Für Kirsten Harmstorf-Schönwitz und ihre Crew kam die Absage des zweiten Renntages der WM für Gruppe A als Erleichterung. Die Frauen-Crew hatte am Montag eine im oberen Bereich gelöste Mastschiene zu beklagen. Der Schaden war aufgrund der stürmischen Winde nicht im Hafen reparabel. So musste die DK 46 “Tutima” eilig zur Kieler Werft Knierim Yachtbau gebracht werden. Dort konnte der Schaden bis Dienstagmittag behoben werden. Vielleicht hätten die Seglerinnen es sogar pünktlich für ein Nachmittagsrennen an die Startlinie geschafft, doch das war nicht mehr nötig.
Denn auch am zweiten Tag der Seesegel-WM vor Kiel wirbelten die extremen August-Wetterbedingungen das Programm durcheinander. Während in der mittleren und kleinen Klasse B und C jeweils ein küstennahes Rennen ausgetragen werden konnte, mussten ausgerechnet die 15 großen Boote in Klasse A im Hafen bleiben.
Das ruppige Wetter hatte für einen ungewöhnlich starken Wassertiefstand im Hafenbecken des Olympiazentrums Kiel-Schilksee gesorgt. Der Pegel war binnen eines Tages von plus 20 Zentimeter über dem Normalstand um 80 auf minus 60 Zentimeter gefallen. Die Yachten mit den längsten Kielen saßen teilweise schon auf. Auch hätten einige Boote aufgrund des nicht ausreichenden Tiefgangs bei der Hafenausfahrt nicht auslaufen können. Um 13 Uhr musste das “Coastal” für die Gruppe A abgesagt werden.
Was gestern nicht gebrochen ist, das brach dann heute” (Jens Kuphal)
In Klasse B fiel Jens Kuphals “Intermezzo” (Berliner Yacht-Club) mit dem Berliner Ocean-Race-Taktiker Robert Stanjek als weiterhin bestes deutsches Boot nach Rang zehn am Dienstag auf Platz sechs zurück. Wie gut die Leistung dennoch war, unterstreicht die Bruchliste der “Intermezzo” von Dienstag: “Was gestern nicht gebrochen ist, brach heute”, sagte Jens Kuphal mit lächelndem Sarkasmus. Die Tackline des Code Zero verabschiedete sich zuerst, später die Code-Zero-Schot, dann das Fall. Ein Riss im Großsegel setzte das finale Ausrufezeichen hinter die Bruchserie, die ähnlich auch andere Teams in den harschen Bedingungen erlebten.
In Führung lag bei den mittelgroßen Booten nach zwei Tagen die co-favorisierte polnische Grand Soleil 44 P “Windwhisper 44” vor der dänischen Swan 42 “Sirena” und der norwegischen Landmark 42 “White Shadow”. “Was ’Windwhisper’ da heute gemacht hat, ist aller Ehren wert. Die haben zum Start den A2 gezogen, sind losgefahren und waren nicht mehr einzuholen”, zollte Jens Kuphal dem führenden Team Respekt. „Wir haben am ersten Tag viel gelernt und das an Tag zwei in Speed umgesetzt. Aber es war viel Arbeit in den heftigen Böen, deshalb haben wir am Grinder durchrotiert“, erzählte „Windwhisper“-Navigator Aksel Magdahl.
Wir hatten einen kleinen Schaden am Boot, aber die Jungs haben schnell gearbeitet. Danach war es eine spaßige Runde” (Gordon Nickel)
In Gruppe C ging es für Max Habecks “Aquaplay”-Team um Steuermann Gordon Nickel mit einem Tagessieg aufwärts. Die J/112 vom Münchner Yacht Club Monte Baldo rückte auf Platz zwei hinter der estnischen J/112 “Shadow” vor. “Es lief sehr gut heute für uns. Wir hatten einen kleinen Schaden vorne am Boot, aber die Jungs haben schnell gearbeitet. Danach war es eine spaßige Runde”, sagte Gordon Nickel nach erneut stürmischer Prüfung mit Winden, die Böen von bis zu 75 Stundenkilometern in die gerefften Segel pfefferten.
Doch der Wind forderte auch erneut Tribut. Insgesamt sieben Yachten aus den Klassen B und C gaben ihre Rennen auf. Darunter auch die junge Mannschaft der „Charly Whisky“. Die Crew aus Wismar hatte erst vor zwei Wochen einen Mastbruch erlitten und ist zur WM mit einer geliehenen Yacht, einer Farr 30, angereist. Doch gleich im ersten Rennen brach ihnen das Profil-Vorstag, das sie teuer ersetzen mussten. In der zweiten Wettfahrt gaben sie nun aus Sicherheitsgründen auf, um nicht weiteren Materialschaden zu erleiden.
Die ORC-Weltmeisterschaft soll am Mittwoch mit einem weiteren “Coastal” und bis zu zwei Up & Downs für alle Gruppen fortgesetzt werden. Die weitere Wochenplanung sieht zwei Up & Downs für Donnerstag vor. Noch am selben Tag soll am Abend das bislang nicht mögliche Offshore Race über Nacht starten. Geht es nach Plan, kehren die Teams am Freitag früh nach Kiel-Schilksee zurück und haben dann frei. Am Samstag sollen nach Möglichkeit zwei weitere Up & Downs die Welttitelkämpfe beenden.

Freie Reporterin Sport
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