ORC-WMSturmentscheidung mit Augenmaß – Auftakt ja, Langstrecke nein

Tatjana Pokorny

 · 06.08.2023

Die norwegische Crew der Sinergia 40 "Sons of Hurricanes" vor dem WM-Start in Kiel – mit dem zum stürmischen Auftakt vielleicht passendsten Bootsnamen
Foto: Jascha Kuphal/ORC World Championship 2023
Die ORC-WM in Kiel wird am Montag ohne die geplante klassische Langstrecke eröffnet. Die Warnungen vor einem schweren Sturm haben Sportchef Eckart Reinke und die Rennleitung zur Planänderung bewogen. Gesegelt werden soll aber trotzdem

Unwetterwarnungen haben die Austragung der Auftakt-Langstrecke der ORC-Weltmeisterschaft vor Kiel vereitelt: Das Eröffnungsrennen kann am Montag nicht wie geplant stattfinden, weil im deutschen Norden ein schweres Sturmtief erwartet wird. Geplant war, dass die 115 Boote aus 13 Nationen in der Kieler Innenförde zur Langstrecke in der deutschen und dänischen Ostsee aufkreuzen und über Nacht unterwegs sind. Die Kurslänge hätte in der großen Klasse ORC 1 bis zu 220 Seemeilen betragen können.

Es ist eine Offshore-WM, und wir wollen trotz Sturm ein küstennahes Rennen im geschützten Revier segeln“ (Eckart Reinke)

Wie von vielen Teilnehmern erhofft und gewünscht, wird die Rennleitung sie nun aber nicht in die Langstrecke über Nacht schicken. Stattdessen ist ein rund 20 Seemeilen langes Rennen in Küstennähe angesetzt. Ob die Langstrecke im weiteren WM-Verlauf noch nachgeholt werden kann, blieb zunächst offen und hängt auch von der weiteren Wetterentwicklung ab.

Nach internen Beratungen und auch in Absprache mit dem ORC-Präsidenten Bruno Finzo kündigte Principal Race Officer (PRO) Eckart Reinke am Sonntagnachmittag ein sogenanntes Coastal Race für den Montagsauftakt an: „Wir haben mit Augenmaß entschieden, um Material und Menschen zu schonen und das Risiko gering zu halten. Deswegen wird es nicht durch die Nacht gehen. Aber es ist eine Offshore-WM, und wir wollen trotz Sturm ein küstennahes Rennen im geschützten Revier segeln.“

Krasse Windprognosen für den WM-Auftakt

Der Kieler Wetter- und Segelexperte Sebastian Wache beobachtet die Situation aus seinem Urlaub und sagte am Sonntag: „Es wird spannend, weil nicht ganz klar ist, wie hoch die Windspitzen gehen. Die Modelle sind sich nicht ganz einig. Ein Modell sagt Winde von bis zu 100 Stundenkilometern voraus, andere bis 130, 140.“ Damit liegen die Aussichten zwischen schwerem Sturm und orkanartigen Bedingungen. Während der Weltmeisterschaft sollen die Teams zwar ihre Fähigkeiten in Navigation und Seemannschaft zeigen können. Dies dürfe aber nicht auf Kosten der Sicherheit der Boote und der Besatzungen gehen, erklärte Reinke.

Weiter sagte der PRO: „Zweitens wird dies eine lange Rennwoche sowohl im Küsten- als auch im Offshore-Format sein, in der wir wollen, dass die Teams ihr Bestes geben und nicht durch einen schwierigen Start unter extremen Bedingungen beeinträchtigt werden. Und drittens scheint das Wetter für den Rest der Woche recht abwechslungsreich und daher geeignet genug zu sein, dass wir einen angemessenen Leistungstest bieten können, um drei neue Weltmeister von höchstem Niveau hervorzubringen.“

Der WM-Zeitplan hängt von der Wetterentwicklung ab

Der WM-Auftakt soll die Crews nun nach dem Start vor dem Sportboothafen Kiel-Düsternbrook aus der Innenförde hinaus um die Landspitze vom Bülker Leuchtturm herum auf den Stollergrund führen. Von dort geht es zurück zum Ziel in der Strander Bucht. Die genaue Kurssetzung wurde den Teams am Sonntagabend beim Skippers’ Briefing bekannt gegeben. Die Kurslänge beträgt voraussichtlich rund 20 Seemeilen. Der weitere Zeitplan der ORC Worlds 2023 hängt dann von den Wetterentwicklungen am Dienstag ab.

In allen drei WM-Gruppen A, B und C kämpfen auch deutsche Mitfavoriten um die Titel. In der großen Klasse A sind es neben weiteren ehrgeizigen Crews vor allem Tilmar Hansens TP52 „Outsider“ und Michael Berghorns Mills 45 „Halbtrocken 4.5“ (beide Kieler Yacht-Club), die der Top-Favoritin „Beau Geste“ von den Britischen Jungferninseln Paroli im Kampf um die WM-Krone bieten wollen. Die WM endet am 12. August mit den letzten Rennen und der Siegerehrung im Olympiazentrum Kiel-Schilksee.

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Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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