind, aber eigentlich nur, wenn sie nicht in deiner Gruppe segeln”, sagte Arno Böhnert mit Augenzwinkern.

Wagemutiger Wikinger-Stil vom Feinsten: Hier stellen Per Ottar Skaaret und Thomas Nilsson ihre für den Zweihand-Betrieb optimierte TP52 “Jokerman” vor. Das Duo hat sie mit 1200 Kilogramm Blei in der Bilge beschwert sowie unter anderem mit Selbststeueranlage und kleinerem Großsegel ausgestattet:

Smart optimiert in die Zweihand-WM

Michael Höfgen segelt zum zweiten Mal nach dem gemeinsamen Sieg bei der Deutschen Meisterschaft vor drei Jahren mit North-Segelmacher Eckhard Kaller. Höfgen hat seine Arcona 385 seit der Übernahme im April in Zusammenarbeit mit “Booteflüsterer” Max Gurgel optimiert und erklärt: “Wir haben beschlossen, dem Kiel ein Reshape zu geben, um den Widerstand etwas zu reduzieren. Das zweite Thema war ein neues Ruder, um das Leistungsvermögen in dem Bereich zu verbessern. Außerdem haben wir den Bugspriet um 60 Zentimeter verlängert. Das gibt uns auf Downwind-Kursen mehr Segelfläche für den A 2. Da haben wir jetzt 158 Quadratmeter. Ich glaube, das ist gut fürs Boot.”

Ob der Plan funktionieren wird, hängt naturgemäß auch an den Windbedingungen. “Beim Baltic 500 war das Boot in leichten Winden gut”, weiß Michael Höfgen, dem wie allen anderen WM-Teilnehmern unter anderem eine komplizierte Ausfahrt aus dem Oslo-Fjord bei möglicherweise drehenden und instabilen Winde bevorsteht.

Das System ist neu und wir müssen für Neues offen sein.” Michael Höfgen

Mit viel Interesse blicken die WM-Teilnehmer auch den Auswirkungen des gewählten Handicap-Systems entgegen. “Wir sorgen uns ein wenig wegen des Wertungssystems”, sagte Höfgen, “ich habe das auch beim Skipper’s Briefing angemerkt. Hier greift das neue System, das schon bei der EM in Italien genutzt wurde und sich auf die Windvorhersagen bezieht. Ich glaube nicht, dass eine Windvorhersage insbesondere in einem Fjord sehr akkurat sein kann. Wir werden es am Ende feststellen. Das System ist neu und wir müssen für Neues offen sein.”

Norwegens Segelfestival: Zweihand-WM & Oslo Race Week

Die WM-Teilnehmer rechnen mit eher leichten Winden. Weshalb der Kurs für die großen Boote nicht 460 sondern 340 Seemeilen lang sein wird, für die kleineren Boote etwas kürzer. “Es geht raus aus dem Oslo-Fjord, dann erst rechts ab, später rüber in Richtung schwedische Seite und am Ende zum Zielhafen Tønsberg”, bringt Michael Höfgen den Kurs auf einen kurzen Nenner.

Der Countdown für die ORC-Zweihand-Weltmeisterschaft lief am Montagabend. Da hatten der Königlich Norwegische Yachtclub (Kongelig Norsk Seilforening, KNS) und der Offshore Racing Congress (ORC) ihre Vorbereitungen nahezu abgeschlossen. Alle Boote sind mit ihren Duos im KNS-Hafen in Oslo eingecheckt. Die Registrierungs- und Vermessungskontrollen sowie die Checks der Sicherheitsausrüstungen waren durchgeführt.

Im Yachthafen tobt das Seglerleben die ganze Woche, weil auch die Oslo Race Week läuft, in deren Rahmen vom 11. bis zum 13. Juni die H.M. The King’s Series ausgetragen wird. Bei der Traditionsveranstaltung in Bunnefjorden ist Norwegend König Harald der Regattadirektor. Den Abschluss der Oslo Race Week bildet die 77. Auflage der laut Veranstalter weltgrößten Übernacht-Regatta Færderseilasen vom 14. bis zum 16. Juni. Die ORC Zweihand-WM steigt parallel zum prallen norwegischen Regattavergnügen.

Die Aussichten: wechselnde Winde, taghelle Nächte

Für die KNS-Gastgeber ist die WM nach der erfolgreichen ORC-Europameisterschaft in Hankø im August 2022 das nächste große internationale Ereignis. Mit Blick auf die 68 Boote aus zehn Nationen, darunter 45 norwegische Teams, freut sich Sportdirigent Kristian Fodstad über den regen Zuspruch und sagte: "Etwa 30 Freiwillige und Offizielle arbeiten zusammen, um eine großartige Meisterschaft zu organisieren. Der KNS ist begeistert, eine solche Regatta auszurichten, die in Oslo mit dem Küstensegeln zwischen allen Inseln dort beginnt, wo sich der Fjord öffnet. Dann geht die Offshore-Regatta in der Skagerrak-See richtig losgeht. Die Segler werden lokale und küstennahe Strömungen, wechselnde Winde und fast taghelle Nächte erleben.”

Michael Höfgen und Eckhard Kaller im Interview vor dem WM-Start:

Der Trailer zur ORC Doublehand-WM in Oslo:

Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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