Tatjana Pokorny
· 23.01.2026
Es ist nicht neu, dass die Biskaya ihren Herausforderern stürmisch begegnen kann. Dass aber ein Rekordversuch um die Welt im Kampf um die Jules Verne Trophy so brutal zu Ende geht, ist außerordentlich. Im Finistère, Morbihan und l’Ille-et-Villaine herrscht bis Samstag auch an Land Alarmbereitschaft “Orange”. Sturmtief Ingrid bringt schon heute 50, 60 Knoten Wind im Bereich der Ziellinie für den Kampf um die Jules Verne Trophy bei Ouessant.
Nach 38 Tagen, 11 Stunden und 22 Minuten auf See, segelte Team Sodebo am Freitagmorgen in nun schnell zunehmenden Winden südöstlich der Azoren dem Ziel entgegen. Die siebenköpfige Crew machte sich bereit für die Begegnung mit Sturmtief Ingrid und dessen Auswirkungen. Das Szenario erinnert an das dramatische Finale von Peter Blake und Robin Knox-Johnston, die sich 1994 durch einen 50-Knoten-Sturm zur Jules Verne Trophy kämpften und schließlich mit 74 Tagen, 22 Stunden und 17 Minuten einen neuen Rekord für Nonstop-Mannschaftsweltumseglungen aufstellten.
Auf ihrem 92-Fuß-Katamaran “Enza” schleppte die Crew im Finale sogar Ketten und Trossen, um ihre Fahrt zu verlangsamen und zu stabilisieren. Im Ziel hatte der 2001 in Macapá im Amazonas-Delta von Piraten ermordete Peter Blake nach seiner damals fünften Weltumseglung gesagt: “Ich glaube, die Crew hat die Jules Verne Trophy in den letzten 24 Stunden gewonnen.” Er war sich mit Robin Knox-Johnston einig: “Die Bedingungen im Finale waren die schlimmsten.”
So sieht es jetzt wieder aus. In einem Interview mit der französischen Tageszeitung Ouest France sagte der frühere Vendée-Globe-Gewinner und erfahrene Ultim-Skipper Armel Le Cléac’h: “Ohne diesen Sturm am Ende hätte ‘Sodebo’ deutlich weniger als 80 Tage gebraucht.” Dazu sagte Le Cléac’h, dass er im Ultim-Segeln niemanden kenne, der schon mit solchen Bedingungen zu tun hatte, denen jetzt die “Sodeboys” in einem letzten Kraftakt begegnen müssen.
Die bisherige Leistung von Team Sodebo bezeichnete Armel Le Cléac’h, der im kommenden Jahr selbst um die Jules Verne Trophy kämpfen will, als “sehr gut”, sagte: “Sie haben eine superschnelle Atlantiküberquerung geschafft und anschließend alle Referenzzeiten gebrochen, obwohl die Bedingungen im Süden und bei der Überquerung des Südatlantiks nicht sehr günstig waren. Und trotzdem liegen sie immer noch vor dem Rekord.”
Den Rekord hält seit neun Jahren “Idec Sport”. Mit ihr hatten Francis Joyon und seine Crew die Welt 2017 in 40 Tagen, 23 Stunden, 30 Minuten und 30 Sekunden umsegelt. Am Freitagmorgen hielt “Sodebo Ultim 3” einen theoretischen Vorsprung von 645 Seemeilen auf “Idec Sport” zum vergleichbaren Zeitpunkt der Weltumseglung der Verteidiger der Jules Verne Tropy. Da waren für die aktuellen Herausforderer noch rund 1100 Seemeilen bis ins Ziel zu meistern.
Doch was für eine Schlussfahrt steht Skipper Thomas Coville (57), Co-Skipper Benjamin Schwartz (38), Léonard Legrand (30), dem Elektronikingenieru Frédéric Denis (41), Pierre Leboucher (44), Guillaume Pirouelle (30) und Nicolas Troussel (51) nun bevor! An Land arbeitet die Routing-Gruppe von Team Sodebo Tag und Nacht daran, die Crew so sicher wie möglich ins Ziel zu bringen.
Die Mitglieder der Sodebo-Routing-Gruppe zählen zu den Besten ihres Faches: Der 50 Jahre alte Leiter Philipe Legros, der 47-jährige Simon “Sifi” Fisher, der 55jährige Chris Bedford und der 44-jährige François Duguet arbeiten im meisterlich besetzten “Pôle Routage” des Teams rund um die Uhr daran, den besten und sichersten Kurs zu finden. Die Essenzen der Kommunikation zwischen Land- und Segelgruppe sind im sehr informativen Tracking von Team Sodebo gut zu verfolgen.
Am Freitagmorgen nun hat der letzte schwere Sturmritt begonnen. Nachricht von der Routing-Gruppe an die Crew: “Der Linksdreher wird den Beginn der Windverstärkung markieren. Ausnahmsweise können wir etwas früher reffen” Und weiter: “Gute Arbeit. Ihr macht einen guten Gewinn im Westen, das ist gut für den weiteren Verlauf.”
Zuvor hatte es von Land eine Etwa-Prognose für diesen Freitag und eine Empfehlung für den Umgang damit gegeben. Darin hieß es: “Der Nordwestwind am Freitag weht etwas weiter links und ermöglicht uns eine etwas direktere Route. Allerdings wählen alle Routen eine Kursabweichung von 90°TWA im stärksten Teil. Wir sind uns einig, dass ein offener Winkel vorzuziehen wäre. Daher empfehlen wir, beim Verlassen des Rückens in den Kurs zu investieren, um etwas nördlich der EC-Routen zu bleiben.”
Gebannt verfolgen Segler und Fans in aller Welt das Finale von Team Sodebo im Kampf um die Jules Verne Trophy. In einer Botschaft von Team Sodebo an die Follower hieß es am Morgen des 23. Januar: “Wir werden diesen Rekord, den wir seit 2020 bereits zum vierten Mal versuchen, endlich schaffen.” Die Uhr dafür läuft “erst” am Sonntagabend um 20:31:25 Uhr ab. Zwei stürmische Tage und knapp zwölf Stunden blieben Team Sodebo am Freitagmorgen noch, um sich in die Geschichtsbücher einzutragen.