Neuer Rekord für eine alte Imoca mit Berliner Co-SkipperAuf "Rosalba" in zwölf Tagen von Bermuda nach Plymouth

Tatjana Pokorny

 · 14.05.2022

Neuer Rekord für eine alte Imoca mit Berliner Co-Skipper: Auf "Rosalba" in zwölf Tagen von Bermuda nach PlymouthFoto: Team Rosalba

Der britische Skipper Richard Tolkien, Co-Skipper Frank Sturm und ihre Amateur-Crew haben die Strecke von Bermuda nach Plymouth in neuer Bestzeit absolviert

Der britische Skipper Richard Tolkien, sein deutscher Co-Skipper Frank Sturm, Tolkiens Partnerin und Journalistin Bronwen Maddox sowie Dave Herrod haben mit der 20 Jahre alten Imoca "Rosalba" einen neuen Einrumpfrekord für die Strecke von Bermuda nach Plymouth ersegelt. Das gab jetzt das World Sailing Speed Record Council (WSSR) bekannt. Für den 2.870 Seemeilen langen Kurs benötigte die am 24. April ins Rennen gegen die Zeit gestartete Crew 12 Tage, 3 Stunden, 12 Minuten und 9 Sekunden. Dabei erreichte "Rosalba" eine theoretische Durchschnittsgeschwindigkeit von 9,86 Knoten. Der Schnitt für die tatsächlich etwa 3.200 absolvierten Seemeilen lag bei über elf Knoten. Die um mehr als einen Tag unterbotene Pionierleistung auf diesem Kurs hatten der Schwede Mikael Ryking und die russische Mini-Seglerin Irena Cracheva im Juni 2017 mit 13 Tagen, 5 Stunden, 19 Minuten und 38 Sekunden auf der 20 Fuß kleineren Pogo 40S2 "Talanta" etabliert.

  Komme, was wolle: "Rosalba" auf Rekordfahrt, immer dem Horizont entgegenFoto: Team Rosalba
Komme, was wolle: "Rosalba" auf Rekordfahrt, immer dem Horizont entgegen

Frank Sturm kennt den 63-jährigen Skipper Richard Tolkien seit rund zwei Jahren und bewundert dessen gelungenes Refit für die zwei Jahrzehnte alte Imoca. Gemeinsam haben sie inzwischen mehrere Regatten bestritten, darunter das Rolex Fastnet Race im vergangenen Sommer. Auch damals ging es bei Frank Sturms Imoca-Feuertaufe schon beim Start mit bis zu 35 Knoten Wind stürmisch zur Sache. Der 59-jährige Berliner, der ursprünglich aus Kornwestheim bei Stuttgart stammt, aber seit 1993 in der Hauptstadt lebt und engagiertes Mitglied im Cöpenicker Segler-Verein ist, ist integraler Bestandteil der Crew. Sein Familienname begleitet den leidenschaftlichen Seesegler auf dem Wasser oft passend. "Ich habe also naturgemäß keine Angst vor Sturm", sagt Frank Sturm und lächelt, "Respekt aber schon."

  Die "Rosalba"-Crew um Richard Tolkien (2. v. r.) mit Co-Skipper Frank Sturm (r.), der hier zum Gedenken an den verstorbenen Vorsitzenden des Cöpenicker Segler-Vereins, Jürgen Möbus, nicht das Crew-Shirt, sondern ein CSV-Vereinshemd trägt. Mit von der Rekordpartie waren auch Tolkiens Partnerin Bronwen Maddox und Dave HerrodFoto: Team Rosalba
Die "Rosalba"-Crew um Richard Tolkien (2. v. r.) mit Co-Skipper Frank Sturm (r.), der hier zum Gedenken an den verstorbenen Vorsitzenden des Cöpenicker Segler-Vereins, Jürgen Möbus, nicht das Crew-Shirt, sondern ein CSV-Vereinshemd trägt. Mit von der Rekordpartie waren auch Tolkiens Partnerin Bronwen Maddox und Dave Herrod

Seit dem Happy End der "Rosalba"-Rekordfahrt ist "We did it!" (dt.: Wir haben es geschafft!) der neue Schlachtruf an Bord. "Es ist unfassbar", jubelte Sturm, "die ganze Arbeit hat sich ausgezahlt." Beobachtet von WSSR-Kontrolleur Michael Ellison, wurde die neue Bestmarke inzwischen offiziell in die Listen der internationalen Rekordwächter aufgenommen. Dabei war es kurz vor dem Zieldurchgang der "Rosalba"-Crew noch einmal spannend geworden, als plötzlich ein riesiges Fährschiff den Kurs blockierte. Schließlich gelang das Passieren mit 200 Meter Abstand, und das betagte Boot schoss unter Code Zero über die Ziellinie.

  War als Neu-Seglerin und Partnerin von Skipper Richard Tolkien mit von der Partie: Die Journalistin und Bordreporterin Bronwen Maddox genoss die Rekordfahrt trotz ruppigem Auftakt ohne Seekrankheit, dafür aber mit vielen intensiven Eindrücken, die sie <a href="https://www.lifeafterparalysis.com/blog/rosalba-atlantic-record-attempt-bermuda-to-plymouth" target="_blank" rel="noopener noreferrer nofollow">in ihrem Logbuch festhielt (bitte anklicken!)</a>Foto: Team Rosalba
War als Neu-Seglerin und Partnerin von Skipper Richard Tolkien mit von der Partie: Die Journalistin und Bordreporterin Bronwen Maddox genoss die Rekordfahrt trotz ruppigem Auftakt ohne Seekrankheit, dafür aber mit vielen intensiven Eindrücken, die sie in ihrem Logbuch festhielt (bitte anklicken!)
  Etwas Ruhe nach dem Sturm für Co-Skipper Frank SturmFoto: Team Rosalba
Etwas Ruhe nach dem Sturm für Co-Skipper Frank Sturm

Für Richard Tolkien, der die Imoca vor rund fünf Jahren erworben und sie wieder in einen guten Zustand versetzt hat, ist der schnelle Ritt von Bermuda nach Plymouth ein mehr als versöhnlicher Abschied vor dem nun anstehenden Bootsverkauf. Ursprünglich hatte Tolkien am Barcelona World Race und einer Solo-Weltumsegelung teilnehmen wollen. Die Rennen platzten und hinterließen einen entäuschten Skipper, der seinen Traum vom Formel-1-Segeln auf der Imoca trotzdem nicht aufgab. Aus der zufälligen Begegnung mit Frank Sturm auf den Azoren erwuchs eine britisch-deutsche Freundschaft, die das Boot und seine Crew immerhin um die halbe Welt trug. "Ich bin mit Richard in eineinhalb Jahren etwa 13.000 Seemeilen gesegelt. Seit ich am 26. Dezember 2021 zum Boot geflogen bin, habe ich nur vier Wochen nicht auf der 'Rosalba' verbracht", erzählt Sturm, der auch selbst viel am Boot gearbeitet hat.

  Ein ruhiger Tag auf See für die "Rosalba"-CrewFoto: Team Rosalba
Ein ruhiger Tag auf See für die "Rosalba"-Crew

Die Rekordfahrt wird er in bester Erinnerung behalten: "Es ging stürmisch los. Wir wussten, dass wir die ersten vier, fünf Tage richtig einen übergebraten bekommen", erzählt Frank Sturm. Die vierköpfige Crew bewährte sich in Winden bis zu 47 Knoten. "Das hat uns natürlich schnell nach Westen gebracht. Dabei hat das Boot durchgehend gescheppert, die Akustik war eindrucksvoll." Die Wellenhöhe dagegen, so Sturm, sei moderat bei etwa vier Metern gewesen, auch wenn "da schon mal die eine oder andere dabei war, die uns quer ins Boot gehauen hat".

  Naturschönheit wie diese gab es auf Kurs Bermuda–Plymouth sattFoto: Team Rosalba
Naturschönheit wie diese gab es auf Kurs Bermuda–Plymouth satt

Weil Unterhalt und Materialkosten für die Imoca hohe Lasten mit sich bringen, soll das Boot jetzt verkauft werden. Entsprechende Gespräche sind bereits angelaufen. Die Segler-Freundschaft zwischen Richard Tolkien und Frank Sturm wird trotzdem ihre Fortsetzung finden. "Der Fokus wechselt nun weg von dem Formel-1-Boot in Richtung Performance-Cruiser", sagt Sturm. Auch das neue Boot soll in Hamble liegen. Von dort aus will die Crew neue Regatta-Pläne schmieden.

  Die zuverlässige, zwei Jahrzehnte alte Imoca "Rosalba" am StegFoto: Team Rosalba
Die zuverlässige, zwei Jahrzehnte alte Imoca "Rosalba" am Steg
  "Rosalba" in RauschefahrtFoto: Team Rosalba
"Rosalba" in Rauschefahrt

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