Hermann Noack war ein beeindruckender, empathischer und liebevoller Mensch. Kennengelernt habe ich ihn bei der Cowes Week 1981. Damals hatte ich mich mit dem Segen meiner Eltern, kaum Geld, aber einer Packung Toastbrot in der Tasche auf gut Glück mit Zug und Fähre nach England aufgemacht. Ich war 16 Jahre alt und wollte um jeden Preis dahin, wo die die deutschen Admiral’s-Cup-Boote waren.
Mein großes Ziel war es, in die Crew der „Sabina“ von Hermann Noack aufgenommen zu werden. Eine verbindliche Verabredung gab es dafür nicht. Ich habe mich im großen Festzelt in Cowes der Crew vorgestellt. Thomas Jungblut war damals Großsegeltrimmer auf „Sabina“ und fragte, wer ich denn eigentlich sei. Stolz sagte ich: „Ich bin Vizeweltmeister im Dreivierteltonner.“ Das WM-Silber hatten wir gerade mit „Gaviota“ gewonnen.
Dann hat es tatsächlich geklappt. Hermann Noack und seine Crew nahmen mich mit offen Armen auf. Ich bekam die Position des Vorschiffsmanns an Bord und im Crew-Haus auch ein Dach über den Kopf. Kaum ein anderer Mensch hat meine weitere Karriere im Segelsport so positiv beeinflusst wie Hermann Noack. Ich wurde in den kommenden Jahren als Vorschiffsmann Teil der Stammcrew und bald auch der Bootsmann mit der Verantwortung für das Boot. Das alles mit kaum 18 Jahren. Es hat Hermann Noack immer ausgezeichnet, dass er junge Menschen, denen er vertraute, stark beflügelte.
Genau das machte ihn aus. Auf diese Weise ließ er uns wachsen. Dabei lebte er bei den Regatten und auch bei den Vorbereitungen dazu uns Jungen vor, dass er sich für keine Arbeit zu schade war. Was natürlich auch in seinen handwerklichen Fähigkeiten begründet war, mit denen er die Bildgießerei in Berlin zu einem Unternehmen mit Weltruhm führte. Hier entstanden die Bronzeplastiken des britischen Künstlers Henry Moore, für dessen sämtliche Bronzegüsse er ab Ende der 1950er Jahre verantwortlich war.
Viele weitere namhafte Künstler verließen sich auf das Auge, das Können und die Kraft von Hermann Noack III.. Ob Joseph Beuys, Käthe Kollwitz, Anselm Kiefer, Georg Baselitz, Wilhelm Lehmbruck und andere – sie alle vertrauten dem Berliner, der die Leitung des 1897 gegründeten Familienunternehmens vor 16 Jahren an seinen Sohn Hermann Noack IV. weitergegeben hatte.
Für mich machten immer auch seine Freundlichkeit und seine Güte den Menschen Hermann Noack aus. Er war einer, der nie den Eigner rauskehrte. Er schliff mit uns das Unterwasserschiff und übernahm die Federführung und Umsetzung, als wir beim Eintonnerpokal 1984 in La Trinité noch Backen auf den Rumpf spachteln mussten, weil die Vermessung der „Sabina“ nicht passte, nachdem der Vermesser im Vorfeld falsch gemessen hatte.
Hermann lebte uns auch vor, dass harte Arbeit und Spaß gut zusammenpassen. Er war lebenshungrig, lebenslustig und feierfreudig. Er liebte das Leben. Sein Lachen war legendär – er hat uns allen, die ihn auf seinen Booten begleiteten, so viel gegeben. Seine Vereinsheimaten waren in Berlin die Seglervereinigung 1903 Berlin e.V. und der Verein Seglerhaus am Wannsee.
Unseren größten Erfolg hatten wir mit ihm, als wir 1983 den Admiral’s Cup gewannen. Schon in den Ausscheidungen war der Kampf hart. Willi Illbruck und Udo Schütz hatten dafür die in damaligen Zeiten hervorstechenden Top-Boote „Container“ und „Pinta“ im Autoklaven bauen lassen. Die beiden Racer galten als „absolutes Feingebäck“. Man wähnte sich gesetzt fürs deutsche Team, mit dem beide Eigner zehn Jahre später den Admiral’s Cup an der Seite von Hans-Otto Schümanns “Rubin” erneut gewinnen sollten.
Nach ihrer Idee hätte 1983 noch die „Outsider“ von Tilmar Hansen zu den beiden „Großen“ dazustoßen sollen – fertig wäre das Admiral’s-Cup-Team gewesen. Doch es kam anders. Unser Team um Hermann Noack war es, das mit dem weniger hochgewetteten Eintonner „Sabina“ die Ausscheidungen gewann. Danach ging es hinter den Kulissen noch eine Weile hoch her, doch es war zum Glück zu schwierig, uns zuhause zu lassen.
Schließlich blieb die Teamaufstellung für den Admiral‘s Cup 1983 bei den Ergebnissen der Ausscheidung: Nach England fuhren „Pinta“, „Outsider“ und „Sabina“. Im Cup selbst gelangen uns zwar die Inshores nicht so hübsch wie noch in der Ausscheidung, doch konnten wir auf den Langstrecken hoch punkten und wurden sogar bestes deutsches Boot in der Einzelwertung. Viel wichtiger aber war: Wir gewannen den Admiral’s Cup zum zweiten Mal nach 1973 mit dem deutschen Team.
Dieser Sieg war für den bescheidenen Hermann Noack ein sportliches Fest, sein größter gelungener Gipfelsturm und auch ein bisschen Genugtuung. Er wurde dafür wie auch alle weiteren Segler, die damals dabei waren, mit dem Silbernen Loorbeerblatt ausgezeichnet. Diese Ehrung war ihm wichtig, auch wenn er als Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande der Bundesrepublik und des Verdienstordens des Landes Berlin auf weiteren Gebieten höchste Anerkennung fand. Damals wurde Hermann Noack in der YACHT mit diesem Kommentar zitiert: „Man sieht, die anderen kochen auch nur mit Wasser.“
Hermann, Du wirst Deiner Familie sehr fehlen. Mir auch! Kein anderer Eigner hat mich zu Beginn meiner Karriere im Segelsport so nachhaltig beeinflusst. Als wir uns am vergangenen Freitag zur Trauerfeier in der kleinen Kirche am Nikolassee trafen, waren einige alte Weggefährten aus diesen wunderbaren Zeiten, den wilden 1980er Jahren, dabei. Thomas Jungblut mit seiner Frau Brigitte, Sönke Kähler, Roland Michael und unser Steuermann bei eben jenem legendären Admiral’s Cup: Wolf-Dieter Jahn.
Wir alle hatten ausschließlich schöne und heitere Erinnerungen an Hermann, die wir sehr gerne geteilt haben. Das einte uns mit der gesamten großen Trauergemeinde. Dazu passte gut die Trauerrede von Herrmanns langjährigem Segelfreund Nils Bleese, der viele „Sabinas“ gesteuert hat. Die Rede von Nils Bleese hielt Hermanns Tochter Sabina. Sie hat uns alle noch einmal tief eintauchen lassen in die Segelwelt, die wir mit Hermann teilten.
Den Vater und den Bildgießer Hermann Noack würdigte auch Hermanns Sohn Hermann IV. in einer Rede, die – analog zu seinem Engagement im Segelsport – zeigte, wie sehr der Vater der Berlinale-Bären, der Quadriga auf dem Brandenburger Tor und unzähliger weiteren bekannter Kunstobjekte die Menschen um ihn herum mit seinem Werk in der traditionsreichen Kunstgießerei beeinflusste und positiv bewegte.
Wie sagte eine Dame zum Ende der Trauerfeier so passend: „Hermann war einfach ein Knallertyp!“ So werde ich Hermann Noack in Erinnerung behalten: Als einen Menschen, der sich immer für andere interessierte. Einen mit ansteckender Energie und Dynamik, der positiv und aufgeschlossen war – bis ins hohe Alter von 95 Jahren.
Der Seesegelsport war ein großer Teil seines Lebens. Seinen ersten Eintonner hatte er 1964 bei Wolter Huismann (jetzt Royal Huismann) in Vollenhove bestellt. Ich teile die Trauer mit seiner so liebevollen Frau Renate und seinen Kindern Sabina und Hermann – Euer Verlust ist groß. Wir haben einen besonderen Menschen verloren.
Wollte man die Bronzeplastik eines starken Vorbildes, eines beherzten Regattayachteigners und Seglers gießen, sie würde für mich wie Hermann Nock aussehen. Ich bin froh, dass ich ihn vor zwei Jahren im Februar noch einmal besucht habe und mit ihm die eine und andere Geschichte unserer gemeinsamen Vergangenheit in herzensguter Stimmung austauschen konnte. Hermann wurde am 9. Februar 1931 geboren und starb am 5. März 2026. Sail on, Hermann – Du warst mein früher Mentor, ein väterlicher Freund, einfach ein wunderbares Vorbild, das bleibt.

Profisegler, Coach und Autor