Jules Verne TrophyAcht Frauen, ein Ziel – die Rekordjagd beginnt

Tatjana Pokorny

 · 28.11.2025

Der Trimaran "Idec Sport" ist einerseits der amtierende Rekordhalter, andererseits erneut Jäger der Jules Verne Trophy.
Foto: The Famous Project CIC
Acht Frauen wollen ab 29. November die Jules Verne Trophy jagen: Das Team The Famous Project CIC will am Samstag die Startlinie zur Weltumseglung passieren. Es geht um den ultimativen Rekord: die schnellste Runde um die Erde unter Segeln – ohne Hilfe von außen und ohne Zwischenstopps auf einem Mehrrumpfboot. Interessant: Das Boot der rein weiblichen Crew ist dasselbe, das 2017 den nun schon acht Jahre alten Rekord aufgestellt hat.

Endlich geht es los! Nach langer Vorbereitung hat das Team The Famous Project um die französische Skipperin Alexia Barrier das passende Wetterfenster für die Jagd der Jules Verne Trophy gefunden. An diesem Wochenende öffnet es sich über dem Atlantik. Der Maxi-Trimaran “Idec Sport” wird am Samstagmorgen zwischen 11 und 12 Uhr den Ponton in Brest (Quai du Commandant Malbert) verlassen, um die offizielle Startlinie für alle großen Segelrekorde zwischen dem Leuchtturm Créac'h auf der Insel Ouessant und dem Leuchtturm Lizard Point (England) zu passieren.

Jules Verne Trophy: acht starke Frauen, ein Rekordziel

An der Seite von Alexia Barrier werden weitere sieben erfahrene und hungrige Offshore-Seglerinnen die Jules Verne Trophy jagen. Die bekannteste unter ihnen ist die britische Wachführerin Dee Caffari, die schon sechsmal um die Welt gesegelt ist. Auch ist die 52-Jährige die einzige Frau, die die Welt einhand in beiden Richtungen umsegelt hat. Und sie ist die einzige, die schon dreimal nonstop um die Erde gesegelt ist.

Die weiteren Crew-Mitglieder sind die Niederländerin Annemieke Bes, Rebecca Bex Gmuer (Schweiz/Neuseeland), Deborah Blair (Großbritannien), Bootskapitänin Molly Lapointe (USA/Italien), Stacey Jackson (Australien) und Tamara Xiquita Echegoyen. Die Spanierin ist ein krasses Allround-Talent: Sie gewann 2012 mit Sofía Toro und Ángela Pumariega Olympia-Gold im Matchracing, holte drei WM-Titel in der Elliott 6 m und im Skiff 49erFX. Dann wechselte sie ins Offshore-Fach, bestritt das The Ocean Race 2017/2018 mit dem spanischen Team Mapfre und war später auch Teil der “Guyot”-Crew. Ebenso zählte sie zu den Motoren im spanischen Team für den Women’s America’s Cup in Barcelona.

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Jetzt nehmen die acht Frauen gemeinsam die ganze Welt ins Visier, machen sich auf, das ultimative Rennen um die Erde anzugehen. Die zu schlagende Zeit, die Francis Joyon und sein Team 2017 mit “Idec Sport” aufgestellt hatten, hält bereits acht Jahre allen Angriffen stand. Was oft auch daran lag, dass die Jäger früh an “Ufo”-Kollisionen – Crashes mit unbekannten Objekten – und Materialproblemen scheiterten.

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Die Wahl des Wetterfensters: immer ein Kompromiss

An Bord desselben Trimarans, der jetzt die Frauen maximal schnell um die Welt tragen soll, gelang Francis Joyon und seinen Mitstreitern damals mit 40 Tagen und 23 Stunden ein fabelhafter Rekord. Die Crew um Alexia Baerrier will ihn brechen und mit ihrem Rekordversuch außerdem einen „Kreis schließen” und als erste rein weibliche Crew dieses Kunststück vollbringen.

Unterstützt wurden und werden sie bei der Planung auch von “Monsieur Wetter”: Der Franzose Christian Dumard zählt zu den kenntnisreichsten und erfahrensten Experten und Routern der Welt, berät regelmäßig auch die Veranstalter großer Rennen. Gleichzeitig weiß Alexia Barrier: “Es gibt kein ideales Wetterfenster.” Die Wahl eines Starttermins für eine Rekordfahrt sei “zwangsläufig ein Kompromiss zwischen Wind, Seegang und der Ausrichtung der kurz-, mittel- und langfristigen Entwicklung der Wettersysteme”.

Die Wetterlage am Starttag (29. November), die durch die Zirkulation zweier Hochdrucksysteme über dem Nordatlantik entsteht, begünstigt einen Start, wobei es aber voraussichtlich sofort zu einem Wettlauf gegen die Zeit und gegen die Bewegung eines Hochdruckgebiets kommt, das die Tür vor Kap Finisterre zu schließen droht.

​Jules Verne Trophy: Vorwind-Start in rauer See

„Die Front wird am Samstagmorgen über das Startgebiet ziehen”, erklärt Christian Dumard. „Die Idee ist, kurz danach, am frühen Nachmittag, bei einem Nordwestwind von weniger als 30 Knoten, der allmählich nachlassen wird, zu starten. Dieses Zeitfenster ist sehr kurz und bietet nicht unbedingt eine absolute Chance, eine ‘rasante’ Zeit am Äquator zu erreichen. Aber es bietet günstige Wind- und Seebedingungen für das Segeln vor dem Wind und einen relativ komfortablen Start für die Crew.“

Das wiederum ist aus Sicht von Alexia Barrier und ihren sieben weiblichen Crewmitgliedern ein wünschenswertes Kriterium. Ihr Plan beinhalte nicht, “dass wir uns von Anfang an in die roten Zahlen begeben”. „Wir werden Brest am Samstagvormittag verlassen und etwa zwei Stunden später die Linie überqueren. Es wird raue See mit Wellen von über vier Metern geben, die an Bord der ‘Idec Sport’ jedoch perfekt zu bewältigen sind“, erklärte Alexia Barrier. Zum Tracking für den Jules-Verne-Trophy-Rekordversuch geht es nach dem Start hier.

Weiter erklärte die französische Skipperin: „Die Gefahr besteht darin, dass sich das Hochdruckgebiet vor der Küste Portugals ausdehnt und uns beim Passieren von Kap Finisterre blockiert. Dann müssten wir umkehren und unsere Bereitschaft in Brest wieder aufnehmen.“ Dieses Szenario aber wollen sich die acht Frauen von The Famous Project CIC nur ungerne vorstellen. Ihr Wunsch nach Erfolg steht ihnen in die entschlossenen Gesichter geschrieben. „Alle Teams, sowohl auf See als auch an Land, sind motivierter denn je, diesen Aufbruch zu einem Erfolg zu machen und endlich das wunderbare Abenteuer zu beginnen, das uns erwartet”, sagte Alexia Barrier.

Die Regeln der Jules Verne Trophy

Ihr Boot für das Rekordabenteuer ist bereit: Die 2006 vom Stapel gelaufene “Idec Sport”, die zuvor auch bekannte Namen wie “Groupama 3, “Banque Populaire VII” oder “Lending Club 2” trug und schon viele Transat- sowie weitere Rekorde brach, ist 31,50 Meter lang und 22,50 Meter breit. In idealen Bedingungen kann die ausgewiesene Rekordjägerin Spitzengeschwindigkeiten jenseits der 40 Knoten erreichen.

Die Regeln für die Jules Verne Trophy sind auf dem Papier einfach: Man passiert die imaginäre Startlinie zwischen dem Leuchtturm Créac'h auf der Insel Ouessant und dem Leuchtturm Lizard Point und segelt um die Welt. Dabei lässt man die drei großen Kaps – das Kap der Guten Hoffnung, Kap Leeuwin und Kap Hoorn – an Backbord, bevor man die Start- und Ziellinie wieder passiert.

Theoretische 21.760 Seemeilen sind zu meistern. Den sechs Männern der “Idec Sport” war das bei der sagenhaften Rekordfahrt 2017 mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 22,84 Knoten und einiger Wetterfortune meisterlich gelungen. Nun folgt die Antwort auf die spannende Frage, wozu die acht Frauen in der Lage sein werden, wenn denn auch sie das Wetterglück auf ihrer Seite haben.

Der jüngste Clip zeigt eine Episode der “Road to Jules Verne Trophy” für The Famous Project:

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