Jules Verne TrophyAcht stolze Frauen – so wurde Kap Hoorn noch nie passiert

Tatjana Pokorny

 · 06.01.2026

Kap Hoorn geschafft! Die Frauen im The Famous Project jubeln.
Foto: The Famous Project CIC
Solistinnen haben bei ihren Nonstop-Weltumseglungen seit Kay Cottee 1987/1988 schon öfter Kap Hoorn passiert. Das gelang im vergangenen halben Jahrhundert Ausnahmeseglerinnen wie Ellen MacArthur, Jessica Watson, Sam Davies, Isabelle Joschke, Justine Mettraux, Cole Brauer und anderen. Trotzdem hat es erst heute mit The Famous Project CIC die erste rein weibliche mehrköpfige Crew geschafft, bei einer Nonstop-Weltumseglung Kap Hoorn mit einem Maxi-Trimaran zu “bezwingen”.

Die Jules Verne Trophy können Alexia Barrier, Dee Caffari und die Frauen von The Famous Project CIC bei ihrem laufenden Rekordversuch nicht mehr gewinnen. Die Chance dazu war mit den Großfallproblemen früh nach dem Start am 29. November noch im alten Jahr geplatzt. Dennoch hatten sich die acht Seglerinnen an Bord der “Idec Sport” entschieden, ihre Nonstop-Runde um die Welt fortzusetzen, die nie zuvor eine mehrköpfige Frauensegelmannschaft auf einem riesigen Mehrrumpfboot hatte zu Ende bringen können. Das ist ihr neu definiertes Ziel.

Jules Verne Trophy: das dritte Kap ist geschafft

Einen wichtigen Schritt auf dem Weg zum Ziel tat The Famous Project an diesem 6. Januar, als ihr Trimaran an Kap Hoorn an Backbord liegenließ. Am Dienstagnachmittag passierten Alexia Barrier, Dee Caffari, Annemieke Bes, Rebecca “Bex” Gmür Hornell, Deborah Blair, Molly LaPointe, Támara Echegoyen und Stacey Jackson bei ihrer Runde um die Welt das dritte und berühmteste der drei großen Kaps auf ihrem Nonstop-Kurs um die Welt.

Es war ein historischer Moment in der Geschichte von Weltumseglungen, denn noch nie zuvor hatte eine rein weibliche Crew in einem Nonstop-Rennen um die Welt mit einem Mehrrumpfboot den berüchtigten chilenischen Felsen passiert. Alexia Barriers Mannschaft gelang das am 38. Segeltag bei fast 16.000 Seemeilen im Heckwasser. Damit hat der atlantische Endspurt ihrer außergewöhnlichen Reise begonnen. Sie kann auch ohne Jules-Verne-Rekord (40 Tage, 23 Stunden, 30 Minuten und 30 Sekunden, aufgestellt 2017 von Francis Joyon und seiner Crew auf derselben “Idec Sport”) ihr Happy Ende erleben.

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Mehr und mehr nimmt der Traum der Frauen von der vollendeten Weltumsegelung auf einem Maxi-Multihull ohne Zwischenstopp Konturen an. Der letzte große Atlantik-Abschnitt auf Kurs Ziellinie bei Ouessant läuft. Im insgesamt eher ruhigen Pazifik hatten die Frauen auch eine rund 48 Stunden währende Schwerwetterphase mit wütender See und Wellenbergen von acht Metern Höhe zu meistern. Mit Beständigkeit und Umsicht erreichten bei oftmals widerspenstigem Großsegel imposante Tagesetmale von 550 Seemeilen.

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Kap-Hoorn-Passage: Erstleistung einer mehrköpfigen Frauen-Crew auf einem Maxi-Trimaran

Der letzte große Meilenstein Kap Hoorn ist nun geschafft. Das alleine ist mit Blick auf die Geschichte von weiblichen Weltumseglungen eine herausragende Leistung. The Famous Project CIC repräsentiert die erste Crew, die zu 100 Prozent aus Seglerinnen besteht, die Kap Hoorn ohne Zwischenstopp von Ouessant aus passiert haben.

Nur wenige andere Frauen haben die Kap-Hoorn-Meisterleistung in der Vergangenheit in anderen Konstellationen vollbracht. Solo gelang das bei der Vendée Globe 13 Seglerinnen, im Barcelona World Race zwei, im Golden Globe Race und bei der Global Solo Challenge jeweils einer. Auf großen Mehrrumpfbooten zeigte auch Ellen MacArthur ihr Können solo. Dona Bertarelli tat es mit gemischten Crew.

Im Team The Famous Project-CIC sind die Seglerinnen stolz auf ihre Leistung. Die Niederländerin Annemieke „Bessie” Bes kann sich nun rühmen, die erste Seglerin ihres Landes zu sein, die unter den oben beschriebenen Bedingungen das berühmte Kap passiert hat. Das ist in ihrer Heimat von Bedeutung, denn das Kap verdankt seinen Namen dem niederländischen Entdecker Jacob Le Maire und dessen Geburtsstadt Hoorn.

Gelungene Gipfelstürme: Everest, All, Kap Hoorn

Zur Kap-Hoorn-Leistung der Frauen von The Famous Project einige weitere spannende Zahlen: 870 Frauen haben den Gipfel des Mount Everest erklommen. 75 Frauen waren im Weltraum. 25 Frauen haben auf ihren Kursen Kap Hoorn passiert. Es bleibt eine Ausnahmeleistung. Skipperin Alexia Barrier sagte an diesem besonderen Tag auf See: “Die Emotion beim Passieren von Kap Hoorn ist nicht dieselbe wie 2021 bei der Vendée Globe. Sie ist genauso stark, aber anders.”

Die Französin beschrieb den Unerschied zwischen ihrer Vendée-Globe-Erfahrung und dem jetzigen Moment: “Bei der Vendée Globe war Kap Hoorn ein sehr intimer, fast einsamer Moment, geprägt von Müdigkeit, Anspannung und individueller Verantwortung. Ich hatte sehr schlechtes Wetter und große Angst. Ich habe viel geweint. Heute ist das Gefühl zutiefst kollektiv. Es wird geteilt. Es zeigt sich in den Blicken, in der Stille, in den Gesten.”

Es ist ein gemeinsam erlebtes Kap, mit einer eingeschworenen Crew, auf einem Boot von außergewöhnlicher Kraft. Die Einsamkeit ist dem Bewusstsein dessen gewichen, was wir erleben.“ Alexia Barrier

Auch ordnete Alexia Barrie die Bedeutung der Passage ein: “Kap Hoorn zu passieren bedeutet, in einen sehr exklusiven Kreis aufgenommen zu werden. Nur wenige Crews, noch weniger weibliche Crews und absolut keine weibliche Crew an Bord eines riesigen Mehrrumpfboots, das mit hoher Geschwindigkeit um die Welt fährt, haben das geschafft. Diese Passage ist eine große Herausforderung. Sie erfordert extreme Vorbereitung, ständige Wachsamkeit und absolutes Vertrauen zwischen dem Boot, der Crew und den Elementen.”

Wenn man Kap Hoorn passiert, weiß man, dass das Schwierigste hinter einem liegt. Die Südsee, ihre Isolation, ihre Kälte, ihre permanente Intensität formen die Seeleute und die Gemeinschaft. Das bedeutet nicht, dass der Rest einfach ist.” Alexia Barrier

Ihre Vendée Globe hatte Alexia Barrier 2020/2021 mit der ältesten Imoca der Flotte nach 111 Tagen, 17 Stunden, 3 Minuten und 44 Sekunden ins Ziel gebracht, dabei alle Härten des Soloseglens erlebt. Jetzt wirkt die Crew-Weltumseglung ganz anders, auch wenn das Team einige Tiefschläge wegzustecken und noch einen letzten harten Atlantik-Ritt vor sich hat, der hier im Tracking mitverfolgt werden kann.

Nonstop-Weltumseglung: harter atlantischer Heimritt voraus

Alexia Barrier weiß: „Der Nordatlantik im Winter kann ebenso hart, unvorhersehbar und anspruchsvoll sein. Aber dieses Kap markiert einen Wendepunkt. Eine Etappe, in der man spürt, dass die Crew durchgehalten hat, dass das Projekt solide ist und dass das Abenteuer in eine neue Phase eingetreten ist. Es ist gleichzeitig eine Befreiung und ein Übergang. Man spürt, dass sich etwas öffnet, dass sich der Horizont verändert. Für The Famous Project CIC ist dieser Übergang sowohl ein Symbol als auch eine Bestätigung.”

Alexia Barrier beschreibt die Kap-Hoorn-Passage als Bestätigung für “das uneingeschränkte Engagement eines eingeschworenen internationalen Teams und eines einzigartigen Projekts, das von Frauen auf höchstem Niveau in einer der extremsten Umgebungen der Welt realisiert wird”. Ihre Crew, so Barrier, sei in den bisherigen rund 38 Tagen ruhiger, gelassener und selbstbewusster geworden. Die Abläufe seien automatisiert. Entscheidungen würden flüssiger getroffen. Jede kenne ihren Platz, ihre Stärken, ihre Grenzen und die der anderen.

Ihre Mitseglerin Rebecca „Bex“ Gmür Hornell sagte: “Ich war wirklich gespannt darauf, Kap Hoorn zu umrunden. Es ist so etwas wie der Everest des Segelns, eine Erfahrung, die nur wenige Menschen machen dürfen, und ich bin froh, dass ich das nun von meiner Liste streichen kann.” Co-Skipperin Dee Caffari hat das schon lange vorher getan. Die sechsmalige Weltumseglerin war die erste Frau, die die Erde 2006 und 2009 in beiden Richtungen solo und nonstop umrundet hat.

Weise bei Kap Hoorn: die sechsmalige Weltumseglerin Dee Caffari

Entsprechend weise klang Caffaris Reaktion nach der gelungenen Kap-Hoorn-Passage mit The Famous Project. Die Britin sagte: „Jede Überfahrt ist einzigartig und ein Segen. Ich weiß, dass nicht alle Segler, die aufbrechen, es schaffen. Wenn man es schafft, ist das etwas Besonderes. Ich habe das Glück, dass jede Überfahrt für mich ganz anders war. Alleine, im Team, als Teamleiterin, in der ‘richtigen’ Richtung und in entgegengesetzter Richtung. Dieses Mal war ich mit einem Team bemerkenswerter Seglerinnen auf einem ganz besonderen Boot unterwegs, und es hat sehr wenig Zeit in Anspruch genommen.”

“Der Süden”, so erzählte Dee Caffari an diesem Dienstag von den jüngsten Pazifik-Erfahrungen, “war ganz anders als meine bisherigen Erfahrungen. Er war nicht so feindselig, aber dennoch waren die Seebedingungen nicht immer einfach. Auf einem Maxi-Trimaran ist der Seegang von entscheidender Bedeutung. Diese Maschine will nur schnell fahren. Daher war es entscheidend, sie unter schwierigen Seebedingungen zu beherrschen. Der andere große Unterschied ist, dass dieses Boot einem bei hohem Freibord das Gefühl gibt, weit vom Meer entfernt zu sein. Daher war es weniger feucht und kalt, als ich es in Erinnerung habe.”

Typisch Dee Caffari: Sie freute sich vor allem für ihre jüngeren Mitstreiterinnen, sagte: “Ich freue mich sehr für die Neulinge an Bord, sie sind begeistert, diesen wichtigen Schritt geschafft zu haben, und das zu Recht, denn es ist eine beachtliche Leistung. Die Schwierigkeit besteht darin, dass noch 7.000 Seemeilen bis zur Ziellinie zurückzulegen sind und der Atlantik grausam sein kann. Es ist wichtig, auf den letzten Meilen konzentriert und fleißig zu bleiben, auch wenn wir den Abschnitt mit mehr Selbstvertrauen und Geschwindigkeit zurücklegen wollen.”

Alexia Barries und Dee Caffari im Doppelpass

Zum Doppelpass zwischen Alexia Barrier und ihr selbst sagte Dee Caffari: “Ich denke, Alexia und ich arbeiten gut zusammen und haben das Boot gut im Griff. Wir sind auch zuversichtlicher, was die Konfiguration und das Steuern angeht. Wie so oft sind wir jetzt, nachdem wir all diese Meilen zurückgelegt haben, besser darauf vorbereitet, Vollgas zu geben!”

Zur Info für Fans der Jules Verne Trophy: Hinter den Frauen von The Famous Project kämpft aktiv das französische Ultim-Team auf “Sodebo” um den Rekord. Im Vergleich zur “Idec Sport”-Bestzeit von 2017 hatten Thomas Coville und sein Team am 6. Januar auf Kurs Point Nemo wieder rund 130 Seemeilen Vorsprung auf die zum Vergleich “mitlaufende” Rekordhalterin. Hier geht es zum Live-Tracker von Team Sodebo.

Frauen bei der Arbeit für The Famous Project! Bei den Seglerinnen an Bord – die Direktübertragung von der “Idec Sport” an diesem 6. Januar:

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