Die fünfte Etappe im Globe40 war eine mit Schwierigkeiten gespickte Kap-Hoorn-Prüfung in zwei Ozeanen. Ihre Herausforderer hatten vor allem in der zweiten Halbzeit schwierige meteorologische Lagen zu parieren. Die Etappensieger Ian Lipinski und Antoine Carpentier hatten das Ziel bereits am vergangenen Sonntag erreicht und mit ihrem Etappensieg für einen Gleichstand mit Team Belgien vor der Schlussetappe gesorgt. Jetzt sind auch die Entscheidungen bei den Spitzbug-Verfolgern gefallen..
Hinter den beiden dominanten Scow-Bug-Booten rangen die Crews auf den Spitzbug-Booten miteinander um die besten Plätze und die besten Ausgangspositionen für die Globe40-Schlussetappe in den Start- und Zielhafen Lorient. Den dritten Podiumsplatz für Etappe fünf sicherten sich Thibault Lefévère und Maxime Bourcier auf “Free Dom” knapp zweieinhalb Tage nach den Etappensiegern. Am spannendsten aber verlief hinter ihnen das Duell um Platz vier.
Mit einer ihrer besten Leistungen setzte sich das “Wilson”-Mixed Lisa Berger und Jade Edwards-Leaney gegen Melodie Schaffer und Paul Stratfold auf “Whiskey Jack durch. Nach 27 Tagen, 22 Stunden, 39 Minuten und 57 Sekunden auf See reichten der Österreicherin und ihrem walisischen Co-Skipper 41 Minuten und 44 Sekunden Vorsprung für den zweiten vierten Rang in Folge. Ihre aufsteigende Tendenz hält an.
Der so knapp geschlagenen Kanadierin und ihrem Co-Skipper dagegen war die Enttäuschung im Ziel trotz gut bestrittener Etappe ein wenig anzumerken, auch wenn sie ihren Bezwingern fair gratulierten und sich über ihre Ankunft im letzten Globe40-Etappenhafen Recife freuten. “Es ist schön, hier zu sein. Es wäre auch schön gewesen, zwei Stunden eher anzukommen”, räumte Paul Stratfold ein.
Den im Etappenfinale schmerzlichen Platzverlust hatte sich das kanadisch-britische Team auf “Whiskey Jack” am Vorschlusstag nach fast einem Monat auf See eingefangen. Da war “Wilson” vorbeigekommen und hatte die erfochtene Führung nicht mehr hergegeben. Damit konnte die “Wilson”-Crew den fünften Rang, den Ozeanstürmerin Lisa Berger und ihr Partner Jade Edwards-Leaney bei ihrer ersten Kap-Hoorn-Passage noch innehatten, noch um eine Position verbessern.
“Heiß ist es! Und die Caipirinhas sind sehr gut!”, sagte Lisa Berger im ersten Interview kurz nach der Ankunft im brasilianischen Recife lachend. Co-Skipper Jade Edwards-Leaney sagte, er sei fast überrascht gewesen zu hören, dass die Etappe nahezu einen Monat gedauert habe. “Für uns floss ein Tag in den nächsten. Wir waren wie im Tunnel”, berichtete der Waliser.
Zum abwechslungsreichen Verlauf der Etappe – vom Start in Chile via Kap Hoorn bis zur Hatz im Südatlantik – und den engen Positionskämpfen sagte Lisa Berger: “Wir haben alle Bedingungen erlebt. Gleich nach dem Start hatten wir wirklich brutale Amwind-Bedingungen, vor allem wegen der Wellen. Das war schmerzhaft für uns und das Boot.”
Ich war in diesen ersten drei Tagen bereit, das Segeln aufzugeben.” Jade Edwards-Leaney
“Es waren Momente, in denen du dich fragst, warum du das machst – warum?”, sinnierte Lisa Berger. Sie sieht in der guten Strategie und gewinnbringenden Positionierung ihrer Crew im weiteren Rennverlauf einen wichtigen Faktor für den stark erfochtenen Etappenerfolg unter österreichischer Flagge. Ihr Fazit: “Wir waren anfangs in den starken Winden am Wind sehr schlecht, konnten dann aber wieder einige Plätze gutmachen.”
Der Höhepunkt war Kap Hoorn.” Lisa Berger
Höhepunkt der jetzt zu Ende gehenden fünften Etappe war für alle Globe40-Segler die Kap-Hoorn-Passage. “Kap Hoorn war unglaublich. Es war so cool, dass wir so nahe dran waren, dass wir die Berge und die Gletscher sehenen konnten. Wir wussten, dass Kap Hoorn gleich, jede Minute im Dunstschleier auftauchen würde. Es dann zu sehen und den ganzen Tag zu haben, es zu erleben und zu genießen… Dann waren da Hunderte, Tausende Albatrosse. Kap Hoorn ist wie eine Service-Station für Albatrosse”, beschrieb Lisa Berger noch einmal ihren unvergesslichen Gipfelsturm.
Jade Edwards-Leaney sagte zum Erlebnis Kap Hoorn: “Es war nicht nur die Etappe, es war ein ganzes Leben der Vorbereitung darauf. Du träumst schon eine Ewigkeit davon. Am Ende ist es nur eine Landspitze. Und doch ist das so viel, was es repräsentiert.” Sie seien unter Spinnaker dem Kap Hoorn weniger als eine Meile nahegekommen, berichteten die “Wilson”-Segler mit anhaltendem Leuchten in den Augen, hätten dabei viel Glück mit dem Wetter gehabt.
Die “Belohnung” dafür war heftig ausgefallen, wie Lisa Berger erinnert: “Als wir die Falklandinseln passierten, hatten wir bis zu 50 Knoten Wind. Wir hatten horrible Bedingungen.”
Der Südatlantik ist wirklich der härteste Teil des ganzen Rennens um die Welt.” Lisa Berger
Vor der Schlussetappe nach Lorient ist den beiden “Wilson”-Seglern bewusst geworden, wie weit sie inzwischen gekommen sind. “Wenn du die Fotos auf deinem Handy ansiehst und dann überlegst, wo du sie gemacht hast, und auf die Karte schaust, dann erkennst du die Runde. Das ist verrückt!”, erklärte Jade Edwards-Leaney nach den rund 5000 Seemeilen der fünften Etappe das sich vollendende Gefühl eines Weltumseglers.
Der Startschuss zum großen Globe40-Finale fällt vor Recife am 29. März. Die sechste und letzte Etappe wird die Entscheidung über die Platzierungen bei der Zweihand-Weltumseglung für Class40-Duos bringen. Kopf an Kopf werden Team Crédit Mutuel und Team Belgium Ocean Racing – Curium um die Krone kämpfen. Beide gehen mit 19 Punkten auf dem Konto in die Entscheidung über 4290 Seemeilen. Etwa 20 Tage wird der Schlussspurt Segler und Fans in Atem halten.
Hinter den beiden Spitzenreitern haben sich auch die Spitzbugboote für dieses Finale formiert, werden ihr eigenes Rennen im Rennen ausfechten. Es liegen spannende Entscheidungen voraus, wie der Blick aufs Gesamtklassement verrät. Die offiziellen Zwischenstände werden zwar erst nach der Zielankunft aller Boote aktualisiert, doch schon jetzt ist klar: Die Spitzenreiter aus Frankreich und Belgien starten Bug an Bug ins Finale – wer die Ziellinie vor Lorient erreicht und vor dem Kontrahenten liegt, gwinnt die zweite Globe40-Edition.
Spannend wird dabei auch das Comeback von Lennart Burke und Melwin Fink zu beobachten sein. Nach insgesamt drei in Folge ihres Mastschadens verpassten Etappen kann ihr Team Next Generation Boating Around the World zwar nicht mehr in den Kampf ums Podium eingreifen, aber noch einmal zeigen, was in ihnen und ihrem Scow-Bug-Boot steckt.
Die voraussichtliche Situation bei den Spitzbug-Booten sorgt für weitere Hochspannung: Da dürfte nach dem Globe40-Prolog und fünf von sechs Etappen die auf Etappe fünf mit gebrochenem Bugsprit arg gebeutelte und erst heute in Racife angekommene “Barco Brasil” mit 49 Punkten immer noch führen. Angreifen werden Lisa Bergers Team Wilson Round the World (54 Punkte) und die französischen “Free Dom” (58 Punkte).
Angesichts der doppelten Wertung auch für die letzte Etappe haben alle drei Teams in Abhängigkeit der Zieldurchgänge noch unterschiedlich große Chancen auf den dritten Podiumsplatz hinter “Crédit Mutuel” und Team Belgium Ocean Racing – Curium. Es gibt also viel zu gewinnen und auch etwas zu verlieren im letzten Globe40-Gefecht, das am 29. März beginnt und Mitte April in der Offshore-Seglerwiege La Base enden wird.

Freie Reporterin Sport