Wettfahrten

Mini-Transat: Lina Rixgens: mit ungebrochener Moral in die zweite Etappe

Mini-Transat: Lina Rixgens: mit ungebrochener Moral in die zweite EtappeFoto: Mini Transat Eurochef 2021 – Vincent Olivaud

Windgeber defekt, Autopilot ausgefallen, Ruder gebrochen. Wie die Solo-Skipperin nach holprigem Start noch einmal angreifen will

Von vorn bis hinten läuft das Mini-Transat für die einzige deutsche Frau unter den 90 Teilnehmern bisher ganz anders als geplant. Statt sich im vorderen Teil des Feldes zu behaupten, warfen sie Bruch und Wetterpech weit zurück. Im Interview mit YACHT online gibt sie sich dennoch zuversichtlich, was die zweite Etappe betrifft. Motto: Jetzt erst recht!

Am vergangenen Sonntag erreichte Lina Rixgens als 21. der 24 Proto-Minis das erste Etappenziel. Sie habe eine extrem fordernde Fahrt hinter sich, erzählt sie im Telefonat, zwei Tage nach ihrer Ankunft auf La Palma. Die Strapazen des 13-tägigen Solos wirken nach. Sie sei noch immer „gut k. o.“, sagt sie.

Auf den Bildern ihrer Ankunft allerdings spiegelt sich diese Erschöpfung nicht wider. Auch ihre Stimme klingt fest und entschlossen. Es mag an der Erleichterung liegen, die sie in diesem Moment verspürt, wie sie später erzählt. Und an dem Fokus, der bereits nach vorn gerichtet ist.

Etappe eins, das spürt man, hat sie abgehakt, analysiert, verarbeitet. „Der Start lief gut“, sagt die 27-Jährige, die 2017 ihr erstes Mini-Transat gesegelt ist. Anfangs liegt sie fast sensationell auf Platz 6. Doch schon in der ersten Nacht des Rennens fällt ihr Windmesser aus. Der Autopilot, nun nicht mehr mit den höchst relevanten Winddaten gefüttert, steuert nur noch nach Kompasskurs und Lagesensor. Schon hierdurch verliert sie an Geschwindigkeit.

Kurz darauf funktioniert der Autopilot überhaupt nicht mehr, sodass Lina Rixgens ihren Mini ununterbrochen von Hand steuern muss – eine enorme Anstrengung. Gegen Ende der ersten Woche muss sie daher über den von der Wettfahrtleitung empfohlenen Zwischenstopp in einem Hafen nahe Kap Finisterre nicht lange nachdenken. Sie ist fast dankbar – zum einen, weil sie so einer Kaltfront mit bis zu 50 Knoten Wind entgeht, zum anderen, weil sie Zeit für Reparaturen gewinnt – „mir kam die Pause sehr gelegen“. Rixgens konnte während des kurzen Aufenthaltes in Camarinas alle Schäden beheben.

Dementsprechend motiviert startet sie von dort aus erneut ins Rennen. Nach zwischenzeitlicher Ernüchterung aufgrund des ausbleibenden Windes folgen die bisher besten Tage. Der Wind weht mit 17–21 Knoten schräg von hinten und beschleunigt die Wevo 6.5 durchgängig auf 10 Knoten aufwärts. Champagnersegeln!

„Diese Tage versuche ich ganz fest in Erinnerung zu behalten“, sagt Rixgens über ihr bisheriges Etappen-Highlight. Doch am Morgen ihres Geburtstags folgt das böse Erwachen: die Halterung ihres Backbord-Ruderblattes bricht. Eine Reparatur ist bei dem Seegang nicht zu machen. Lina fährt zunächst mit nur einem Ruder weiter. Zu allem Überfluss bricht auch die zweite Halterung, als die „Avanade“ etwa 200 Seemeilen vor La Palma steht. Zwar gelingt es der erfahrenen Solo-Skipperin, eines der Ruderblätter am Rumpf zu fixieren. Doch die Sorge, es nicht allein bis in den Hafen zu schaffen, bleibt bis zum Schluss.

Umso erleichterter kommt Rixgens auf der Insel an. In den nächsten Tagen wird sie „viel Schlaf nachholen und gut essen, vielleicht den Vulkan anschauen“, erzählt sie. Neben der Erholung wird es auch darum gehen, die Ruderanlage zu reparieren. Rixgens ist zuversichtlich, ihren Mini 6.50 bis zum Start der zweiten Etappe am 29. Oktober wieder auf 100 Prozent zu bekommen.

Generell ist sie mit den Segeleigenschaften ihres neuen Bootes im Vergleich zur Pogo 2, mit der sie ihr erstes Mini-Transat absolviert hatte, sehr zufrieden:. „Es segelt wesentlich steifer und kann bei Halb- und Downwindkursen mehr Segelfläche tragen.“ Allerdings bewege sich der Mini auch ruckartiger: „Mehr Komfort und Lebensqualität bietet das Boot nicht.“

Und wie geht die Medizinerin mit ihrem holperigen Start um? Wie motiviert sie sich für die jetzt folgende, weitaus längere Etappe? „Das Ziel war ein ganz anderes. Ich wollte unter den ersten Booten mitfahren“, räumt sie unumwunden ein. Unterkriegen lässt sich Lina Rixgens freilich nicht. „Ich habe die Hoffnung, auf der zweiten Etappe zeigen zu können, dass mein Boot und ich nicht nur im Survival-, sondern auch im Wettkampfmodus segeln können.“ An Kampfgeist scheint es Rixgens jedenfalls nicht zu mangeln.

Meistgelesene Artikel