MaiOR 2022Saisonauftakt der Seesegler - „Intermezzo“ mit Siegesserie

YACHT-Redaktion

 · 02.05.2022

MaiOR 2022: Saisonauftakt der Seesegler - „Intermezzo“ mit SiegesserieFoto: @ ChristianBeeck.de

Der Seesegelauftakt vor Kiel erforderte viel Gespür für Wind. 37 Crews erlebten bei der MaiOR eine Windlotterie der besonderen Art

Flaute und Dreher bis zu 180 Grad bedeuteten neben etwas Glück vor allem sehr aufmerksames Segeln. Nachdem die MaiOR zwei Jahre lang Corona-bedingt ausgefallen war, fanden 25 ORC-Yachten sowie zwölf J/70 an die Startlinie. Die ORC-Yachten segelten aufgeteilt in zwei Gruppen, ORC I/II und ORC III/IV, insgesamt fünf Wettfahrten.

Durchmarsch für „Intermezzo“ in ORC I/II

Bei den 14 großen Yachten (ORC I/II) setzte sich die „Intermezzo“ von Jens Kuphal (Berlin) souverän durch. Von Beginn an waren die Zeichen auf Sieg gestellt. Nach fünf Wettfahrten standen dann fünf Siege in der Bilanz der Landmark 43 mod. Kuphal, der mit der „Einstein“ (Imoca/Sieger des The Ocean Race Europe) am The Ocean Race teilnehmen will, gehört zu den engagiertesten Hochseeseglern Deutschlands. Auch mit der Imoca soll es zu einem Wiedersehen in Kiel kommen, da das Rennen mit einem Fly-by am 9. Juni durch die Kieler Innenförde führt.

  Souveräner MaiOR-Sieger in der Klasse ORC I/II: die „Intermezzo“ von Jens Kuphal (Berlin) – fünf Starts, fünf Siege.Foto: @ ChristianBeeck.de
Souveräner MaiOR-Sieger in der Klasse ORC I/II: die „Intermezzo“ von Jens Kuphal (Berlin) – fünf Starts, fünf Siege.

Bei der MaiOR war die „Intermezzo“ besetzt mit zahlreichen erfolgreichen Profis. Von der Britin Annie Lush, dem Olympia-Sechsten von London 2012 im Starboot, Robert Stanjek, dem Kieler-Woche-Sieger im Finn, Phillip Kasüske, alle auch auf der Imoca an Bord, bis Max Gurgel (mehrfacher Deutscher ORC-Meister mit „Rubix“, „Solconia“, „X-Day“, „Intermezzo“ sowie im Match Race) reichte die Liste der namhaften Crewmitglieder von Jens Kuphal, der fünfmal startete und fünfmal gewann. „Es war ein langer Weg. Als ich vor zehn Jahren startete, belegten wir vor Warnemünde bei der IDM den letzten Platz“, erinnert sich Kuphal, der damit auch heutigen Neueinsteigern Mut machen möchte.

Zweiter wurde die neue „X-Day“ mit Lars Hückstädt und Eigner Walter Watermann (Kiel). Die Fast 40+ war gerade frisch zur MaiOR aus England importiert worden und segelte teilweise noch mit der Segelnummer GBR 419 R. Watermann hatte die Yacht im Oktober vergangenen Jahres in einer Anzeige gesehen, im November in Cowes probegesegelt und gleich gekauft. „Ich musste mir beim Kaufgespräch das Grinsen verkneifen, um den Preis nicht hochzutreiben, aber ich war gleich begeistert“, so Watermann. Mit einem zweiten Platz im letzten Rennen verdrängte die „X-Day“ die Dänen um Skipper Sören Junker mit der „Nexus“ (X-41), die ebenfalls seit Jahren in Kiel am Start ist, auf Rang drei.

Wimpernschlag-Finale in ORC III/IV

In der Klasse ORC III/IV fiel die Entscheidung im letzten Rennen. Punktgleich mit je zwei ersten, einem zweiten und einem dritten Rang entschied das letzte Rennen zugunsten der Kieler „Freya“. Die Crew der X-35 setzt sich aus Aktiven der Yachtschule und Schulungsgruppe des Kieler Yacht-Clubs zusammen, das Durchschnittsalter liegt zwischen 23 und 24 Jahren. „Unser großes Ziel ist die ORC-WM im kommenden Jahr vor Kiel“, so Skipper Nick Heuwinkel.

  Sieg in der letzten Wettfahrt und damit Gesamtsieger punktgleich vor der „Stony VIII“ (Steen Toftebjerg/Dänemark) und einen Punkt vor der „XEN“ (Torsten Bastiansen/Flensborg Yacht Club): „Freya“ (Nick Heuwinkel/Kieler Yacht-Club)Foto: @ ChristianBeeck.de
Sieg in der letzten Wettfahrt und damit Gesamtsieger punktgleich vor der „Stony VIII“ (Steen Toftebjerg/Dänemark) und einen Punkt vor der „XEN“ (Torsten Bastiansen/Flensborg Yacht Club): „Freya“ (Nick Heuwinkel/Kieler Yacht-Club)

Zweiter wurde Steen Toftebjerg (Dänemark) mit seiner „Stony VIII“ (Italia 11.98), nachdem er zwei Tage in Führung lag. Den dritten Rang holte Torsten Bastiansen (Flensborg Yacht Club) mit der X-35 „Xen“. Der fünffache Deutsche Meister, zweimalige Vize-Weltmeister und Vize-Europameister ist amtierender Kieler-Woche-Sieger und lag einen Punkt hinter dem Führungsduo und sieben Punkte vor dem Viertplatzierten Knut Freudenberg mit der „halbtrocken“ (First 36.7/SV Flensburg).

Dominanz bei den J/70

Ein kleines, aber feines Feld ging in der J/70 für neun Wettfahrten auf die Bahn. Unter den elf deutschen und der einen dänischen Crew waren mit Martin Menzner (Stein) und Carsten Kemmling (Hamburg) auch mehrfache Deutsche Meister am Start. Martin Menzner beherrschte über Jahrzehnte die J/80-Klasse, war Kieler-Woche-Seriensieger (zuletzt 2020) und zwölfmaliger Deutscher Meister. Dazu brachte der Bootskonstrukteur und Yachtdesigner den Kieler Yacht-Club in die Segel-Bundesliga und mischt jetzt in der J/70 mit. „Die J/80-Klasse war zu ausgedünnt, und es gab keine Regattafelder mehr“, begründet Menzner seinen Bootswechsel. „Heutzutage müsste man doch froh sein, wenn eine Einheitsklasse auf den Seebahnen noch zwölf Boote an den Start bringt“, war er mit dem MaiOR-Feld zufrieden. Er habe zwar deutlich stärkere Zeiten in Einheitsklassen wie X-79, X-99, J/80 und einigen weiteren Klassen erlebt, aber die Zeiten änderten sich nun einmal. Einhand- und Zweihandsegeln seien im Trend, so Menzner. „Wir hatten kaum Zeit zu trainieren und mussten das Boot erst kennenlernen“, erklärte Menzner, der mit der Lernkurve, zwei zweiten Plätzen zum Abschluss und insgesamt Rang fünf zufrieden war.

  Sie beherrschten die J/70-Klasse: Carsten Kemmling (Hamburg) und seine CrewFoto: @ ChristianBeeck.de
Sie beherrschten die J/70-Klasse: Carsten Kemmling (Hamburg) und seine Crew

Ganz anders Carsten Kemmling. Der Hamburger, ehemaliger erfolgreicher Laser- und FD-Segler, viermaliger deutscher Match-Race-Meister sowie dreimaliger Bundesliga-Titelträger mit dem NRV, kennt sich mit der J/70 bestens aus und konnte seine Erfahrung umsetzen. „Man musste die Dreher gut ausfahren. Das ist uns gelungen“, so Kemmling, der fünf erste und zwei zweite Plätze in die Wertung brachte. „Die Wettfahrten wurden zum Schluss immer schwieriger, aber machbar“, so der Hamburger. Die achte Wettfahrt, die wegen der Dreher und Flaute verkürzt wurde, war dann auch sein Streicher. Es folgte der fünfte Sieg zum Abschluss. „Aber das war noch einmal richtig spannend, sich mit Martin Menzner zu matchen“, so Kemmling.

  Zwölf J/70 am StartFoto: @ ChristianBeeck.de
Zwölf J/70 am Start

Keine Yardstick-Wertung

Ein Ziel erreichten die Veranstalter nicht: eine eigene Wertung für Yardstick-Yachten. Die Ausschreibung war ein Versuch, neue Eigner für das See-Regattasegeln zu begeistern, indem der Aufwand, etwa für die ORCi-Vermessung, entfällt. Es ging jedoch keine Yardstick-Meldung ein. „Wir werden es weiter und direkter versuchen. Es steckt viel Potenzial in der Szene. Wir möchten die Regattaszene erweitern und beleben“, so der Wettfahrtleiter und Seebahnchef Eckart Reinke.

  Gedränge beim StartFoto: @ ChristianBeeck.de
Gedränge beim Start

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