Die Überführung der nach ihrem Mastschaden auf La Réunion reparierten deutschen Class40 ist vollbracht. Die 3600 südatlantischen Seemeilen von Kapstadt nach Recife sind gemeistert. Melwin Fink und seine Überführungscrew mit Sebastian Dziwisch und Christian Schulzeck haben die deutsche Class40 in den letzten Globe40-Etappenhafen Recife gebracht. Bis zum Startschuss zur sechsten und letzten Etappe nach Lorient am 29. März bleibt nun Zeit genug, das Boot auf den Wiedereinstieg vorzubereiten.
Nach ihrem Aus auf Etappe drei haben Lennart Burke und Melwin Fink ihr Globe40-Comeback im Visier. “Ich bin ziemlich froh, dass wir nun in Recife sind. Wir starten jetzt mit den Rennvorbereitungen, gehen dann in den letzten Kampf, die letzte Etappe zurück nach Frankreich”, sagte Melwin Fink nach der Ankunft am 10. März. Drei verpasste Etappenwertungen werden die jüngste Crew im Feld nach der Abrechnung von Etappe fünf ans Ende der Flotte werfen.
Der große Traum von der Weltumseglung war für Lennart Burke und Melwin Fink schon zur Halbzeit auf Etappe drei mit dem Mastschaden geplatzt. Doch für den Endspurt haben sie sich noch einmal viel vorgenommen. “Wir haben natürlich das Rennen die ganze Zeit verfolgt und waren ein bisschen traurig, dass wir nicht selbst kämpfen können. Es ging immer eng zu. Wir hätten lieber mit ihnen gespielt”, sagte Globe40-Skipper Melwin Fink in Recife.
Das Boot ist in gutem Zustand. Wir auch. Wir werden alles geben, haben nichts zu verlieren. Wir wollen zeigen, zu was wir imstande sind”, sagte Melwin Fink.
Während sich das Team Next Generation Around the World nun in Recife auf den letzten Akt im Globe40 vorbereitet, wo auch Lennart Burke in der kommenden Woche am 20. März dazustoßen wird, tobt auf See ein zunehmend packender Kampf um den Sieg auf Etappe fünf. “Die anderen liefern sich ein sehr aufregendes Rennen. Sie haben sehr gut vorbereitete und starke Boote. Das ist cool zu sehen. Hoffentlich können wir auf der kommenden Etappe wieder reinspringen ins Rennen und wieder mit ihnen kämpfen”, sagte Melwin Fink.
An der Spitze der Flotte sind die früh und weit enteilten Spitzenreiter Ian Lipinski und Antoine Carpentier nicht mehr alleine. Das Team Belgium Ocean Racing – Curium hatte früh einen Reparaturstopp einlegen müssen und bei der anschließenden Verfolgung zunächst auch noch mit leichten Winden zu kämpfen. Inzwischen aber haben sich Jonas Gerckens und Corentin Douguet in sensationeller Weise wieder an die führende “Crédit Mutuel” herangearbeitet.
Die zwischenzeitlich bis zu 612 Seemeilen Vorsprung von “Credit Mutuel” sind auf gerade noch 12,8 Seemeilen zusammengeschmolzen wie ein Stück Schokolade unter brasilianischer Sonne! Und die Belgier machen weiter Druck. Gut 650 Seemeilen entfernt von Recife, liefern sich die beiden unangefochtenen Top-Teams dieser Weltumseglung auf Class40-Yachten einen aufregenden Zweikampf.
Starke Verluste von 80 Seemeilen in 24 Stunden haben für dieses Szenario gesorgt – es war von der “Crédit Mutuel”-Crew angesichts der Windprognosen erwartet worden, macht es aber nicht schöner. Das sich erneut entspinnende Bug-an-Bug-Rennen erinnert an die Zielankunft der zweiten Etappe von den Kapverden nach La Réunion, als alle drei Scow-Bug-Boote inklusive Lennart Burke und Melwin Fink binnen neun Minuten das Ziel erreicht hatten.
Das DDauerbrennerduell erinnert auch an die vierte Etappe nach Valparaiso, bei der “Crédit Mutuel” und “Belgium Ocean Racing – Curium” so zeitgleich die Ziellinie passiert hatten, dass die Wettfahrtleitung beide zu Etappensiegern kürte.
Nun also kann es erneut zu einem Finalthriller kommen. Die gejagten Franzosen und ihre belgischen Jäger wissen, was auf dem Spiel steht. Die Belgier führen das Globe40-Klassement nach dem Prolog und vier Etappen mit 15 Punkten vor den Franzosen (17 Punkte) an.
Kann die “Crédit Mutuel”-Crew den Etappensieg vor den Belgiern ins Ziel bringen, würden beide Teams punktgleich in die letzte Etappe starten. Könnten dagegen die Belgier die Franzosen bis ins Ziel noch überholen, dann hätten sie die besten Karten in der Hand, das Globe40 auf dem letzten Abschnitt in den Start- und Zielhafen Lorient aus eigener Kraft zu gewinnen.
Atemlos geht es daher dicht entlang der brasilianischen Küste nach Norden. “Wir stellen konstant das Boot und die Segel ein, sind ziemlich beschäftigt. Es ist schwer, die richtigen Momente zum Schlafen zu finden. Wir haben die Lichter von Ölplattformen und sogar ihre Flammen in der Ferne gesehen und die Kurse einiger Frachtschiffe gekreuzt”, beschrieb Antoine Carpentier den aktuellen Bordalltag auf “Crédit Mutuel”.
Wie schwer die launischen Windverhältnisse iim Südatlantik zu bändigen sind, beschrieb Antoine Carpentier auch: “Wir segeln manchmal schneller als diese Front, überholen sie und kommen dann in weniger Wind, sodass wir langsamer werden. Sie holt uns ein, bringt uns mehr Wind, wir beschleunigen wieder, überholen sie erneut und so weiter. Wir hatten Welle von hinten und eine entgegenkommende Welle, was wahrscheinlich erklärt, warum es uns so schwer fiel, die 100-prozentige Leistung zu halten.”
An Bord der Crédit Mutuel ist alles in Ordnung. Ich gehe wieder an Deck, der Wind dreht zum tausendsten Mal heute!” Antoine Carpentier
Auch hinter den beiden Frontbooten, deren Showdown zum Wochenende vor Recife erwartet wird, tobt ein anhaltend unentschiedener Kampf um den dritten Podiumsplatz und weitere wertvolle Punkte. Die französische “Free Dom” verteidigte am Mittwochmorgen bei knapp 480 Seemeilen Rückstand auf die Spitzenreiterin “Crédit Mutuel” Rang drei in der Flotte und damit die Top-Position unter den Spitzbug-Booten.
Ihr Vorsprung vor der wieder aufgekommenen “Wilson”-Crew mit Lisa Berger und Jade Edwards-Leaney war dabei allerdings auf nur noch 18 Seemeilen geschrumpft. Die Österreicherin und ihr walisischer C-Skipper blieben auch in Salven von Gewitterböen dran, kämpfen um den dritten Podiumsplatz. Sie verteidigten zuletzt ihrerseits einen Vorsprung von rund 33 Seemeilen vor Richard Palmer und Rupert Holmes auf der britischen “Jangada Racing”. Die wiederum ringen Bug an Bug mit José Guilherme Caldas und Luiz Bolina auf “Barco Brasil” um Rang fünf.
Die rote Schlusslichtlaterne hängt vorerst weiter im Heck von Melodie Schaffers “Whiskey Jack”, die allerdings auch nur 20 Seemeilen Rückstand auf “Barco Brasil” hatte. Eine insgesamt so kompakte Etappe mit so geringen Abständen innerhalb der beiden Gruppen der Scow- und Spitzbugboote hat es bislang in dieser Form nicht gegeben. Sie verspricht Hochspannung bis ins Ziel – vom ersten bis zum letzten Boot. Hier geht es zum Globe40-Tracking, das die Positionen alle vier Stunden aktualisiert.

Freie Reporterin Sport