Zwischen dem alten und dem neuen Rekord liegen 4.731.777 Minuten. Oder fast 78.863 Stunden. Beinahe 3286 Tagen. Die lange Wartezeit auf eine neue Bestzeit im Kampf um die Jules Verne Trophy erklärt einen Teil der überschwenglichen Reaktionen auf den fabelhaften Weltrekord, mit dem Thomas Coville, und seine “Sodeboys” am 25. Januar ins Ziel vor Brest kamen. Sie haben die Welt in 40 Tagen, 10 Stunden, 45 Minuten und 50 Sekunden umsegelt – eine fantastische Leistung.
Dem vorherigen Rekord von “Idec Sport” aus dem Jahr 2017 haben sie fast 13 Stunden abgenommen. Nach der triumphalen Fahrt durch die Rade de Brest wurde das siebenköpfige Team mit Skipper Thomas Coville, Co-Skipper Benjamin Schwartz, Frédéric Denis, Pierre Leboucher, Léonard Legrand, Guillaume Pirouelle und Nicolas Troussel am 25. Januar stürmisch und emotional vom Team, von den Familien, den Fans und auch den stark bewegten Projektpartnern am Quai Malbert im Hafen von Brest empfangen.
Besonders sympathisch fielen beim bewegenden Empfang Patricia Brochard, Marie-Laurence Gouraud und Bénédicte Mercier auf. Die drei Schwestern stehen heute an der Spitze des Familienfeinkostunternehmens Sodebo, das 1973 die am Sonntag ebenfalls in Brest mitfeiernden Eltern Simone und Joseph Bougro gegründet haben. Seit 28 Jahren unterstützt Sodebo Skipper Thomas Coville bei seinen Rekordversuchen und Regattateilnahmen. Im Jubel von Brest sagte Marie-Laurence Gouraud fast unter Tränen: “Da sind so viele Emotionen. Das ist eine so, so große Freude, ein unermesslicher Stolz auf dieses Team.”
Es ist außerirdisch!” Marie-Laurence Gouraud
Bénédicte Mercier sagte: “Vielen Dank fürs Tragen von Sodebos Farben. Es ist fabelhaft.” Als dritte Schwester im Sodebo-Co-Präsidenten-Trio sagte Patricia Brochard auf die Frage, was ihr beim Zieldurchgang des Teams durch den Kopf gegangen sei: “Ein unermessliches Glücksgefühl. Auch Erleichterung, weil die Crew einige schwierige Tage erlebt hat. Ich glaube, niemand wäre gerne dort gewesen, wo sie waren (Red.: gemeint ist das Sturmfinale). Trotzdem haben sie es geschafft, sind nun eine enorme Quelle des Stolzes.”
Patricia Brochard sagte auch: “Ich freue mich für die Segler, ihre Familien, für das Team und für alle Mitarbeiter im Team Sodebo. Wir sind sehr stolz!” Sie beschrieb die Crew als “eng verbundenes Team”. Jeder an Bord habe “seine eigene Persönlichkeit, seine eigenen Fähigkeiten, aber vor allem lückenlose Solidarität. Es ist atemberaubend”. Der Wille zum Erfolg, so Brochard, sei im gesamten Team Sodebo riesig gewesen.
Diesen Weg mit dem Segelrennstall zu teilen, so empfinden es alle drei Sodebo-Schwestern und so formulierte es Patricia Brochard, sei nach der herausragenden Leistung und dem Rekord wie “ein Schatz”. Die Art, wie das Team seine Rekordfahrt um die Welt mit allen geteilt habe, sei einzigartig gewesen: “Wir haben das alle zusammen erleben können und werden es jetzt gemeinsam feiern.”
Sportlicher Dirigent der Meisterleistung ist Thomas Coville. Seit 1999 Skipper im Team Sodebo, hat der 57-Jährige jetzt seine zehnte Weltumseglung abgeschlossen. Fünf davon hat er solo bestritten, acht auf Mehrrumpfbooten. Kap Hoorn hat er sogar zwölf Male passiert. 1997 hatte Coville die Jule Verne Trophy schon einmal an der Seite von Olivier de Kersauson gewonnen. In unserem ersten Rekordbericht findet sich eine Übersicht über alle zehn Gewinner-Crews der Jules Verne Tropyhy.
Mit Team Sodebo gelang nun der Rekord im Kampf um die Jules Verne Trophy im vierten Anlauf. Der sympathische Ocean Lover bedankte sich für den Erfolg vor allem bei seiner Crew, seinem Team. Er weiß: “Es kostet jahrelange Arbeit, jahrelange Resilienz. Ich denke, die Jules Verne Trophy ist mein Gral. Und jedes meiner Crew-Mitglieder ist einzigartig und unverwechselbar.”
Den Gewinn der Jules Verne Trophy bezeichnete Thomas Coville als “fantastisch”. Auch, weil der Rekord sieben Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen und unterschiedlicher Motivation gelungen sei, die sich an Bord “transparent über alles ausgetauscht, die sich hundertprozentig vertraut haben”. Anders ausgedrückt: “Wenn einer von uns einen Fehler macht, sind wir alle tot.”
Jedes Crew-Mitglied, auch die Jungen, hätten in wichtigen Momenten mitentscheidende Führungsqualitäten gezeigt. “Sie haben das Beste mit an Bord gebracht, das sie hatten”, so Thomas Coville. Der Altersdurchschnitt der “Sodebo Ultim 3”-Crew betrug bei der Rekordfahrt knapp 42 Jahre. Die Jüngsten waren die 30 Jahre alten Léonard Legrand und Class40-As Guillaume Priouelle. An seine Crew gewandt, sagte Thomas Coville: “Messieurs: merci!”
Und wie hat der entthronte Rekordhalter der Jules Verne Trophy reagiert? Francis Joyon, dessen Team auf “Idec Sport” die Bestmarke seit dem 26. Januar 2017 fast neun Jahre lang hielt, gratulierte Team Sodebo und sagte der französischen Tageszeitung Ouest France: “Alle in meinem Team freuen sich sehr für Thomas und seine Crew.” Gleichzeitig kündigte Joyon – aktuell auf der Suche nach Partnern für ein neues Projekt – an, dass er wieder in See stechen und versuchen wolle, die Jules Verne Trophy zurückzugewinnen.
Das Echo auf den Rekord für die schnellste Weltumseglung fiel vor allem in Frankreich, aber auch anderswo euphorisch aus. Ouest France schrieb: “Thomas Coville und seine Sodeboys sind die neuen Jules-Verne-Helden”. Die FAZ hielt fest: “Jules Verne Trophy: Rekord für die schnellste Weltumseglung geknackt.” Thomas Covilles Weggefährte Nico Troussell sagte nach gemeisterten 28.315 Seemeilen voller Hindernisse, Rückschläge, Höhenflüge und Bestzeiten bei den großen Kaps: “Dieser Rekord könnte lange Bestand haben.”
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron kommentierte den Rekord seiner Landsleute bei X enthusiastisch, schrieb: “Von Jules Verne bis Thomas Coville. Von der Weltumrundung in 80 Tagen bis zur Weltumrundung in 40 Tagen. Die französische Kunst der Seefahrt auf höchstem Niveau. Herzlichen Glückwunsch an Thomas Coville und seine Crew, die gerade den absoluten Rekord für die schnellste Weltumrundung mit dem Segelboot bei der Jules Verne Trophy in 40 Tagen, 10 Stunden und 45 Minuten gebrochen haben.”
Eine außergewöhnliche Leistung. Französischer Stolz.” Emmanuel Macron
Auch die Hüter der Jules Verne Trophy selbst verneigten sich vor den neuen Rekordhaltern und notierten, was viele am 25. Januar sagten: “Sodebo ist ein unglaublicher kollektiver Erfolg.” Möglich gemacht haben ihn die sieben Segler an Bord, die Routing-Gruppe, das Technik-Team an Land und alle Unterstützer im Team Sodebo Voile. Der Weltseglerverband World Sailing brachte es auf den Punkt: “Sodebo wird zm schnellsten Boot, das je die Welt umsegelt hat.”