Offshore-WMORC-Gipfeltreffen vor Kiel auf Rekordkurs

Tatjana Pokorny

 · 13.10.2022

Offshore-WM: ORC-Gipfeltreffen vor Kiel auf RekordkursFoto: Team Intermezzo
Goldene ORC-WM-Zeiten vor Kiel in Sicht? Hier ein Bild der “Intermezzo”-Crew von Jens Kuphal bei der EM 2022

Schon neun Monate vor dem Start am 4. August 2023 segelt die ORC-WM auf Rekordkurs: 128 Meldungen aus 16 Nationen deuten zum Ende der Vormeldephase auf ein herausragend besetztes Segelereignis in Kiel hin

Kann Kiel den eigenen Rekord brechen? Bei der ORC-WM 2014 waren 151 ORC-Yachten am Start. Sie ist als Top-Ereignis bis heute unvergessen. An diese Glanzzeiten möchten die Organisatoren der Weltmeisterschaft im berühmten Revier vor Kiel anknüpfen. Sie liegen mit 128 Meldungen zum Ende der Vormeldephase auf gutem Kurs. Und das, obwohl einige starke Kandidaten aus Estland noch fehlen, die bei der WM vor zwei Jahren in Tallinn und der EM in diesem Jahr vor Hankø (Norwegen) in der Gruppe C dominierten.

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Neben der großen deutschen Flotte stellen die skandinavischen Länder Schweden (9), Dänemark (8), Finnland, Litauen und Norwegen (je 6) bislang die größten Kontingente. Waren bei der WM auf dem Mittelmeer hauptsächlich “Med”-Anrainer am Start, kommt das Gros 2023 erwartungsgemäß von der Ostsee. Nach der ausgefallenen Seesegel-WM 2020 in den USA wechselt das WM-Austragungsrevier jetzt jährlich zwischen Ostsee und Mittelmeer. Hier geht des zur ORC-WM-Homepage für das Kiel-Ereignis.

Wie hier bei der Aalregatta 2023 erwarten die Kieler Organisatoren auch für die WM 2023 ein “volles Haus” auf der FördeFoto: ChristianBeeck.de
Wie hier bei der Aalregatta 2023 erwarten die Kieler Organisatoren auch für die WM 2023 ein “volles Haus” auf der Förde

60 deutsche Yachten sind schon gemeldet

Schon die Weltmeisterschaft im estnischen Tallinn war 2021 mit 104 Teilnehmern aus zwölf Nationen stark besetzt. Dem Ruf der ORC-Welttitelkämpfe 2022 im italienischen Revier des gastgebenden Yacht Club Costa Smeralda in Porto Cervo waren 69 Starter aus 14 Nationen gefolgt. 2023 ist nun wieder das Ostsee-Revier gefragt.

Beim Kieler Gipfel werden viele Augen auf die deutsche WM-Flotte gerichtet sein. 70 GER-Yachten waren beim Rekordfestival 2014 aufgekreuzt. 60 sind bislang für die Folgeauflage acht Jahre später gemeldet. Zum hohen wie frühen Interesse dürfte beigetragen haben, dass den vorregistrierten Teams das Meldegeld erlassen wird. „Natürlich ist es erst die Pre-Registration, doch wir freuen uns über die Begeisterung, die schon jetzt herrscht. Und es kommen sicherlich noch weitere Meldungen dazu“, sagt Eckart Reinke, Offshore-Chef im Kieler-Yacht-Club-Team.

Wen der WM-Gipfel in den Norden lockt …

In der auslaufenden Saison 2022 hatten sich nicht alle, aber einige namhafte deutsche Yachten auf Regatten in der Ostsee konzentriert. Darunter war Michael Berghorns amtierendes Europameister- und Weltmeister-Team von 2021 auf der Mills 45 „Halbtrocken 4.5“ vom Kieler Yacht-Club. Andere kehren wie die „Immac Fram“ um Skipper Kai Mares von einem Mittelmeer-Einsatz wieder zurück. Der Dänischenhagener hatte mit der Italia 9.98 Deutsche Meisterschaften, Kieler und Travemünder Wochen gewonnen und war 2018 Vize-Weltmeister.

Michael Berghorns erfolgreiche Mills 45 “Halbtrocken 4.5”Foto: ChristianBeeck.de
Michael Berghorns erfolgreiche Mills 45 “Halbtrocken 4.5”

Mit dem Ausflug nach Mallorca hatte Mares in der auslaufenden Saison den Vergleich mit den Besten aus dem Mittelmeerraum gesucht. „Auch um unseren Horizont zu erweitern“, sagt Mares, dessen großes Ziel eine erfolgreiche WM-Teilnahme 2023 im Heimatrevier vor Kiel ist. Bei der WM 2014 hatte die J/V 49 „Immac One4All“ als zweitbeste deutsche Yacht Platz sechs in der Kategorie A belegt. Mit der Italia 9.98 sind Mares und Crew jetzt in Gruppe C aktiv.

Kiel als Seesegelhochburg: deutsche Medaillenhoffnungen und vorab ein „Fliegerkuss“ der Ocean-Race-Flotte

Bei der WM 2023 treffen die Besten aufeinander. Die Top-Sechs der EM in Norwegen sind in der Kategorie A gemeldet. Fünf der B-Top-Sechs wollen starten, drei sind in der Kategorie C registriert. Unter ihnen sind auch deutsche Medaillenhoffnungen. So tritt der amtierende Europameister Jens Kuphal (Berliner Yacht-Club) mit seiner „Intermezzo“ an und misst sich im direkten Vergleich mit zwei weiteren Landmark 43 aus Norwegen („White Shadow“, Torkjel Valland) und Finnland („Madam Gray“, Sampsa Vehkamäki).

Kuphal, der mit dem französisch-deutschen Team Guyot Environnement – Team Europe für The Ocean Race gemeldet hat, zählt zu den engagiertesten Hochseeseglern Deutschlands. Auch das Ocean Race selbst schenkt Kiel noch vor der ORC-WM einen „Fliegerkuss“: Das bekannteste Mannschaftsrennen segelt mit einem „Fly-By“ am 9. Juni durch die Kieler Innenförde. Kuphal und Ocean-Race-Co-Skipper Robert Stanjek kennen die Kieler Förde gut. In diesem Jahr gewann das Team der „Intermezzo“ die Maior Regatta und den Kiel-Cup der Kieler Woche.

Hier feiern Jens Kuphal und die „Intermezzo“-Crew ihren EM-Sieg in NorwegenFoto: Team Intermezzo
Hier feiern Jens Kuphal und die „Intermezzo“-Crew ihren EM-Sieg in Norwegen

Berghorns „Halbtrocken 4.5“-Team: der Ostsee treu und glänzend vorbereitet

Auch wenn sich der amtierende Europameister Michael Berghorn (KYC) bei der Kieler Woche mit Rang drei begnügen musste: Vor Hankø folgte dem WM-Sieg 2021 der EM-Sieg 2022 und damit der Lohn für eine umfangreiche Vorbereitung. Dazu verzichtete Berghorn dieses Jahr auf die WM-Titelverteidigung im Mittelmeer und blieb seinem Heimatrevier Nord- und Ostsee treu.

„Wir hatten die Titelverteidigung vor Porto Cervo in Italien angepeilt, aber dann hatte ich Bedenken wegen Corona. Nachher liegt das Schiff da, und wir kommen nicht immer dahin. Als ich dann erfuhr, dass die WM 2023 in Kiel ist, haben wir uns entschieden, uns ganz und gar auf die Heim-WM zu konzentrieren“, sagt Berghorn, der 2022 ein volles Programm im Norden absolvierte: Maior, Nordsee-Woche, Kieler Woche, dazwischen Rund Skagen. Sein Team zählt im starken deutschen Aufgebot, das mit zwei EM-Goldmedaillen aus diesem Jahr in Kiel antreten wird, zu den Favoriten für die Heim-WM.

Hier jubelten Michael Berghorn und seine „Halbtrocken 4.5“-Crew über Gold bei der EM in Hankø. Nur zu gern würden sie auch bei der WM 2023 im Heimatrevier aufs Podium segelnFoto: Trond Teigen/KNS
Hier jubelten Michael Berghorn und seine „Halbtrocken 4.5“-Crew über Gold bei der EM in Hankø. Nur zu gern würden sie auch bei der WM 2023 im Heimatrevier aufs Podium segeln

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