La Solitaire du FigaroSanni Beuckes zweiter Start beim Solo-Klassiker

Tatjana Pokorny

 · 27.08.2023

Sanni Beucke vor ihrem zweiten Start im La Solitaire du Figaro Paprec
Foto: Vincent Olivaud/Las Solitaire du Figaro
Das 54. La Solitaire du Figaro Paprec ist gestartet. Etappe eins führt die 32 Solisten aus dem französischen Starthafen Caen über 610 Seemeilen ins irische Kinsale. Fünf Skipperinnen und 27 Männer sind unterwegs. Eine von ihnen ist Sanni Beucke aus Strande bei Kiel mit ihrer Figaro “This race is female”.

Die erste von drei Etappen im 54. La Solitaire du Figaro Paprec läuft. Sie führt die 27 Männer und fünf Frauen im “Riesenslalom” die durch den Ärmelkanal, bevor sie nach Nordwesten segeln und Kurs auf den hübschen Hafen von Kinsale an der irischen Südküste abbiegen. Es war der junge Gaston Morvan (”Région Bretagne CMB”) der die Startlinie bei seiner dritten Teilnahme am Sonntagmittag als Erster kreuzte. Zum Abend hatte aber bereits Guillaume Pirouelle (”Région Normandie”) die Führung vor Loïs Berrehar (”Macif”) und Basile Bourgnon (”Edenred”) übernommen.

Maximale Erfahrung sammeln für die Vendée Globe

Als einzige deutsche Starterin und eine von nur vier Frauen im Feld, eröffnete Susann “Sanni” Beucke das Rennen zurückhaltend. Die 49erFX-Olympia-Zweite von Enoshima war 2022 ins Seesegeln gewechselt und trainiert seitdem in Lorient, will sich im Figaro-Circuit die Erfahrung holen, die sie für die angepeilte Vendée-Globe-Kampagne 2028 braucht.

Die 32-Jährige startete optimistisch in ihr zweites La Solitaire du Figaro Paprec. Bei ihrer Premiere hatte die Profiseglerin aus Strande nach harten Bewährungsproben auf Etappe drei das Zeitlimit verpasst, nachdem ihr in Starkwinden mehrere Segel gerissen waren und sie mit Müdigkeit und Sorgen zu kämpfen hatte. Über die Ziellinie hatte sich sich damals trotzdem gekämpft.

Meistgelesene Artikel

1

2

3

4

5

Das ist der große Unterschied zum letzten Jahr: Ich habe einen Trainer und bin schon Rennen gefahren.” Sanni Beucke

Dieses Mal tritt Sanni Beucke mit mehr Erfahrung an, sagte vor dem Start: “Ich fühle mich sehr gut. Das ist der große Unterschied zum letzten Jahr: Jetzt habe ich einen Trainer und bin schon Rennen gefahren. Ich gehe mit einer wettbewerbsfähigeren Einstellung in die erste Etappe als im letzten Jahr. Wir werden sehr unterschiedliche Bedingungen haben: Wind, kein Wind und Übergänge. Ich bin froh, dass das der Fall ist. Es wird interessant werden. Deshalb möchte ich bei der Flotte bleiben, um weiter zu lernen und Fortschritte zu machen".

Die mäßige bis frische Brise war an diesem Startsonntag des Dreiteilers sowohl drehend als auch böig und hielt die Solisten von Beginn an auf Trab. Ein heftiger Regenschauer wurde von plötzlicher Windstille fast ein wenig dramatisch eingeläutet. Doch sobald die kleine Front vorbeigezogen war, nahm die Flotte kraftvoll Kurs auf den Kanal. Die schnellsten Boote werden am Donnerstagmorgen in Kinsale erwartet.

Eine Kollision, aber keine großen Schäden

Für einen Schreckmoment hatte nach dem Start am Nachmittag eine Kollision zwischen Alexis Loison auf “Groupe Réel” und Hugo Dahlenne auf “YC de Saint Lunaire” gesorgt. Loison gilt als Top-Akteur unter den Erstteilnehmern, den sogenannten “Bizuth”. Jedoch wurde, so berichteten die Veranstalter, keiner der beiden Skipper verletzt. Die Schäden wurden als "nicht leistungsmindernd" beschrieben.

Diese 54. Edition des jährlichen französischen Solo-Offshore-Rennens - die erste von fünf Ausgaben, die vom riesigen französischen Recycling- und alternativen Energiekonzern Paprec als Titelsponsor beflügelt wird - umfasst drei lange Etappen. Alle sind Ü-600-Seemeilen-Abschnitte, die üblicherweise etwa vier Tage und vier Nächte dauern. Insgesamt werden die Teilnehmer am Ende von La Solitaire du Figaro Paprec rund 2000 Seemeilen absolviert haben.

Ein Rennen, drei Etappen: der Härtest für Figaro-Solisten

Nach dem Auftakt auf Kurs Kinsale, der mit anstrengenden Gezeiten-, Küsten- und Kanalabschnitten beginnt und in eine offenere Offshore-Etappe in der Keltischen See übergeht, führt die zweite Etappe über 630 Meilen nach Roscoff – inklusive Passage durch die Irische See zur Isle of Man und hinunter in die Mündung des Bristol Channel um Land's End herum in die Bucht von Morlaix.

Vor dem Zieleinlauf in Piriac sur Mer wartet dann noch ein Stück Offshore-Regatta über die Biskaya und zurück. Wettfahrtleiter Yann Chateau, selbst ein erfahrener Seesegler, hat einen Kurs entworfen, der die Zeit auf dem Wasser maximiert, die Erholungszeiten an Land auf ein knappes Maß reduziert und alle relevanten Eigenschaften der Herausforderer auf die Probe stellt.

Viele französische Favoriten und ein ehrgeiziger Ire

Zu den Favoriten zählen der 28-jährige Guillaume Pirouelle (”Région Normandie”) aus Le Havre. Der ehemalige 470er-Olympiateilnehmer und Jugendeuropameister in dieser Klasse war im vergangenen Jahr Zweiter der Gesamtwertung, gewann die zweite Etappe und hat gerade das Solo Concarneau Guy Cotten gewonnen. Auch Landsmann Gaston Morvan gilt als vielversprechender Segler, der konstant in der Spitzengruppe mitsegelt und 2022 Fünfter der Gesamtwertung wurde, aber noch immer auf seinen ersten Figaro-Etappensieg wartet.

Der 34-jährige Corentin Horeau startet bereits zum siebten Mal in ein La Solitaire du Figaro. Nach einer sechsjährigen Pause war er 2021 in den Figaro-Circuit zurückgekehrt. Jetzt tritt er in den bekannten Farben der Banque Populaire an. Der Ire Tom Dolan (”Smurfit Kappa-Kingspan”) hat hart gearbeitet, um sich einen Stammplatz an der Spitze des Feldes zu sichern. Er wurde letztes Jahr Siebter und 2020 Fünfter und hat das Potenzial, auf dem Podium zu landen.

Ich bin bereit. Alles ist an Bord des Schiffes. Ich habe viel Gutes zu essen, ich habe den Wetterbericht und klare Vorstellungen.” Élodie Bonafous

Der Brite Alan Roberts, zuletzt als unermüdlicher Kämpfer an der Seite von “Biotherm”-Skipper Paul Meilhat im Ocean Race stark gefordert, verpasst das Rennen zum ersten Mal seit zehn Jahren. In diesem Jahr sind fünf Frauen am Start, darunter Élodie Bonafous (”Queguiner La Vie en Rose”), die im letzten Jahr Achte wurde und die erste Etappe heute als vorerst Sechste angriffslustig eröffnete.

Bonafous hat bereits mit ihrem Sponsor Queguiner ein Programm für die Vendée Globe 2028 aufgelegt. Auf ihrem Weg wurde sie unter anderem von Boris Herrmanns Ocean-Race-Mitstreiter Yann Eliès unterstützt. Die Französin sagte vor dem Start: "Ich bin bereit. Alles ist an Bord des Schiffes, ich habe viel Gutes zu essen, ich habe den Wetterbericht und klare Vorstellungen. Ich kann es kaum erwarten, loszufahren. Wir haben immer Angst, etwas vergessen zu haben, aber der Stress, den ich hatte, war eher positiver Stress, der mir Auftrieb gibt.”

Ich habe mental viel gearbeitet und will mich noch mehr anstrengen.” Élodie Bonafous

Bonafous sieht sich gut gerüstet für einen Angriff nach vorne: “Ich fühle mich fit. Letztes Jahr hat es gut geendet, dieses Jahr hat es gut angefangen. Ich habe mental viel gearbeitet und will mich noch mehr anstrengen, jede Nacht auf See sein und alles geben. Ziel ist es, besser abzuschneiden als im vergangenen Jahr und idealerweise unter den Top 5 zu landen.”

Ein sehr französisches Solorennen – La Solitaire du Figaro in der Vorschau:

Artikel teilen:
Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

Meistgelesen in der Rubrik Regatta