InterviewGünstiger Einstieg auf zwei Rümpfen

Janek Struchholz

 · 26.09.2026

Bei der Tonnenrundung kann es eng werden.
Foto: Markus Betz
Der amtierende Weltmeister Markus Betz hat eine Kampagne gestartet um jungen Leuten den Einstieg in die Tornado-Klasse zu ermöglichen. Ab 600 Euro Jahresbeitrag bekommen Interessierte einen segelfertigen Tornado inklusive Trailer gestellt. Dazu gibt es Tipps und Tricks vom Weltmeister. Wir hatten den 1. Vorsitzenden der Deutschen-Klassenvereinigung im Gespräch.

Herr Betz, haben Sie Angst vor dem Tod der Tornado-Klasse?

Wenn Sie das nicht schreiben, ja.

Warum?

In der Vergangenheit wurden Fehler gemacht...

Welche denn?

Es wurde gesagt der Tornado ist die Königsklasse, weil wir noch olympisch waren. Da hätte man nie gedacht, dass da ein anderer Katamaran kommt und uns aus dem olympischen Programm schmeißt.

Und dann ist genau das passiert. Und wie Sie sicher wissen, sobald das Boot nicht mehr Olympisch ist, brechen die gesamten Kader weg und die Unterstützung geht verloren.

Am Ende bleiben dann nur noch so Dinosaurier wie ich übrig.

Wie engagieren Sie sich in der Klasse?

Ich bin 1. Vorsitzender in deutschen Klassenvereinigung, 2. Vorsitzender im Weltverband und amtierender Weltmeister.

Markus und Nicolas Betz feiern ihren Weltmeistertitel in Frankreich.Foto: Markus BetzMarkus und Nicolas Betz feiern ihren Weltmeistertitel in Frankreich.

Erklären Sie mir Ihr Konzept, um junge Menschen in den Tornado zu bekommen

Die Idee ist recht simpel.

Ich habe mir privat einen Tornado mit einem Trailer gekauft. Auf dem steht der Kat schräg, so dass man ihn für den für den Transport nicht auseinander bauen muss.

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Wir wollen das Boot gegen eine Gebühr an junge Menschen übergeben um den Einstieg bei uns so einfach wie möglich zu gestalten. Wenn sie vier Regatten im Jahr Segeln, kostet das Boot 600€ zur Miete pro Jahr, wenn Sie nur eine segeln 1.500€.

Es ist auch alles inbegriffen. Die Versicherung, der Trailer und neues laufendes Gut. Ich finde das einen sehr fairen Preis.

​Interessenten können sich auf der Seite der Klassenvereinigung bewerben.

Wie kam Ihnen die Idee dazu?

Seit mittlerweile zehn Jahren überlegen wir, was wir tun können. Jetzt habe ich gesagt ich muss das einfach in die Hand nehmen. Dieses ganze Gerede: Wie können wir? Wie machen wir das? Das ging mir ehrlich gesagt ziemlich auf den Wecker.

Ich finde eine Klassenvereinigung muss die jungen Leute auch ein bisschen an die Hand nehmen. So ein Tornado ist absolut im Low-Budget Bereich. Bei einem Nacra kostet eine Olympia-Kampagne mit dem Material, der Unterbringung und den Trainern gerne mal 800.000 – 1.000.000 Euro. Und dann fährt nur ein Team zu den Olympischen Spielen, das ist schon schwierig.

Bei uns ist das anders. Der Tornado ist deutlich günstiger.

Der Tornado ist ein unglaublich tolles Segelboot. Nach 20 Tagen kann ich das Boot so beherrschen, das ich im Mittelfeld mitsegeln kann. Dann wird die Luft nach oben immer dünner, weil derjenige gewinnt der die wenigsten Fehler macht. Wie überall anders auch.

Sie trainieren die „neuen“ auch?

Ich werde immer helfen, wo ich kann. Zum Beispiel beim Auf- oder Abbau, bis das bei denen in Fleisch und Blut übergangen ist. Gerade das Slippen kann mit einem drei Meter breiten und sechs Meter langen Katamaran schon eine Herausforderung sein.

Und wenn die mit mir zusammen bei einer Regatta sind, kann ich ganz viel Wissen weitergeben. Ich möchte aber auch nicht meine Zeit auf dem Schlauchboot opfern und den Jugendlichen das Händchen halten. Ich finde es viel spannender selbst bei der Regatta dabei zu sein und dort meine Eindrücke zu sammeln um anschließend Feedback und Tipps geben zu können. Das halte ich für eine sensationelle Möglichkeit.

Das heißt, die werden dann am Start nicht direkt von ihnen abgeschossen?

Es wird im Tornado sowieso niemand großartig abgeschossen.

Man muss zum Bespiel viel weiter voraus denken als bei der J/70. Da ist der Nahkampf viel aggressiver als im Tornado. Wenn ich bei uns knapp unterwende, muss das zu 100% sitzen. Sonst fährt der andere einfach an mir vorbei, weil die Geschwindigkeiten so hoch sind. Eine Wende im Tornado kostet im Vergleich zu anderen Booten mehr Energie und Geschwindigkeit.

Sie sprechen über Junge Leute, die sie in die Klasse holen möchten. Wen meinen Sie damit?

Ich glaube ein guter Steuermann kann den Tornado mit 16-17 Jahren kontrollieren.

Der wird wahrscheinlich nicht die Erfahrung mit der Geschwindigkeit mitbringen, weil er vom 420er oder 29er kommt. Die Geschwindigkeit, die er beim 420er auf dem Halbwindkurs mit Spinnacker hatte, hat er bei uns auf der Kreuz. Auf dem Vorwindkurs ist der Tornado doppelt so schnell. Es wird dadurch alles schneller ablaufen. Wenn ich an eine Tonnenrundung denke, da geht es manchmal sehr haarig zu, dass ich das Gefühl habe mit dem Helikopter durchs Wohnzimmer zu fliegen.

Da wird dann auch manchmal mit dem Messer zwischen den Zähnen gesegelt, aber diejenigen, die da neu einsteigen, haben schon Welpenschutz.

Was passiert, wenn die Einsteiger mit der Geschwindigkeit nicht zurechtkommen, und Ihr Schiff kaputt segeln?

Es ist meistens reparabel. Durch die Runde Rumpfform fahren die dann wahrscheinlich aufs Schiff drauf und schießen drüber hinweg. Oder die machen ein Dreieck rein.

Das kann mal passieren und man muss lernen mit dem Tornado umzugehen. Dass es ein Totalschaden ist, habe ich in den letzten Jahren ganz wenig gesehen.

Was ist Ihr Wunsch für die Zukunft der Tornado Klasse?

Ich würde mir wünschen, dass wieder mehr Leute auf den Tornado aufmerksam werden. Dass die alten Boote, die überall rumliegen, wieder in die Regatta-Szene zurückgeholt werden. Das Boot, auf dem ich Weltmeister geworden bin, ist von 2005.

Was motiviert Sie?

Als Weltmeister fühle ich mich dafür mitverantwortlich, die Community zu stärken und dass neue Leute Spaß in der Klasse haben. Seit 2010 hatten wir im Tornado keinen deutschen Weltmeister mehr. Diesen Spirit möchte ich mitnehmen und den Leuten sagen: „Hey lass uns wieder an der Startlinie treffen“, damit wir junge Leute in den Segelsport hineinbringen.


Buchtipps

Katamaran segeln erklärt die Besonderheiten des Segelns auf zwei Rümpfen – von Aufbau und Pflege über Wenden, Halsen und Trapezsegeln bis zum Kentern. Für Neueinsteiger in die Tornado-Klasse ist besonders hilfreich, dass auch Tonnenrundungen, Segeltrimm und High-Performance-Techniken behandelt werden. Der Band schafft damit eine praktische Grundlage, um die ersten Trainings- und Regattatage technisch besser einzuordnen.

Die Wettfahrtregeln Segeln 2025 bis 2028 richtet sich an Segler, die Regeln nicht nur nachlesen, sondern in Wettfahrten anwenden wollen. Kommentierte und illustrierte Erläuterungen machen die wichtigsten Situationen verständlicher; dazu kommen Hinweise für Taktik, Proteste sowie optische und akustische Wettfahrtsignale. Gerade für junge Tornado-Teams und ihre Eltern erleichtert das Buch den Einstieg in Abläufe und Entscheidungen auf dem Regattakurs.


Wäre ein günstiger Miet-Tornado für Sie ein Anreiz, in den Regattasport einzusteigen?

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Janek Struchholz kommt aus dem Bergischen Land, fühlt sich aber vor allem auf dem Wasser zu Hause. Seine Segellaufbahn begann im Optimisten und führte ihn bis in den internationalen Regattasport der 420er-Klasse. Nach der Schule studierte er Medienkultur in Weimar. Heute verbindet er als Volontär seine beiden Welten: Medien und Wassersport. Privat ist er regelmäßig auf dem IJsselmeer unterwegs und steht gelegentlich noch immer an der Regattastartlinie.

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