Offene 2.4mR-WMChampion Heiko Kröger holt die Krone

Tatjana Pokorny

 · 13.07.2026

Heiko Kröger bei der 2.4mR-Weltmeisterschaft auf dem Sneekermeer.
Foto: Eize Hoekstra
Auf dem Sneekermeer haben die Internationale 2.4mR-Klasse und der Königliche Wassersportverein von Sneek zur Weltmeisterschaft geladen. Sechs Tage haben die weltbesten Solisten in den anspruchsvollen Kieljollen um die Krone gekämpft. Dabei waren Bug- und Segelnummer für Klassenchamp Heiko Kröger das Programm.

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Ein Spaziergang war diese Titeljagd für Allzeit-Champion Heiko Kröger aus Ammersbek bei Hamburg nicht. “Ich musste kämpfen, kalkulieren und rechnen”, erzählt der 60-Jährige nach den sechstägigen Welttitelkämpfen in der Solo-Kielbootklasse 2.4mR. Und auch diese Botschaft brachte Heiko Kröger mit von der erfolgreichen Jagd auf sein viertes Gold bei einer offen ausgetragenen 2.4mR-WM: “Als WM-Revier ist das Sneekermeer nichts für Anfänger.”

2.4mR-WM-Duell: Kröger vs. Huth

Der See in der niederländischen Provinz erscheint auf den ersten Blick freundlich und friedlich. Im Sonnenschein tuckern hier viele Badeboote durch die glitzernden Fluten. Doch das Sneekermeer will erst einmal beherrscht werden mit seinen unterschiedlichen Windecken und den Drehern, die durchaus an das Segeln auf der Hamburger Außenalster erinnern.

“Wenn du gerade denkst, Du hast ein Muster erkannt, weißt wo der Dreher kommt und auf die Ecke setzt, dann kommt er eben auch mal nicht”, wusste Heiko Kröger vom diffizilen Segelschach in Holland zu berichten. Er hat die sich selbst gestellte jüngste Aufgabe trotzdem mit Bravour, fünf Rennsiegen und meisterlichem Können gelöst und seinen insgesamt 16. WM-Titel bei offen oder geschlossen ausgetragenen Weltmeisterschaften in der früheren paralympischen Klasse gewonnen.

Damit hat Heiko Kröger den eigenen Rekord ein weiteres Mal in die Höhe geschraubt. Das Nachsehen hatte auf dem Sneekermeer der Norweger Frank Huth, der sich seinem deutschen Bezwinger nach spannendem Duell mit vier Punkten Rückstand geschlagen geben musste.

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WM-Bronze in der 2.4mR für Kalle Dehler

Heiko Kröger gewann die Welttitelkämpfe mit der Segelnummer GER 1 nach elf Wettfahrten mit 18 Punkten auf dem Konto vor Frank Huth (22 Punkte) und – eine starke Leistung – Kalle Dehler, der seine GER 10 mit insgesamt 32 Punkten nach gelungenem Endspurt und einem abschließenden Wettfahrtsieg als Gesamtdritter ins Ziel brachte – WM-Bronze für ihn. “Kalle ist einfach ein herausragender Segler, das hat man einmal mehr gesehen”, zollte Heiko Kröger dem Landsmann viel Respekt.

Zu den Geschlagenen zählte auf dem Sneekermeer im Feld der insgesamt 85 Starter aus 19 Nationen auch die frühere Weltmeisterin Megan Pascoe, die mit 38 Punkten hinter dem Italiener Antonio Squizzato (37 Punkte) Fünfte wurde. Zu den WM-Ergebnissen geht es hier.

Seinen norwegischen 2.4mR-Rivalen Frank Huth kennt Kröger schon länger. Der Deutsche weiß: “Der Norweger war vorletztes Jahr schon sehr gut und hat sich im vergangenen Jahr ein neues Boot bauen lassen, das ein bisschen anders ist. Schneller ist es aber auch nicht. Es zeigt jedoch, wie viel Motivation bei ihm dahintersteckt.”

2.4mR-Champion neuverliebt in die OK-Jolle

Kröger selbst hat in diesem Jahr vor der WM nur wenige Tage auf seiner 2.4mR gesegelt, weiß aber: “Ich habe Jahrzehnte auf der Hippe auf dem Buckel. Da findet man schnell wieder rein.” Ganz frei von Nervosität vor Entscheidungen ist aber auch der Routinier nicht. Am Morgen vor dem Finale hatte er keinen Hunger – ein Zeichen dafür. Dann aber sagte er sich: “Du musst keine Angst vor dem Verlieren haben, du musst Bock aufs gewinnen haben.”

Für die Veranstalter hatte Kröger einiges Lob: “Die Holländer sind ein nettes Völkchen. Für uns Segler war es eine tolle Veranstaltung. Die Helfer waren superengagiert. Und sie haben sich auch schon warmgelaufen für die jährliche Sneekweek, die einmal jährlich mit vielen Wettfahrten auf dem Sneekermeer ausgerichtet wird.” In diesem jahr findet die Sneekweek vom 31. Juli bis zum 6. August statt und wird wieder von Parties, Live-Musik und einem großen Jahrmarkt in der Stadt begleitet.

Bei seinem WM-Erfolg blickte Paralympics-Sieger Heiko Kröger, der seinem Gold von Sydney 2000 zwölf Jahre später 2012 in Weymouth auch noch paralympisches Silber in der 2.4mR hinzufügte, auf mehr als ein Vierteljahrhundert Erfahrung im anspruchsvollen kleinen, aber feinen Kielboot 2.4mR zurück. Er hat auch ohne linken Unterarm als Siebenjähriger das Segeln im Opti auf dem Biggesee gelernt und ist längst ein Weltklassesegler. Zuletzt hat der frühere Laser-Steuermann die OK-Jolle für sich entdeckt. Dafür hatte er bereits im Winter das Training eingeläutet.

Ich habe mir eine Hängebank gekauft und mich malträtiert, bis die Knie glühten.” Heiko Kröger

In der OK hat Heiko Kröger die Kieler Woche bestritten und auf Anhieb Platz 18 erkämpft. Dabei hätte er in einem der vier Läufe, die bei der windarmen Wonnewoche in diesem Jahr nur möglich waren, fast einen zweiten Platz ins Ziel gebracht. Nach einem kleinen Fehler auf dem Weg ins Ziel wurde es immer noch ein fünfter. Die Granden in der OK-Jolle waren beeindruckt. Für Heiko Kröger sind die 2.4mR wie auch die OK-Jolle attraktiv, weil sie große Felder bieten, technisch anspruchsvoll sind und sich mit Köpfchen und “Basteln” einiges erreichen lässt.

Spaß am Segeln als Lebenselixier

Der für den Segeberger Segel-Club startende Kröger sagt: “Als ich vor zwei Jahren mit der OK-Jolle anfing, dachte ich: Jetzt kann es noch was werden. Wenn ich es erst in zehn Jahren versuche, ist es zu spät. Ich habe also trainiert und bin ziemlich fit. OK-Segeln macht Spaß, ist der Hammer.”

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Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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