ORC-WMDie Schönheit des Regattasports im Golf von Neapel

Tatjana Pokorny

 · 14.05.2026

Die australische TP52 und WM-Zweite der Klasse 0: Gestri Mauros "Vudu" in sehr fotogener Position für die Bildkünstler vom Studio Borlenghi.
Foto: Tre Golfi Sailing Week/Studio Borlenghi
Wenn ein traumhaft schönes Regattarevier, hochkarätige Teilnehmer, eine Weltmeisterschaft und große Fotokunst zusammenkommen, entstehen Bilder wie die bei der ORC-WM im Rahmen der Tre Golfi Sailing Week. Eingebettet in die Serie, fanden die Titelkämpfe im kommenden America’s-Cup-Revier statt. Vier Sieger-Crews wurden an Himmelfahrt gefeiert. Ein deutsches Boot segelte in die WM-Top-Ten.

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Die ORC-WM 2026 ging am Himmelfahrtstag mit den letzten Inshore-Rennen spannend zu Ende. Die beiden Up & Downs wurden in 15 bis 17 Knoten Westwind ausgetragen. Zwischendurch prüften Böen bis 25 Knoten und eineinhalb bis zwei Meter hohe Wellen bei wechselhaftem Wetter die 104 Boote in vier ORC-Gruppen (0, A, B, C) noch einmal intensiv. Dann waren die ORC-Weltmeister des Jahres und die Medaillengewinner gefunden.

ORC-WM: herzlicher Empfang, hochkarätiger Sport

In der Klasse 0 siegte Andrew Berdons amerikanische TP52 “Summer Storm” mit Ocean-Race-Veteran Stu Bannatyne und Taktiker Joachim Aschenbrenner, nachdem die Top-Drei mit jeweils nur einem Punkt Differenz in die finalen Läufe der ORC-WM gestartet waren. Bei nur einem Ausrutscher im Coastal Race am Vorschlusstag katapultierte sich die Crew mit fünf Rennsiegen wie ein Sommersturm auf den höchsten Podestplatz.

Champion Berdon schwärmte: „Es ist eine unglaubliche Genugtuung! Wir wurden hier in Sorrent außerordentlich herzlich empfangen. Ich liebe Italien. Das Wettbewerbsniveau war wirklich außergewöhnlich. Es war in jeder Hinsicht eine fantastische Woche. Wir gingen nach einem schwierigen Rennen am Vortag in den letzten Tag, wobei drei Boote in der Gesamtwertung nur durch einen Punkt voneinander getrennt waren. Wir wussten, dass wir fehlerfrei segeln mussten, um den Titel zu gewinnen.”

​Es war genau die Art von Herausforderung, die uns antreibt: ein hart umkämpfter Wettkampf, der bis zum letzten Rennen gegen Weltklasse-Gegner ausgetragen wurde.” Andrew Berdon

Auch den Silberrang ersegelte in Gruppe 0 eine TP52: Mauro Gestris “Vudu”-Team verwies die Wallyrocket51 “RocketNikka” von Roberto Lacorte auf Platz drei. Bestes Boot am Schlusstag war die Wallyrocket51 “Django WR” von Giovanni Lombardi Stronati. Mit Taktiker Vasco Vascotto, der gerade noch beim Auftakt der 52 Super Series mit Harm Müller-Spreers “Platoon Aviation” auf Platz zwei segelte, gelangen “Django WR” zwei Tagessiege, doch zum Sprung aufs Podium reichte es nicht mehr ganz.

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Carl-Peter Forsters junge Crew auf der TP52 “Red Bandit” vom Bayerischer Yacht-Club segelte auf WM-Platz acht. Beste Corinthian-Teilnehmer war die Crew auf David Mizrahis Schweizer “Night Shadow”. Zu den Ergebnissen der ORC-WM bei der Tre Golfi Sailing Week geht es hier.

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In Klasse A holte sich nach einer nahezu perfekten Woche Niklas Zennströms Crew auf der Carkeek 40+ “Rán” das WM-Gold und verteidigte damit erfolgreich den Titel, den das Team 2025 in Tallinn gewonnen hatte. Das Meisterwerk gelang, obwohl die Crew unter schwedischer Flagge im ersten Rennen am Schlusstag den Gennaker verloren hatte. Zennström konnte es verschmerzen und huldigte den Gastgebern und dem Revier.

​„Die ORC-Weltmeisterschaft in Sorrent war einfach fantastisch!”, zog auch Niklas Zennström euphorisch Bilanz. Seine Verneigung: „Ein wunderschöner Austragungsort, ein hervorragendes Regattarevier, eine wundervolle Stadt und eine wirklich besondere Atmosphäre. Die Wetterbedingungen variierten im Laufe der Woche erheblich, was die Regatten noch interessanter machte und dazu beitrug, einen großartigen Geist der Kameradschaft und des gegenseitigen Respekts unter allen Teams zu schaffen.”

WM-Platz elf für “Desna”, Klassen B und C ohne GER-Boote

​Giovanni Di Vincenzos italienische Ker 46 “Lisa R” holte WM-Silber. Bronze gewann Massimo De Campos Swan 42 CS “Selene – Alifax” mit Taktiker Tommaso Chieffi. Johannes Wackerhagens Knierim 49 “Desna” (Kieler Yacht-Club) erkämpfte unter 26 Klasse-A-Booten Platz elf. In dieser Division ging die Auszeichnung für das beste Corinthian-Team an die US-Swan 42 “Lagertha” im Besitz von Kurt Kalberer II vom New York Yacht Club.

In den Klassen B (25 Boote) und C (38 Boote) waren keine deutschen Teams am Start. Den B-Titel sicherte sich die argentinische PG390 “Katara” von Julian Somodi mit zwei Rennsiegen am letzten Tag. WM-Silber ging an die maltesische X-41 “Technonicol” von Georgi Kolesnikov mit dem estnischen Matchracer und Steuermann Mati Sepp. Platz drei holte Gianclaudio Bassettis XR41 “WB IX”. In Klasse C siegte Luigi Buzzis MAT-11 “Robe da Mat” vor Andrea Castruccis Cape 31 “Chisum” und der Farr 30 “Sease” von Franco Loro Piana und Giacomo Loro Piana.

Der Gewinn einer ORC-Weltmeisterschaft ist etwas wirklich Außergewöhnliches, die Erfüllung eines Traums.” Julian Somodi

Die ORC-Weltmeisterschaft 2026 endete mit der Siegerehrung im Regattadorf in der Marina Piccola. Auch hier wurde nach dem Finale der hochkarätigen Woche weiter vom Golf von Neapel und dem gastgebenden Sorrent geschwärmt. Das machte vielen schon Lust auf den 38. America’s Cup, der hier 2027 ausgetragen wird. Die ORC-WM 2027 findet vom 6. bis 14. August kurz danach Skovshoved/Kopenhagen statt. Darauf bereiten sich auch viele deutsche Crews langfristig vor, wie beispielsweise “eXciteR”-Eigner Jens Kuphal gerade bei der MaiOR-Regatta erzählte.

ORC-WM: Auf Sorrent folgt 2027 Kopenhagen

Die nächste große ORC-Meisterschaft für Crews aber kommt schneller, steht bereits in zwei Monaten an: Die ORC-Europameisterschaft 2026 steigt vom 7. bis 15. August im litauischen Revier von Klaipėda. Für die Güte der italienischen WM-Variante in diesem Jahr bürgte der Circolo del Remo e della Vela Italia in Zusammenarbeit mit dem Yacht Club Italiano und dem Reale Yacht Club Canottieri Savoia. Partner war im WM-Revier im Golf von Neapel der Offshore Racing Congress (ORC).

Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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