Globe40Nach fast 7000 Seemeilen – Fotofinish vor Valparaiso

Tatjana Pokorny

 · 23.01.2026

Team Belgium Ocean Racing – Curium und Team Crédit Mutuel kämpfen sich auf Etappe vier im Globe40 in der Flaute fast Bug an Bug dem Ziel entgegen.
Foto: Jean-Marie Liot/Globe40
Das Dauer-Duell der beiden Spitzenreiter der Weltumseglung Globe40 hat eine neue Qualität erreicht: Die vierte Etappe von Sydney nach Valparaiso endete nach 6228 Seemeilen mit einem Fotofinish!

Wieder einmal haben sich Team Belgium Ocean Racing – Curium und Team Crédit Mutuel bei der Class40-Weltumseglung Globe40 nichts geschenkt. Wieder einmal haben sie bis zur Ziellinie in fast keinem Wind um einen Etappensieg gekämpft. So knapp wie vor Valparaiso allerdings war es noch nie.

Globe40-Etappenfinale: warum es noch keinen offiziellen Sieger gibt

Weil Benoît Hantzperg/Djemila Tassin und Antoine Carpentier/Alan Roberts im Ziel nach fast 7000 gesegelten Seemeilen nur Sekunden trennten, mochten die Veranstalter vor einer angekündigten genaueren Untersuchung vorerst keines der beiden Boote offiziell zum Etappensieger küren, obwohl das Tracking für beide Boote die Zeiten zeigte. Da wurden die Belgier auf Platz eins geführt, hatten in der Liste bei 20 Stunden, 5 Minuten und 21 Sekunden mit 59 Sekunden eine knappe Minute weniger auf der Uhr als “Crédit Mutuel” (21 Tage, 20 Stunden, 6 Minuten, 20 Sekunden).

Zum noch nicht offiziell bestätigten Etappenergebnis erklärten die Organisatoren: “​Wie bei allen Etappen der ersten Auflage des Globe40 sind auch bei der zweiten Edition die Ziellinien virtuelle Linien, deren Ranglisten per Satelliten-Tracker berechnet werden. Die Technologie bietet heute Werkzeuge, die diesen Teil der Organisation modernisieren. So war es auch in Valparaiso, wo die Positionen im Minutentakt erfasst wurden.”

Weiter hieß es im Globe40-Statement: “Die Ziellinie wurde durch eine Linie zwischen einem Punkt an Land in der Nähe der südlichen Einfahrt von Valparaiso und einem Punkt auf See definiert. Mit 5 Seemeilen Vorsprung angekommen, geriet Belgium Ocean Racing – Curium auf der letzten Meile des Rennens in eine windstille Zone in der Bucht von Valparaiso. Crédit Mutuel nutzte diese Situation bei voller Geschwindigkeit und holte bis auf 500 m auf, bevor es ebenfalls in windstillen Zonen stecken blieb.”

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Belgier und Franzosen fast Bug an Bug ins Ziel

Wie packend es zu Ende ging, beschrieben die Globe40-Organisatoren auch: “Mit großer Anstrengung gelang es den beiden Konkurrenten, sich der Ziellinie zu nähern und fast nebeneinander zu segeln, bevor sie diese mit einem Abstand von nur wenigen Sekunden passierten. Angesichts des geringen Abstands (59″) und der Bedeutung dieser 4. Etappe mit dem Koeffizienten 3 beschlossen die Sportverantwortlichen des Rennens, sich zu beraten und alle Elemente zu überprüfen, bevor sie die Wertung des Rennens bestätigten.”

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Die “Gründlichkeit dieser Organisation”, so hieß es in der Erklärung, “beruht auf jahrzehntelanger Erfahrung des französischen Segelverbands FFV als Schiedsrichter bei Hochseeregatten, zeugt auch von der Gesamtqualität des Rennens”. Unabhängig vom Ergebnis der nachträglichen Ergebnisüberprüfung anhand von Bildern, Fotos und Aussagen der Sgler seien es “zwei großartige Teams, die sich stets mit gegenseitigem Respekt begegnet sind”.

Hinter den beiden Powerplayern dieser zweiten Globe40-Edition liegt ein erneut atemloses Duell, das über lange Phasen entlang der Eisgrenze am 50. Breitengrad Süd durch den Südpazifik führte. Bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 13,4 Knoten zeigten die beiden Snow-Bug-Boote einmal mehr ihre Ausnahmeklasse. Mehr als 1100 Seemeilen lagen auf der drittplatzierten “Barco Brasil” beim Zieldurchgang die dichtesten Verfolger zurück.

Scow-Bug-Boot bewähren sich bei erster Weltumseglung

Der Startschuss zur vierten Etappe war am 1. Januar in Sydney gefallen. Schon zuvor hatte es mit dem 8000-Seemeilen-Abschnitt von den Kapverden bis zur Insel La Réunion eine Mammut-Etappe gegeben. doch war der jetzt von Team Belgien und “Crédit Mutuel” so imposant gemeisterte Lauf der erste, bei dem die Class40ies einen gesamten Ozean einmal vollständig von West nach Ost überquert haben.

Dabei hatten sie auch Point Nemo passiert, den legendären, von jeglicher Zivilisation am weitesten entfernten Punkt der Erde. Sie hatten südlich von Neuseeland in den “Brüllenden Vierziger” Breitengraden eine Serie von Tiefdruckgebieten zu parieren, nutzten die aber auch für aufsehenerregende schnelle Ritte. Team Belgium Ocean Racing – Curium hatte Anfang der zweiten Januar-Woche über 24 Stunden 459,78 Seemeilen geschafft – Klassenrekord! Die erstmals bei einer Weltumseglung startenden Snow-Bug-Boote bewähren sich bislang in beeindruckender Weise.

Das hatten auch Lennart Burke und Melwin Fink bis zu ihrem Bumerang Bruch und Etappen-Aus auf Kurs Sydney bewiesen. Die jungen deutschen Class40-Segler planen aktuell ihr Comeback zur sechsten und letzten Etappe, wollen die beiden führenden Scow-Geschosse dann wenigstens im Finale von Recife in Brasilien zurück in den Start- und Zielhafen Lorient noch einmal fordern. Hier der Überblick zur geplanten Reparatur auf La Réunion, der Überführung via Kapstadt nach Recife und dem Comeback zum Globe40-Finale.

Schaffen die Nachzügler den Start zur nächsten Etappe?

Die verbliebene Flotte der Spitzbug-Boote kämpft indessen auf Etappe vier noch in ihrer eigenen Welt um die bestmögliche Zielankunft in Valparaiso. Um 10 Uhr am 23. Januar hatte “Barco Brasil” noch rund 970 Seemeilen bis ins Ziel vor sich. 90 Seemeilen hinter den Brasilianern drückten Lisa Berger und Jade Edwards-Leaney im grauen Pazifik das Gaspedal durch. Fast 70 Seemeilen betrug ihr Vorsprung zuletzt auf Richard Palmer und Rupert Holmes auf “Jangada Racing”. Ihnen folgte mit weiteren rund 90 Seemeilen Rückstand Melodie Schaffer und Colin Campbell auf “Whiskey Jack”.

Spannend bleibt die Antwort auf die Frage, wie die Nachzügler Thibaut Lefévère und Nicolas Guibal durchkommen werden. Die “Free Dom”-Crew hatte mit Ruderbruch in Folge einer Kollision nach Sydney zurücksegeln, reparieren und die Verfolgung aufnehmen müssen. Für das französische Duo waren am 23. Januar noch 5200 Seemeilen zu absolvieren. Das soll bis zum 18. Februar gelingen, weil dann vor Valparaiso der Startschuss zu Etappe fünf fällt.

Packend! Der Kampf um den Sieg auf Globe40-Etappe vier mit Stimmen der Segler:

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