Tatjana Pokorny
· 31.08.2023
Dem Franzosen Benoît Tuduri (”Capso - En Cavale”) ist ein Traumstart in seine Offshore-Rennkarriere gelungen. Bei seinem ersten Einsatz im La Solitaire du Figaro Paprec konnte der 29-Jährige gleich die erste Etappe des fordernden Soloklassikers gewinnen. Damit setzt der Senkrechtsarter auch die erfolgreiche Bilanz seiner Trainingsgruppe Team Vendée Formation aus Saint-Gilles-Croix fort: Sein Trainer Xavier Macaire, längst ein Großer der Klasse, hatte die ersten Figaro-Etappen in den Jahren 2020 und 2012 gewonnen.
Man muss Vertrauen in seine Entscheidungen haben. Und da sind wir nun: zwei Rookies auf dem Podium!” Julie Simon
Zum zweiten Mal in Folge hat mit Benoît Tuduri ein Figaro-Erstteilnehmer die Eröffnungsetappe gewinnen können. Er kam am Morgen des 31. August ins Ziel, absolvierte die 610 Seemeilen von Caen nach Kinsale in Irland in 3 Tagen, 19 Stunden und 25 Sekunden. Eine gute Viertelstunde nach ihm kreuzte der irische “Heimkehrer” Tom Dolan auf “Smurfit Kappa-Kingspan” die Ziellinie.
Als zweite Neueinsteigerin und beste Frau wurde Julie Simon auf “Douze” Dritte. Sie belohnte sich nach drei Saisons in der Klasse Mini 650 mit einem herausragenden Einstieg ins Figaro-Fach und sagte: "Ich hätte mir das nie vorstellen können. Es ist außergewöhnlich! Mein Ziel war eigentlich nur, eine gute Etappe zu fahren, mich idealerweise in der ersten Hälfte zu platzieren. Wir haben den Endspurt im Dunklen hingelegt, was nicht einfach war. Aber man muss Vertrauen in seine Entscheidungen haben, und da sind wir nun: zwei Rookies auf dem Podium!"
“Teamwork”-Co-Favorit Nils Palmieri eröffnete die 54. Auflage von La Solitaire du Figaro als Vierter. Die anfänglich in der Spitze mitsegelnde Elodie Bonafus (”Quéguiner La Vie en Rose”) kam als Zehnte nur eine gute halbe Stunde nach dem Sieger ins Ziel. 33 Minuten Differenz zwischen den Plätzen eins und zehn zeigen, wie brutal eng es im technisch anspruchsvollen Figaro-Circuit zur Sache geht.
Das musste auch Sanni Beucke bei ihrer zweiten Figaro-Teilnahme erfahren. Obwohl nur gut vier Stunden nach Benoît Tuduri im Ziel, bedeutete das zunächst Rang 27 unter den 32 Männern und Frauen, von denen drei am Donnerstagnachmittag noch unterwegs waren. Die Olympia-Zweite von Japan ist Anfang 2022 in die Figaro-Klasse eingestiegen und will hier auf hohem Niveau für die ins Visier genommene Vendée-Globe-Teilnahme 2028 Erfahrung sammeln und lernen.
Dies ist erst mein viertes Solorennen und die erste Solitaire-Etappe meines Lebens.” Benoît Tuduri
"Ich begreife gar nicht, was ich da getan habe, ich habe es noch gar nicht richtig realisiert”, kommentierte Benoît Tuduri seinen Coup in Kinsale zunächst fast sprachlos. Dann sagte er: “Ich war so sehr darauf konzentriert, die Ziellinie zu überqueren, dass ich nicht darüber nachgedacht habe, was mir da gelungen ist. Dies ist erst mein viertes Solorennen und die erste Solitaire-Etappe meines Lebens. Das ist wirklich etwas Besonderes.”
Ich widme diesen Sieg allen Kindern, die mich beim Start in Caen besucht haben. Und allen meinen Partnern, die mir vertrauen." Tuduri, der in der Nähe seiner Heimatstadt Montpellier ein Unternehmen für Segelschulungen und die Organisation von Firmenregatten mitgegründet hat, sagte: "Ich weiß, dass man beim Figaro nie aufgibt. Und es war mein erstes Mal am Fastnet. Das ist ein besonderes Gefühl, weil es ein legendärer Ort ist. Es war dunkel und regnete. Ich sah den Fastnet-Felsen erst, als ich nur noch 20 Meter entfernt war. Aber es war ein sehr schöner, mystischer Moment.”
Auch Tom Dolan hat nach schwachem Start eine starke Auftaktetappe bestritten. Er hatte sich für den Osten und einen Kurs nördlich der Scillies entschieden, hatte am Dienstag beim Aufstieg in die Keltische See geführt und den Fastnet-Felsen in den frühen Morgenstunden als Vierter passiert. Im Endspurt auf dem Weg ins Ziel überholte Dolan auf küstennäherem Kurs noch seinen Schweizer Konkurrenten Nils Palmieri und Julie Simon.
So sicherte sich Tom Dolan die Vivi-Trophäe für den besten internationalen, nicht-französischen Skipper und wurde von seinen Landsleuten mit viel Enthusiasmus empfangen. “Es war wirklich rührend, dass so viele Leute da waren, um mich zu begrüßen”, freute sich der in Frankreich auch als “Flying Irishman” bekannte Ire in Kinsale.

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