Golden Globe Race 2026Déjá-vu auf dem Atlantik

Lasse Johannsen

 · 21.10.2026

Die „Silvermines Hydro" unter Fock. Das dazugehörige Kutter-Stag ist gebrochen. Das Vorstag mit Rollanlage ist vor dem Kutter-Stag angebracht und hält den Mast weiterhin sicher fest. Lawless weiß aber, dass er ohne die Kutterfock nicht konkurrenzfähig ist und hat daher aufgegeben.
Foto: Don McIntyre / GGR2026
Der 70-jährige Ire Pat Lawless musste seinen Traum vom Golden Globe Race ein zweites Mal aufgeben. Rund 2.000 Seemeilen vor Kapstadt brach das Kutter-Stag seiner “Silvermines Hydro”. Lawless lag an Platz zwei und hatte sich auf weniger als 100 Seemeilen an den Führenden des 4. McIntyre Golden Globe Race herangekämpft.

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Er wollte als erster Ire in der Geschichte des Golden Globe Race einhand und non-stop um die Welt segeln. Und es war bereits sein zweiter Versuch. Schon 2022 war ihm der Erfolg verwehrt geblieben – an fast derselben Stelle auf dem Atlantik.

Zweiter Akt - gleicher Schmerz

Auch bei seinem ersten Versuch, dem dritten Golden Globe Race 2022 war Pat Lawless stark ins Rennen gestartet und an die Spitze des Feldes gesegelt, bevor sein Aries-Windfahnen-Selbststeueranlage rund 1.200 Seemeilen westlich von Kapstadt versagte. Ohne funktionierende Selbststeuerung war sicheres Einhandssegeln nicht mehr möglich – Lawless lief Kapstadt an, am 10. November 2022 wurde sein Ausscheiden offiziell bestätigt.

Die aktuelle Auflage des Rennens sollte ein Comeback werden. Auf demselben Boot mit dem Lawless im letzten Golden Globe Race angetreten war, der Saltram Saga 36 “Silvermines Hydro”. Diesmal mit einer Ersatz-Aries an Bord und dem festen Vorsatz, die begonnene Mission zu beenden. Am 6. September 2026 ging er zusammen mit 15 weiteren Skippern aus zwölf Nationen vor Les Sables-d’Olonne an den Start – es war die größte Flotte seit dem Start des Retro-Race.

Kopf-an-Kopf mit dem Führenden

Die ersten sechs Wochen des Rennens verliefen für Lawless außergewöhnlich gut. Gemeinsam mit dem Franzosen Damien Guillou auf der Rustler 36 “Solarem” hatte er sich vom Rest des Feldes abgesetzt – ein Zweikampf an der Spitze, der die GGR-Community in Atem hielt. Kurz vor dem Abbruch hatte Lawless den Rückstand auf Guillou auf gerade einmal 100 Seemeilen reduziert – beide hatten die Roaring Forties in den vergangenen Tagen erreicht und steuerten auf den Südatlantik zu.

Lawless hatte zu dem Zeitpunkt 5.644 Seemeilen zurückgelegt. Bis ins Ziel wären es noch 21.000 Seemeilen gewesen.

„Pat here. Solent rig broken. Rig okay. Now sailing north. Out of the game."

Dann brach das Kutter-Stag, das zweite Vorstag, das hinter dem Hauptvorstag sitzt und bei der “Silvermines Hydro” für eine reffbare Fock genutzt wird. Lawless segelte gerade bei 20 bis 25 Knoten aus Nordost und 3 bis 4 Meter hohem Seegang am Wind.

Bereits wenige Wochen zuvor hatte der Ire eine Beschädigung desselben Stags gemeldet und die Reparatur auf See erfolgreich durchgeführt. Ob diese Stelle erneut versagt hat oder ob der aktuelle Schaden an anderer Stelle des Kutter-Stags entstanden ist, ist ungeklärt.

Mast gesichert – kein Code Orange

Die wichtigste Information in Lawless’ SMS lautete: „Rig okay." Das Hauptvorstag ist nach Angaben der Rennleitung intakt, ebenso das übrige stehende Gut. Der Mast ist daher nicht in unmittelbarer Gefahr.

Pat Lawless hat außerdem keine Verletzungen gemeldet und keine Hilfe angefordert. Im GGR wurde deshalb kein Code Orange ausgerufen – das formale Verfahren für akute Notsituationen auf See.

Ein Mann, ein Versprechen, eine Familie

Wer Pat Lawless verstehen will, muss seine Familiengeschichte kennen. Der Einhandsegler ist seit 43 Jahren mit Rita Geoghegan verheiratet, hat vier Kinder und zwei Enkelkinder. Kurz vor dem Start des GGR 2022 wurde bei seiner Frau Parkinson diagnostiziert. Seitdem segelt Lawless nicht nur für sich – er segelt für Parkinson’s Ireland, sammelt Spenden und Aufmerksamkeit für eine Krankheit, die seine Frau täglich begleitet.

Das Vorbild für seine Ozeanambitionen ist sein Vater: 1996 umrundete dieser im Alter von 70 Jahren als erster Ire die Erde solo – eine Leistung, die den damals begleitenden Pat tief prägte. Nun ist Lawless selbst 70 – und sein Versuch, diese Geschichte zu vollenden, ist erneut gescheitert.

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Lasse Johannsen

Lasse Johannsen

Stellvertretender Chefredakteur YACHT

Geboren in Kiel, aufgewachsen am Wasser und an Bord, seglerisch ausgebildet im Verein und beim Segeln auf Nord- und Ostsee. Nach Schule, Marine und juristischer Ausbildung 2007-2009 Volontariat bei der YACHT im Ressort Panorama, welches er heute leitet. Daneben verantwortet er die Sonderausgabe YACHT classic, veröffentlichte mehrere Bücher im Verlag Delius-Klasing und ist stellvertretender Chefredakteur der YACHT. Johannsen ist begeisterter Fahrtensegler auf eigenem Kiel und aktiver Begleiter der deutschen Klassiker-Szene.

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