Jules Verne TrophyFrauen-Crew ohne Groß, aber mit Stolz im Ziel

Tatjana Pokorny

 · 26.01.2026

Skipperin Alexia Barrier, Co-Skipperin Dee Caffari und sechs Mitstreiterinnen haben am 26. Januar ihre gemeinsame Nonstop-Weltumseglung beendet.
Foto: The Famous Project CIC
Als erste Frauen-Crew hat The Famous Project CIC einen Tag nach dem Triumph von Team Sodebo Voile die Ziellinie der Jules Verne Trophy erreicht. Skipperin Alexia Barrier, die nun siebenmalige Weltumseglerin Dee Caffari und sechs weitere Seglerinnen haben gezeigt, was auch nach harten Rückschlägen für ein rein weibliches Team im Rennen um die Welt möglich ist. Auch der neue Jule-Verne-Rekordhalter Thomas Coville ist beeindruckt.

“Für immer Erste!” Dieser Schlachtruf hat The Famous Project CIC um die Welt begleitet, motiviert und ins Ziel getrieben. Jetzt hat erstmals eine reine Frauen-Crew die Ziellinie einer Jules-Verne Herausforderung erreicht. Das gelang einen Tag nach dem Sodebo-Triumph zwar ohne Großsegel und ohne die Chance auf den Rekord, aber dennoch mit unbändigem Stolz an Bord des Trimarans “Idec Sport”.

Mit der Jules Verne Trophy Geschichte schreiben

Die acht Seglerinnen, die ihre Kräfte im The Famous Project CIC gebündelt hatten, sind Skipperin Alexia Barrier, Co-Skipperin Dee Caffari, Annemieke Bes, Rebecca Gmür Hornell, Deborah Blair, Molly LaPointe, Matchrace-Olympiasiegerin Támara Echegoyen und Stacey Jackson. Sie waren am 28. November in ihren Kampf um die Jules-Verne-Trophäe gestartet. Ihre wichtigsten Ziele: “Geschichte im Frauensport und im Segelsport schreiben.”

Die Frauen wussten um die enorme Aufgabe, waren sie doch mit genau dem Boot im Einsatz, das 2017 den neun Jahre währenden Rekord aufgestellt hatte, den am Vortag Thomas Coville und Team Sodebo knacken konnten. Die ursprünglich 2006 bei Multiplast gebaute, 31,5 Meter lange und im Mai 2024 nach einem umfangreichen Refit wieder zu Wasser gelassene “Idec Sport” sollte ihre ehrgeizige Crew als erstes rein weibliches Segelteam um die Welt tragen. Das hat sie in 57 Tagen, 21 Stunden und 20 Minuten getan.

Meistgelesene Artikel

1

2

3

Leicht war diese Runde um die Welt nicht, denn das Team um Skipperin Alexia Barrier hatte schon bald nach dem Auftakt im Dezember Probleme mit dem gebrochenen Großsegelschloss zu verkraften. Da aber fiel schon die unbedingte Entscheidung, die Weltumseglung auch mit technischen Einschränkungen fortzusetzen. Gegen Ende der XL-Herausforderun zerfetzte das Groß ganz, wurde unbrauchbar. Ins Ziel kamen die Frauen trotzdem.

Wie gefällt Ihnen dieser Artikel?

Jules Verne Trophy: zu Ende gebracht, was Tracy Edwards begonnen hatte

Als erste Skipperin einer Frauen-Crew hatte sich 1998 Tracy Edwards an die Herausforderung der Jules Verne Trophy gewagt. Sie war mit dem Katamaran Royal SunAlliance und zehnköpfiger Crew ins Rennen gegangen. Es lief vielversprechend, bis vor der chilenischen Küste mit dem Mast alle Hoffnungen zerbarsten. Alexia Barrier und ihre Crew aber kamen um die Welt.

Ich bin echt stolz auf uns! Wir hatten eine Serie technischer Hürden zu überstehen. Aber wir haben nie aufgegeben.” Alexia Barrier

Die erfahrenste Seglerin im The Famous Project CIC war Dee Caffari, die auf “Idec Sport” im Rahmen der Jules Verne Trophy ihre sagenhafte siebte (!) Weltumseglung ins Ziel brachte. Die Britin blickt auf Nonstop-Solo-Weltumseglungen mit und gegen die vorherrschenden Winde als auch auf Ocean-Race-Runden mit Crew und Stopps zurück und verfügt – unter Männern wie Frauen – über einen der historischen größten Erfahrungsschätze in ihrer Domäne.

Als Co-Skipperin von Alexia Barrier sagte Dee Caffari im Ziel ihrer nun abgeschlossenen jüngsten Herausforderung: “Es war viel schneller als sonst, aber wir mussten härter arbeiten. Es war wie auf einem Schlachtfeld, aber wir sind als Siegerinnen hervorgegangen. So empfinde ich es.”

Die Erstleistung ist vollbracht

Offshore-Profi Annemieke Bes erzählte auf dem Weg in den Hafen von Brest: “Wir wussten nicht immer, ob wir es bis ins Ziel schaffen würden. Unser Großsegel ist in vier Teile zerrissen. Wir sind heute superstolz auf uns!” Die Ocean-Race-Seglerin und dreimalige Olympiateilnehmerin aus den Niederlanden, die 2008 in Qingdao in der Yngling Silber gewonnen hatte, zählte zu den starken Säulen für The Famous Project CIC.

Die Australierin Stacy Jackson erzählte: “In einem Rennen über 57 Tage ist es leicht, auch schlechte Tage auf See zu haben. Die harten Erlebnisse sind wirklich hart. Aber die die guten Dinge, die sind wirklich großartig!” Nicht nur Dee Caffari weiß: “Wäre es einfach, würde es jeder tun.” Diese Feststellung hatte Caffari nach dem ersten Riss im Großsegel noch im alten Jahr getroffen. Im Finale wurde es noch einmal schwerer für die Frauen, weil das Großsegel nach 55 Tagen auf See komplett “explodierte” war und unbrauchbar wurde.

Keiner dieser und anderer Rückschläge konnte die acht Frauen vom Kurs abbringen. Nun haben sie an diesem 26. Januar ihre erhoffte Erstleistung ins Ziel gebracht: die erste nur von Seglerinnen bestrittene Nonstop-Weltumsegelung auf einem Maxi-Mehrrumpfboot. Was als Traum für die Frauen aus Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden, der Schweiz, Neuseeland, aus Italien, den USA, aus Spanien und Australien begonnen hatte, war im Finale noch einmal von einem mächtigen Wintersturm bedroht worden. Auch den meisterten sie.

Jules-Verne-Rekordskipper Thomas Coville verneigt sich

Die Leistung ist hoch einzuschätzen. Dee Caffari ordnete die vollendete Runde um die Welt so ein: “Das ist eine Plattform, auf der wir wachsen können. Wir können jetzt sogar noch weiter schauen, weil wir auf den Schultern von Giganten stehen. Dass Thomas Coville und seine Crew uns heute Blumen geschenkt haben, ist wirklich symbolisch. Mich hat das echt emotional gemacht. Und was sie gestern geleistet haben, ist einfach phänomenal. Wir folgen ihren Fußstapfen. Sie sollten in Zukunft gut aufpassen, was hinter ihnen kommt.”

Thomas Coville und Mitglieder des Sodebo-Teams, am Vortag im selben Hafen von Brest noch die gefeierten Helden der Jules Verne Trophy, empfingen die Seglerinnen persönlich. Am Dock hielt Coville eine kurze Rede und sagte: “Ihr seid Teil der Geschichte. Was ihr geleistet habt, ist unglaublich! Und besonders an dich, Alexia: Ich habe keine Ahnung, woher du diese verrückte Energie nimmst. Aber du bist so voller Energie. Du hast Außergewöhnliches geleistet! Ihr habt meine vollste Bewunderung!”

Angekommen! The Famous Projct CIC hat die Ziellinie der Jules Verne Trophy zwar ohne Rekord, aber stolz und selbstbewusst passiert. Die Zusammenfassung der Mammutherausforderung und Erstleistung:

Meistgelesen in der Rubrik Regatta