ORC-WM101 Boote auf Kurs Kiel – deutsche Co-Favoriten rüsten auf

Tatjana Pokorny

 · 04.04.2023

Nach zweimal WM-Silber hat sich Tilmar Hansens Team auf der TP52 "Outsider" Verstärkung ins Team und die "Mission Gold" ins Visier genommen
Foto: Christian Beeck/www.segel-bilder.de

Das erste große Ziel ist erreicht: Schon 124 Tage vor dem ersten Startschuss zur ORC-WM in Kiel haben 101 Teams für den Jahreshöhepunkt der Kielbootsegler gemeldet. Die Meldelisten signalisieren aber nicht nur Quantität, sondern auch viel Qualität. Deutschlands beste Seesegler kommen an Bord

Die Organisatoren der ORC-WM in Kiel blicken glanzvollen Zeiten entgegen: Mit der Meldung von Tilmar Hansens TP52 „Outsider“ (Kieler Yacht-Club) sind alle neun Medaillengewinner der WM 2021 von Tallinn nun auch in Kiel am Start. Dazu kommen mit „Essentia 44“ (Catalin Trandafir/Rumänien) in Kategorie B und „Sugar 3“ (Ott Kikkas/Estland) in der Kategorie C zwei amtierende WM-Champions. Mit WM-Bronze aus 2022 im Gepäck, nimmt „Katarina II“ (Aivar Tuulberg/Estland) Kurs auf Kiel.

“Es ist nicht unser Ziel, als ewiger Zweiter bezeichnet zu werden”

„Wir freuen uns, dass so viele Top-Yachten antreten, und dass so viele ORC-Yachten so schnell gemeldet haben“, erklärt Organisationschef Eckhardt von der Mosel, der bereits bei der Kieler ORC-Rekord-Auflage 2014 das Geschehen dirigierte. Damals waren bei der bislang größten ORC-WM sogar 150 Yachten aus 19 Nationen am Start.

Nach zwei zweiten WM-Plätzen 2018 vor Den Haag (Niederlande) und 2021 vor Tallinn (Estland) hat Tilmar Hansens Crew auf “Outsider” (Kieler Yacht-Club) im Heimatrevier des Eigners mehr als ein silberfarbenes Triple im Visier. „Unser Ziel ist es bestimmt nicht, als ewiger Zweiter bezeichnet zu werden“, stellte der 39-jährige Projektleiter Bo Teichmann klar, der seit 23 Jahren mit und für Tilmar Hansen segelt. Nach WM-Platz zwei hinter Karl Kwoks „Beau Geste“ (Hongkong) vor fünf Jahren und dem Vize-Titel 2021 hinter Michael Berghorns „Halbtrocken 4.5“ kreuzt das “Outsider”-Team titelhungrig auf der Förde auf.

Profi-Taktiker Markus Wieser beflügelt “Outsider”

Dazu steigt zur ORC-WM ein Profi-Quintett um Markus Wieser (Bayerischer Yacht-Club/Verein Seglerhaus am Wannsee) an Bord. Wieser zählt national und international zu den erfolgreichsten Kielboot-Taktikern. WM-Titel in der Tempest (zuletzt 2022 vor Kiel), Olympia-Kampagnen im FD, drei EM-Titel mit der Asso 99, WM-Gold im 5.5, im 6mR, im Drachen und mit der ClubSwan 50 “Hatari” sowie zweimal WM-Silber in der TP52 tragen zur sehr langen Erfolgsliste des Bayern-Express bei.

Zur ORC-WM vom 5. bis zum 12. August rückt der 59-jährige Vater von vier Töchtern gleich mit vier weiteren Profis an. Einer ist Michi Müller aus Kiel, der die zehnte und elfte Auflage des Volvo Ocean Race auf „Puma“ bestritten hatte. Müller zählt zu den wenigen auch international gefragten deutschen Profis, ist in der 52 Super Series auf Harm Müller-Spreers “Platoon” und auch im ClubSwan-50-Circuit aktiv. Neben Müller gehören Gert Habermüller, Victor Marino und Peter van Niekerk zur Wieser-Kerncrew.

Große Ziele, verstärkte Crews

Die “Mission WM-Gold” beflügeln außerdem „Outsider“-Bootsmann Holger Lehning, der sich mit seinem Hamburger Unternehmen Ready4Race auf die Optimierung von Regattayachten spezialisiert hat und zurzeit in Neuseeland im Einsatz für das Schweizer Sail GP-Team ist, sowie North-Sails-Deutschland-Chef Stefan Matschuck.

Auch für Michael Berghorns Co-favorisierte Mills 45 „Halbtocken 4.5“ kommt Verstärkung: Neben Jes Gram Hansen aus Dänemark wird der Niederländer Frans Hinfelaaar zur Crew stoßen. Der Matchrace-Spezialist bringt viel Ocean-Race- und J-Class-Erfahrung mit ins Team. „Wir haben schon große Ziele, aber wir wissen auch, dass bei der Qualität am Start ein falsches Manöver entscheiden kann”, weiß Michael Berghorn um die hohe Qualität der Konkurrenz. Der Weltmeister von 2021 und amtierende Europameister steuert sein Boot selbst.

Bislang 43 deutsche Boote gemeldet

Ein Wiedersehen gibt es in der inzwischen mit einem Dutzend Yachten gut besetzten großen WM-Klasse A auch mit Kirsten Harmstorf-Schönwitz und ihrer Frauen-Crew auf “Tutima”. Weitere deutsche A-Boote sind Johannes Wackerhagens Knierim 49 “Desna”, Jan Opländers Swan 45 “Katima”, Ralf Lässigs XP-44 “Xenia”, Lars Hückstädts GP 42 “X-Day” und Holger Streckenbachs “Imagine”. Unter den 26 in WM-Klasse B gemeldeten Booten sind acht, unter den 62 Klasse-C-Booten 27 deutsche Boote.