Imoca-SaisonauftaktGuyader Bermudes 1000: Die Halbzeit-Bilanz: Dalin dominiert, Joschke greift an

Tatjana Pokorny

 · 11.05.2022

Imoca-Saisonauftakt: Guyader Bermudes 1000: Die Halbzeit-Bilanz: Dalin dominiert, Joschke greift anFoto: Jean-Louis Carli/Alea

Die Imocas sind los: Bei der dritten Edition des Guyader Bermudes 1000 erinnert einiges an die vergangene Vendée Globe, doch der Neustart ist längst erfolgt

Nach drei Tagen auf See hat sich die Imoca-Flotte bei der dritten Auflage des Guyader Bermudes 1000 von Brest via Fastnet-Felsen und Wegmarke Gallimard zurück nach Brest sortiert. Der Vendée-Globe-Zweite Charlie Dalin führt das Feld auf "Apivia" an. Allerdings nicht – wie noch am Dienstagabend – vor seinem dichtesten Verfolger Thomas Ruyant. Der "LinkedOut"-Skipper ist über Nacht stark zurückgefallen, hat ganz offensichtlich einen Schaden zu beheben. Bis zum frühen Mittwochmorgen stürzte er auf Platz neun ab. Während die Boote um ihn herum mit 16 bis 23 Knoten Geschwindigkeit unterwegs waren, humpelte Ruyant mit seinem Foiler der letzten großen Wegmarke Gallimard mit elf Knoten entgegen. Als neuer Zweiter verfolgte Jérémie Beyou Spitzenreiter Dalin mit immerhin 75 Seemeilen Rückstand. Wie stark der Auftritt Dalins ist, zeigte sich nach der dritten Nacht auf See auch daran, dass Dalin die 250 Seemeilen west-nordwestlich von Kap Finisterre positionierte Wegmarke bereits passiert hat und auf die Zielgerade nach Brest eingebogen ist, wo die schnellsten Boote am Freitag erwartet werden.

  Die Schönheit des Imoca-Segelns in Schwarz-WeißFoto: Guyader Bermudes 1000
Die Schönheit des Imoca-Segelns in Schwarz-Weiß

Dalin hat dieses erste große Imoca-Rennen der Saison von Beginn an angeführt. Der Skipper aus Le Havre beschrieb den Kampf um die Führung kurz vor Ruyants Rückschlag treffend so: "Mit Thomas und Jérémie ist es wie mit den üblichen Verdächtigen. Wir kämpfen seit der Vendée Arctique 2020 miteinander. Auch in dem Rennen war es ein Dreikampf. Wie auch im Transat Jacques Vabre im vergangenen Jahr. Und nun geht es wieder los." Der 38-Jährige genießt das Kräftemessen mit offensichtlichen Speed-Vorteilen für seine "Apivia" ganz offensichtlich. "Wir alle drei haben wettbewerbsstarke Boote, die wir gut kennen. Für uns alle drei ist es das vierte Jahr, das wir sie segeln. Wir haben Boote, die gut performen und unsere Erfahrung auf ihnen widerspiegeln. Das ergibt also Sinn."

  Auf dem Screenshot vom Tracking gut zu sehen: Charlie Dalins "Apivia" ist schon auf die Zielgerade nach Brest eingebogen, die Verfolger streben noch der letzten großen Bahnmarke entgegenFoto: Screenshot Guyader Bermudes 1000
Auf dem Screenshot vom Tracking gut zu sehen: Charlie Dalins "Apivia" ist schon auf die Zielgerade nach Brest eingebogen, die Verfolger streben noch der letzten großen Bahnmarke entgegen

Zu Dalins besonderen Stärken zählen die Rennstarts. Da machte das laufende Guyader Bermudes 1000 keinen Unterschied. Schon in der Auftaktphase hatte er die Flotte in leichten Winden dominiert. Die späteren ruppigen Bedingungen bei der Fastnet-Rundung vor der irischen Küste konnten den Franzosen ebenso wenig aufhalten. "Es war ziemlich brutal bei der Fastnet-Ankunft. Ich hatte fast 30 Knoten Wind und starke Böen. Es war nicht gerade gemütlich, aber ich habe weiter Gas gegeben, weil es der einzige Weg ist, die Führung zu verteidigen. Ich habe versucht, zu jeder Zeit so viel Segelfläche wie möglich oben zu haben."

  Der lässige Dominator: "Apivia"-Skipper Charlie Dalin führt das Feld anFoto: Charlie Dalin/Apivia
Der lässige Dominator: "Apivia"-Skipper Charlie Dalin führt das Feld an

Hinter dem inzwischen drittplatzierten Louis Burton auf "Bureau Vallée" und seinem Verfolger Benjamin Dutreux auf "Guyot Environment-Water Family" drängte am Mittwochmorgen die Deutsch-Französin Isabelle Joschke nach vorn. Kurz nach der Halbzeit schoss die "Macsf"-Skipperin auf Platz fünf vor. Dabei hatte sie Fastnet Rock "nur" als Elfte gerundet. Die in München geborene multikulturelle Tochter eines deutsch-österreichischen Vaters und einer französischen Mutter hatte sich nach ihrer Vendée-Globe-Achterbahnfahrt eine Bedenkzeit genommen, um über ihr Weitermachen zu entscheiden. Nun scheint sie stärker denn je, zählt beim Saisonauftakt zu den herausragenden Akteuren. Zu denen ist auch Nicolas Lunven auf dem bislang schnellsten Non-Foiler auf Platz sechs zu rechnen. Der "Banque Populaire"-Skipper hat seine Rolle von der schwangeren Clarisse Crémer übernommen. Als Zehnter liegt außerdem der sympathische Neuseeländer Conrad Colman auf "Imagine" gut im Rennen. Der Kiwi zeigt ein starkes Comeback in der Klasse, scheint die ehemalige "V and B-Myenne" gut im Griff zu haben und könnte damit bei seiner Sponsorensuche für die Vendée Globe 2024/2025 punkten.

  In Aufbruchstimmung und mit viel Angriffslust im Einsatz: Isabelle Joschke hat sich im Guyader Bermudes 1000 auf Platz fünf vorgearbeitetFoto: Isabelle Joschek/MACSF
In Aufbruchstimmung und mit viel Angriffslust im Einsatz: Isabelle Joschke hat sich im Guyader Bermudes 1000 auf Platz fünf vorgearbeitet

Zwei der 24 gestarteten Imocas sind bereits aus dem Rennen: Der unglückliche "Corum L'Épargne"-Skipper Nicolas Troussell musste mit Kielproblemen einmal mehr aufgeben. Im Rennen segelte er mit seinem Kouyoumdijan-Design bis zum Aus in den Top Fünf. Weöres Szabolcs schied mit "Szabi Racing" bereits kurz nach dem Rennstart am Sonntag aus. Hier gibt es Einblicke in die Welt der Skipper (bitte anklicken!). Hier geht es zu Tracking und Zwischenständen (bitte anklicken!).

  Zurück in der Imoca-Klasse und fest entschlossen, es an die Startlinie zur Vendée Globe 2024/2025 zu schaffen: der sympathische Neuseeländer Conrad Colman lag am Mittwochmorgen mit 160 Seemeilen Rückstand auf Spitzenreiter Dalin auf Platz zehnFoto: Conrad Colman/Imagine
Zurück in der Imoca-Klasse und fest entschlossen, es an die Startlinie zur Vendée Globe 2024/2025 zu schaffen: der sympathische Neuseeländer Conrad Colman lag am Mittwochmorgen mit 160 Seemeilen Rückstand auf Spitzenreiter Dalin auf Platz zehn

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