NordseewocheDeutschlands Offshore-Königin gestartet – Pantaenius Rund Skagen läuft

Tatjana Pokorny

 · 20.05.2024

Typisch Nordseewoche: Regattavergnügen vor der Kulisse Helgolands
Foto: Lukas Duensing/Nordseewoche
Vor Helgoland hat am Pfingstmontag mit dem 510-Seemeilen-Klassiker Pantaenius Rund Skagen Deutschlands bekanntestes Offshore-Rennen begonnen. Die erwarteten Bedingungen sind vielversprechend, aber nicht gänzlich ohne Hürden. Die spannende Langstreckenregatta führt ihre Herausforderer von Helgoland in zwei bis vier Tagen zur nördlichsten Spitze Dänemarks und durch die Ostsee zurück nach Kiel. Für die Teilnehmer der IDM Seesegeln geht es um begehrte Meistertitel

Themen in diesem Artikel

Blauer Himmel, weiße Schönwetterwolken und eine schöne Brise Wind zwischen zwölf und 14 Knoten: Zum Start des Offshore-Klassikers Pantaenius Rund Skagen hätten sich die Crews am Pfingstmontagnachmittag kaum schönere Bedingungen vor Helgoland wünschen können. 1932 erstmals ausgetragen, blickte Deutschlands Langstrecken-Königin einer eher sommerlichen Edition entgegen. “Wir hatten Sunshine-Reggae für die Nordseewoche gebucht – und bekommen”, sagte Jonas Hallberg vom Kieler Yacht-Club.

Der Zweihand-Weltmeister von 2022, sein Co-Skipper und Co-Weltmeister Till Barth sowie Luca Leidholdt und Jannis Holthusen haben sich für das Pantaenius Rund Skagen mit der JPK 10.30 “Hinden” einiges vorgenommen. Das Quartett führte die im Rahmen der Nordseewoche ausgetragene Internationale Deutsche Meisterschaft der Seesegler nach dem Capitell Cup Rund Helgoland in ORC B an. “Die ‘Hinden” ist die Benchmark”, sagt auch Stefan Voss (Yacht-Club Langballigau), der nach der Helgoländer Runde und vor dem mehrtägigen Offshore-Kräftemessen mit seiner Crew auf der Archambault 35 “Om” in ORC B auf Platz zwei vor Kai Gretens Eintonner “Oromocto” (Hannoverscher Yacht-Club) lag.

Pantaenius Rund Skagen: schnelles Rennen voraus

In ORC A erwarten die führenden IDM-Crews ein schnelles Rennen. Hier lag nach dem Capitell Cup Dirk Klasens gerade erst im April als “Beste deutsche Hochseeyacht” mit dem German Offshore Award ausgezeichnete Humphreys 39 “Ginkgo” in Führung. Gejagt wird die zehnköpfige Crew im Pantaenius Rund Skagen von starken Verfolgerinnen wie Henri de Bokays Elliot 52 SS “Rafale” (Verein Seglerhaus am Wannsee) mit Skipper Malte Päsler (Norddeutscher Regatta Verein), Christoph Mählmanns Swan 46 “Rarotonga” (Blankeneser Segel-Club), Thomas Reineckes Millenium 40 Q.B. “Edelweiss” (Segel-Club Oevelgönne von 1901), Johannes Wackerhagens schneller Knierim 49 “Desna” vom Kieler Yacht-Club und weiteren ehrgeizigen Teams.

Meistgelesene Artikel

1

2

3

Man muss am Ende Richtung Skagen noch ein bisschen kreuzen und kann dann mit ordentlich Ostwind die Ostsee runterballern” (Malte Päsler)

“Rafale”-Steuermann Malte Päsler erklärte vor dem Start auf Helgoland die Perspektive seiner Crew: “Das Wetter sieht nicht so schlecht aus. Ich glaube, man kommt gut die Nordsee hoch, muss am Ende Richtung Skagen noch ein bisschen kreuzen und kann dann mit ordentlich Ostwind die Ostsee runterballern. Da haben wir schon richtig Bock drauf. Da werden wir die großen Segel auspacken und hoffentlich schnell in Kiel ankommen.” Erste Routings wiesen auf eine mögliche Ankunft der schnellsten Yachten am Mittwochnachmittag hin. Der seit 24 Jahren bestehende Streckenrekord wird trotz hübscher Prognosen schwer zu knacken sein: Im Jahr 2000 meisterte Dr. Klaus Murmanns “Uca” den Kurs mit der Crew um Steuermann Walter Meier-Kothe in 43 Stunden und 46 Minuten.

Wie gefällt Ihnen dieser Artikel?

Segelmacher im Nordseewoche-Doppeleinsatz

Mit der “Rarotonga” startet auch der selbstständige Segelmacher Justus Klemme vom Segel-Verein Wedel-Schulau ins Pantaenius Rund Skagen. Er hat in den Tagen der Nordseewoche Nachtschichten eingelegt und kaputte Segel repariert, bevor er nun den Segelmarathon bestreiten wird. Justus Klemme erzählte: ”Es waren anstrengende Tage, nette Kunden, viele Aufträge. Es ging ja los mit relativ viel Wind am Anfang. Was uns natürlich auch deutlich mehr Segel reinbeschert hat. Wir hatten viele Codes, viele Downwinds, viele Gennaker und viele Spinnaker zu patchen …”

Am Samstag kamen der junge Segler und seine Mitstreiter erst um 2 Uhr morgens ins Bett. “Die größte Aufgabe war es, alle kaputten Segel bis morgens früh termin- und fristgerecht fertigzukriegen. Was ja ein bisschen dauert, denn die kommen nass und salzig bei uns an. Doch wir haben alles gut geschafft”, sagte Justus Klemme. Seine “Rarotonga”-Crew-Kameradin Frauke Block fasste vor dem Langstreckenstart die Faszination von Pantaenius Rund Skagen zusammen: “Das Attraktive an Rund Skagen sind die verschiedenen Seegebiete. Man startet in der Nordsee, dann folgen Skagerrak und Kattegat. Und in der Ostsee kann sich alles noch einmal ändern. Es deckt einfach alles einmal ab. Und die lange Strecke ist auch immer super!”

Das Rennen ist taktisch oft anspruchsvoll, bietet so viele Facetten. Es ist einfach ein richtig toller Kurs” (Jonas Hallberg)

“Hinden”-Skipper Jonas Hallberg stimmte zu: “Der ganze Kurs ist extrem gut, bietet so viele unterschiedliche Facetten. Die Beschreibung auf der Pantaenius-Homepage stimmt genau: Das Rennen ist taktisch oft anspruchsvoll, bietet immer Möglichkeiten, etwas zu tun. Es ist einfach ein richtig toller Kurs!”

Endspurt-Blockade auf Kurs Kiel?

“Alle freuen sich auf eine schnelle Runde in diesem Jahr”, sagt “Desna”-Steuermann und RVS-Chef Bertil Balser. Die kleineren Boote müssen sich allerdings sputen, denn ein Hochdruckgebiet könnte ihnen den Wind für die finale Passage nach Kiel rauben. “Das Hoch könnte das Ziel in der Kieler Bucht blockieren. Da müssen wir vorher durch sein”, hatte Jonas Hallberg vor dem Startschuss zum Pantaenius Rund Skagen die Zielsetzung seiner Crew erklärt.

Weitere wichtige Wünsche gab Daniel Baum (Hamburger Segel-Club) allen Startern mit auf den Kurs. Der Hamburger Eigner und Skipper des bildschönen Einzelbaus “Elida” sagte: “Wir hoffen, dass alle gesund bleiben und Spaß haben!” Über das Rennen selbst sagte Daniel Baum: “Mit seinen unterschiedlichen Revieren und Winden ist das Pantaenius Rund Skagen einfach eine tolle Regatta. Ich kann nur alle ermutigen, einmal daran teilzunehmen.”

Wir werden am Tracker kleben wie im Ocean Race” (Albert Schweizer)

Der Startschuss für das deutsche Seesegelabenteuer fiel am Pfingstmontagnachmittag. Auch Principal Race Officer Albert Schweizer, der die 42 Boote in drei Gruppen auf den Kurs schickte, erwartete ein “zügiges Rennen und ein herrliches Rennen”. Weiter sagte Schweizer: “Wir werden am Tracker kleben wie im Ocean Race. Wir freuen uns, dass Pantaenius uns dabei unterstützt, weil wir das Rennen so noch näher an die Öffentlichkeit bringen können.”

Der Rückblick: der Capitell Cup Rund Helgoland

Mehr als 80 Boote hatten am Pfingstsonntag den leichtwindigen und daher abgekürzten Capitell Cup Rund Helgoland bestritten. Die Bedingungen verglich Wettfahrtdirigent Albert Schweizer mit jenen, die oft auf Binnenseen herrschen, zuzüglich der tückischen Tidenströme rund um Deutschlands einzige Hochseeinsel. Albert Schweizer sagte: „Das und die Windlöcher waren schon eine echte Herausforderung.” In den Flautenlöchern blieben vor allem die älteren und schwereren Boote hängen. Sowie auch Boote mit wenig Reaktionsmöglichkeiten bei der Segelgarderobe.

Im Family Cruiser Cup hatte Claus Weegens Banner 33 Race „Ragazzi“ nach berechneter Zeit den Bug vorn, gefolgt von Matthias Müllers Farr 1104 „Njord“. Dritte wurden Maik Leßmaier und seine Crew auf der „Roaz V”. In der Klassikergruppe gewann die Yawl „Peter von Seestermühe“ von Christoph von Reibnitz. Der Zwölfer „Anita“ der Seglervereinigung Rheingau segelte mit dem Team um Bernard Frieling auf Platz zwei vor der „Germania VI“ mit ihrer Crew um Felix Schulz.

Bei den Speedmaschinen in ORCi A/B setzte sich Tom Stryis Crew auf der IMX 40 „Pax“ durch. Ralf Lässig steuerte die XP-44 „Xenia“ auf Platz zwei. Die X-41 „Dockenhuden“ von Maik Dünnfründ segelte nach berechneter Zeit auf Platz drei. In der Gruppe ORCC A/B siegte Jörg Zierons Tripp 40 “Amuse Bouche” vor Heiko Steppats J/111 „segelLore“. Dritte wurde Norbert Drückers BM 53 DS „Sunbird“. In der Gruppe ORCi C gewann Dr. Harald Brünings Farr 30 “Topas” vor Michael Schlees X-35 „Alexis“ und der X-Schwester „Maxima“ von Michael Haacke. In der ORCC C-Gruppe siegte Mathias Matthies’ J/88 „Jam“ vor Maik Güterslohs BM 96 „Zappalotte“ und Hagen Reeses Faurby 396 „Susewind“. Tobias Wulfs war mit seiner Seascape 27 „Avanti“ in der ORCC D-Gruppe nicht zu schlagen. Ihm folgten Jan Petersons J/80 „GerdaM“ und David Kortmanns Hanseat 69 „Coriolis“.

IDM Seesegeln in die Nordseewoche eingebettet

Als traditionsreiches Rennen der Nordseewoche bot der Capitell Cup Rund Helgoland sowohl den Teilnehmern der Nordseewoche als auch den eingebetteten Startern der IDM Seesegeln die vom roten Felsen geprägte prächtige Segelbühne in der Nordsee. Für die Meisterschaftssegler markierte der Capitell Cup Rund Helgoland den Auftakt. Mit dem Pantaenius Rund Skagen werden die Titel vergeben.

Regattavergnügen rund um den roten Felsen – Szenen aus dem Capitell Cup Rund Helgoland:

Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

Meistgelesen in der Rubrik Regatta