Niemand im Team Sodebo – weder an Bord der „Sodebo Ultim 3“ rund 700 Seemeilen westlich der Kanaren, noch an Land – will sich zu früh freuen. Man weiß ja nie. Stattdessen fokussieren sich Skipper Thomas Coville, seine Crew, die Router an Land und der gesamte Rennstall lieber voll auf ihren Endspurt im Kampf um die Jules Verne Trophy für die schnellste Nonstop-Weltumseglung mit Crew.
Es wird spannend für die Franzosen, die den neun Jahre alten Jules-Verne-Rekord von „Idec Sport“ jagen. Für Team Sodebo lag ein neuer Weltrekord am Donnerstagmittag nach 37 Tagen und 15 Stunden auf See bei rund 1650 Seemeilen bis ins Ziel schon zum Greifen nah. 2017 hatten Francis Joyon und sein Team die Welt in 40 Tagen, 23 Stunden, 30 Minuten und 30 Sekunden umsegelt. An diese Zeit kam seither niemand heran. Vielversprechende Versuche endeten oft mit „Ufo“-Kollisionen und Bruch.
Auch das aktuell noch segelnde Frauen-Team auf der reaktivierten „Idec Sport“ musste bei seinem Versuch früh akzeptieren, den Rekord nicht knacken zu können. Skipperin Alexia Barrier, Dee Caffari und ihre sechs Mitseglerinnen kämpfen aber auch ohne die geplatzte Chance auf die Jules Verne Trophy weiter darum, ihre Nonstop-Weltumseglung als erste weibliche Crew auf einem Ultim-Trimaran zu beenden und damit eine Bestleistung zu erreichen.
Das ist noch einmal schwerer geworden, seit das malträtierte “Idec Sport”-Großsegel in heftigen Winterstürmen auf dem Atlantik am Mittwoch gerissen ist. Im Azoren-Archipel hatte es vier Stunden gedauert, bis das Groß wieder unter Kontrolle gebracht und im zweiten Reff gesichert werden konnte. Dieser jüngste brutale und irreparable Rückschlag hat Alexia Barrier, Dee Caffari, Annemieke Bes, Rebecca Gmür Hornell, Deborah Blair, Molly LaPointe, Támara Echegoyen und Stacey Jackson mehr als die Hälfte ihrer Großsegelfläche gekostet und wird den Trimaran verlangsamen.
Wir sind stark, wir sind vereint. Also Kopf hoch, wir schaffen das!“ Alexia Barrier
Die Skipperin sagte: „Unser Großsegel riss in zwei Teile, als wir halsen wollten, um Reff 1 zu setzen. Kurz gesagt, wir haben drei Stunden lang versucht, das Großsegel runterzubekommen. Schließlich gelang es uns, es auf die Reff 2-Position zu bekommen. Wir haben noch ein Stück Großsegel übrig, gerade genug für Reff 2. Also setzen wir unsere Reise fort.“ Weiter sagte Alexia Barrier: „Es kann nicht repariert werden. Aber zwei Reffs reichen aus, um bei dem Wetter, das wir haben werden, nach Brest zu kommen. Also, wir machen uns keine Sorgen.“
Nach dem Großsegelbruch auf „Idec Sport“ ist es nicht unwahrscheinlich, dass Thomas Coville und seine „Sodebo“-Crew die Frauen, die seit fast 54 Tagen unterwegs sind, auf dem Weg ins Ziel noch passieren. Die Seglerinnen rechneten zuletzt mit ihrem Zieldurchgang für den Abend des 25. oder am 26. Januar. Hier geht es zum Tracking für The Famous Project der Frauen auf “Idec Sport”. Für die Männer, die bei ihrem Ritt um die Welt schon mehrere Bestleistungen erzielt haben, läuft die Rekordchance am 25. Januar abends um 20:31:25 Uhr ab.
Werden sie durchkommen und die Jules Verne Trophy holen? Wie schwer das ist, weiß auch die sechsmalige Weltumseglerin Dee Caffari im Team der Frauen: „Es gab 30 Versuche, die Jules-Verne-Trophäe zu gewinnen, aber nur 14 davon haben die Weltumrundung erfolgreich geschafft. Nur 9 davon haben zu einem Rekord geführt.“ Wird der Lauf von „Sodebo Ultim 3 der zehnte sein?
Die Offshore-Welt hält nun den Atem an. Auf dem Weg ins Ziel haben Coville und Co. noch mindestens eine gemeine Hürde zu nehmen: Ab Höhe von Gibraltar sollen auf den letzten Seemeilen westlich der iberischen Halbinsel bis hoch nach England orkanartige Winde aufziehen. Vorerst aber ist die Stimmung im Team weiter gut und fokussiert. Von der Routing-Gruppe des Teams an Land hieß es am Donnerstag zu den jüngsten Wetterinfos: „Es läuft gut, Leute!“
Einen Vorsprung von knapp 700 Seemeilen hielten die „Sodeboys“ am Donnerstagmittag vor der „Idec Sport“-Leistung zum vergleichbaren Zeitpunkt der Weltumseglung vor neun Jahren. Das ist ein gutes Polster, auch wenn es am 38. Tag auf See in nur rund zehn Knoten Wind zunächst wieder leicht schmolz.