Es gibt auf jedem Boot Optimierungsmöglichkeiten für mehr Speed. Das wollen wir für die Regattateilnahme bei der Langstrecke Vegvisir, aber auch künftige Törns nutzen. Wir haben damit im Winterlager begonnen und uns unseren 54 Jahre alten Langkieler zusammen mit unserem Test- und Technik-Redakteur Hauke Schmidt angesehen. Wieso eine weitere Meinung? Wer sein eigenes Boot kennt, neigt schnell zur Betriebsblindheit: „Wozu etwas ändern? Läuft doch alles.“ Hauke hingegen hat bereits unzählige unterschiedliche Boote gesehen, kennt die Praxis aus allen Perspektiven und befasst sich seit Jahrzehnten mit vielerlei Themen rund um die Yachttechnik.
Tatsächlich hat er einige Punkte gefunden, die wir angehen werden. Besitzer älterer Boote kennen das Gefühl: Ist das noch gut oder muss es neu? Der Block dreht noch, also warum wechseln? Etwas Wahrheit steckt in diesem Gedanken. Ein kugelgelagerter High-End-Block macht die reine Bootsgeschwindigkeit nicht automatisch schneller, ersetzt er einen alten Block. Aber er verbessert deutlich das Handling: Fallen und Schoten laufen sauberer und leichter durch die Blöcke, wodurch weniger Kraftaufwand nötig ist. Gerade beim Vorsegelwechsel, Spinnakersetzen oder sonstigen Manövern spart das Zeit und Energie und macht obendrein mehr Spaß. Das Boot wird so indirekt schneller, da größere Segelflächen in kürzerer Zeit bewegt werden können.
Deshalb haben wir uns entschieden, den alten Tufnolblock an der Selbstwendefock und den ebenfalls aus den 90ern stammenden Block am Mastfuß für das Spinnakerfall durch neue, kugelgelagerte Blöcke zu ersetzen. Insgesamt sind es drei Stück. Das kostet rund 150 Euro, ein Aufwand, der eher unter Instandhaltung als Upgrade fällt, aber sich lohnt.
Ein weiterer Punkt betrifft das Vorsegel. Die Idee: einen Inhauler für die Fock installieren, um die Fock weiter zur Bootsmitte zu bringen und so einen besseren Winkel zum Wind zu erzielen. Ein System, das auf sportlichen Booten häufig eingesetzt wird. Hauke rät allerdings davon ab: „Das bringt mit diesem schweren Boot nichts“, erklärt er. Theoretisch könnte es funktionieren, praktisch ist es bei unserer Selbstwendefock nicht nötig. Stattdessen empfiehlt er, vorne einen zweiten Wagen auf die Genuaschiene zu setzen und mit einem Barberholer an einem Low-Friction-Ring auszustatten. Damit lassen sich die Holepunkte der Genuaschoten einfacher und präziser trimmen. Das System ist zusätzlich als Barber für den Spinnaker nutzbar. Zwei Rutscher kosteten 100 Euro, Low-Friction-Ringe und Dyneema-Leinen hatten wir noch an Bord. Insgesamt sind es etwa 150 Euro, wenn zusätzliches Material gekauft werden muss.
Ein weiteres, völlig kostenfreies Upgrade ist simples Leerräumen. Auf unserem 25-Fuß-Boot hat sich über die Jahre einiges angesammelt. Schon vor zwei Saisons hat Ole das gemacht. Er hat damals aus Spaß die Müllsäcke auf die Waage gestellt: rund 80 Kilogramm weniger – quasi eine Person gespart. Weniger Gewicht verbessert die Geschwindigkeit und kostet uns nichts.
Neben Handling-Optimierungen gibt es sicherheitsrelevante Punkte, die es zu verbessern gilt. Strecktaue zum Einpicken sind laut Regattavorschriften Pflicht und ein wichtiger Sicherheitsfaktor. Gerade bei unvorhersehbarem Wetter und langen Regatten mit wenig Schlaf können Fehler passieren, die unter normalen Bedingungen kaum vorkommen würden. Das Schlimmste wäre natürlich, über Bord zu fallen. Auch hier haben wir wertvolle Tipps bekommen: Man kann entweder die klassische Variante mit Gurtband verwenden, das flach auf dem Deck liegt und so nicht stört, oder eine Variante mit Dyneema-Kern wählen. Warum nur der Kern? Weil dieser beim Betreten flach wird. Ein Kern-
Mantel-Geflecht oder eine konventionelle Leine könnte sich unter dem Fuß wegrollen, was zum Sturz führen kann. Lesen Sie mehr über Strecktaue in unserem Spezialartikel.
Wir entscheiden uns schließlich für die Dyneema-Version: Ein älteres Tau mit passendem Kern liegt noch in der Backskiste; der Mantel ist durch eine feste Rolle etwas verschlissen, der Kern jedoch unbeschädigt. Somit entstehen uns dafür keine zusätzlichen Kosten. Vergleichbares Tauwerk würde im Handel etwa 55 Euro kosten (5 Millimeter Stärke). Alternativ ließe sich Gurtband verwenden; zwölf Meter pro Seite kosten etwa 120 Euro und müssten auf unsere rund sieben Meter Deckslänge gekürzt werden.
Unsere alte Blei-Batterie hat eine Kapazität von 76 Amperestunden. Damit kommen wir, bei Nutzung von Beleuchtung, iPad zur Navigation, Laden von zwei Telefonen und den Instrumenten, nur etwa 20 Stunden aus. Für eine Regatta von mindestens 24 bis 30 Stunden ist das eindeutig zu wenig, zudem wäre eine Reserve dringend notwendig. Den Motor während der Wettfahrt zu starten, um den Akku zu laden würden wir gerne vermeiden. Es gibt grundsätzlich zwei Optionen: die kostensparende Variante wäre, eine größere Batterie einzubauen oder eine zweite zu installieren. Allerdings haben wir an Bord keinen zusätzlichen Platz im vorgesehenen Schapp. Eine Batterie in der darüberliegenden Hundekoje zu verstauen, wäre weder elegant noch sicher. Außerdem brauchen wir den Platz anderweitig und das Boot soll trotzdem für den Urlaub brauchbar bleiben.
Daher steht unsere Entscheidung fest: Wir machen es gleich richtig und rüsten auf Lithium um und erneuern gleichzeitig die korrodierten Kabel. Eine günstige Batterie und ein B2B-Lader kosten ungefähr 500 Euro. Die passenden Kabel dazu etwa 100 Euro. Eine 110-Amperestunden-Blei-Batterie dazuzustellen würde uns im Vergleich etwa 200 Euro kosten. Der Gewichtsaspekt sollte dabei aber auch nicht außer Acht gelassen werden. Wir wollen ja trotzdem Regatta segeln. Trotz des etwas größeren Aufwands und des höheren Preises lohnt sich der Umbau für uns, da wir direkt auf moderne, leistungsstarke Technik setzen und so auch beim Cruisen optimal gerüstet sind.
Was als nächstes auf dem Plan steht: Mast stellen, Prüfen, ob das Rohr gerade steht, Wantenspannung im Hafen optimieren und unter Segeln feintrimmen. Dazu weitere Verbesserungen testen.

Redakteur Test & Technik