Höhe, Höhe, Höhe ist das Gebot der Stunde auf der Schlussetappe im Globe40. Die acht Team skämpfen sich fünf Tage nach dem Startschuss am vergangenen Sonntag in Recife weit westlich von der Ideallinie auf ihrem Kurs in den Start- und Zielhafen Lorient in nordwestlicher Richtung voran. “Es ist unglaublich anzusehen, wie sich die Franzosen gerade wieder vor die Belgier legen”, zollte Melwin Fink dem packenden Spitzenduell an der Flottenfront und den favorisierten Franzosen Tribut.
Das eigene Team hat sich im Klassement an diesem Morgen um zwei Ränge auf Platz sechs vorgearbeitet. Diese Zwischenstände sind aktuell recht theoretischer Natur, weil die Platzierungen in Relation zum Ziel im Nordosten ermittelt werden, die Flotte sich aber zunächst weit nach Westen orientiert hat. “Wir bewegen uns zwangsläufig weiter nach Westen, weil wir einfach im Nordostpassat nicht höher fahren können. Wir fahren schon fast die ganze Zeit volle Höhe”, erklärte Melwin Fink.
Das “Motto “Am besten im Westen” verfolgt inzwischen die gesamte Flotte. In ein paar Tagen wird es für alle darum gehen, das sich ausdehende Azorenhoch bestmöglich zu umfahren. Die westlichste Position der Flotte nahm am Karfreitag weiter das junge deutsche Team Next Generation Boating Around the World ein. “Wir sind momentan das westlichste Schiff, aber das wird nicht so schlimm sein”, erklärte Fink, “weil wir ohnehin das Azorenhoch umfahren müssen. Da werden wir uns aus dem Westen anpirschen, nehmen den aus unserer Sicht aktuell schnellsten Weg, um in den Norden zu kommen.”
Es könnte ein bisschen höher gehen als jetzt gerade. Aber es ist wie es ist.” Melwin Fink
Gesehen haben Lennart Burke und Melwin Fink auch, dass sich “Crédit Mutuel” wieder etwas nach Osten arbeitet. “Wir wissen nicht, wie sie das machen”, räumte Melwin Fink ehrlich ein. Und weiter: “Sie sind eineinhalb bis zwei Knoten schneller unterwegs als wir und fahren höher. Wir hoffen, dass wir da auch hinkommen, weil wir gar nicht so ganz weit westlich sein wollen. Aber eine andere Option haben wir aktuell nicht. Wir können nicht schneller und nicht höher segeln.” Hier lassen sich die Situation und die aktuellen Positionen der Boote via Globe40-Tracker verfolgen.
Der Blick auf die weitere Flotte verriet Melwin Fink am 3. April: “Die anderen wie ‘Barco Brasil’ und Lisa (Red.: Lisa Berger/Wilson Around the World) fallen weiter zurück. Ein bisschen mehr als wir sogar. Die rutschen auch weiter nach Westen. Es ist eine spannende Situation, die in den nächsten Tagen erst einmal so bleiben wird. Dann geht es darum, das Azorenhoch zu umfahren, um in die Westwindzone reinzukommen, um danach mit Westwind – hoffentlich Downwind – in die Biskaya reinzucrashen.”
Viel Abwechslung erwartet die Crews über Ostern nicht. “Es wird jetzt erst einmal noch ziemlich eintönig bleiben”, sagte Melwin Fink. “Unsere Hoffnungen sind hier, das wir mithalten können. Unter diesen Bedingungen sind die Boote vorne einfach nur schnell. Das wussten wir aber vorher. Wir setzen aufs Azorenhoch, dass sich da nochmal eine kleine Veränderung ergibt. Und darauf, dass wir dann Downwind wieder brillieren können. Etwas anderes können wir jetzt leider gerade nicht machen.”
An Bord der deutschen Class40 läuft es rund. “Bei uns sind alle wohlauf. Uns geht es gut. Wir sind sehr motiviert, kämpfen uns hier gen Norden. Es macht Spaß!”, sagte Fink zur Stimmung im Team. Langsam werde es kühler, so der 24-Jährige. Das mache die Arbeit auf dem Boot “ein bisschen weniger anstrengend”.
Es gibt aber nach der Äquator-Passage am Vortag und zurück auf der Nordhalbkugel einen natürlichen “Feind” der Crews: Sargassum! Melwin Fink erzählt: “Die größte Herausforderung stellt gerade das Sargassumkraut dar. Davon haben wir unglaublich viel, ständig was im Ruder und am Hydrogenerator, was ein bisschen nervig ist. Denn den brauchen wir gerade, nachdem unser Motor kaputtgegangen ist. Wir haben nicht ganz so viel Methanol für unsere Brennstoffzelle dabei. Deswegen müssen wir jetzt so ein bisschen durchmogeln. Das ist aber kein Grundproblem.”
Während Burke und Fink alles geben, um als drittes Scow-Bug-Boot an den rechnerisch um knapp 80 Seemeilen davongezogenen Belgiern und Franzosen dranzubleiben, verloren die Spitzbugboote vor dem Wochenende allesamt Meilen. Dabei trennten die Podiumsrivalen “Barco Brasil” und “Wilson Around the World” zuletzt nur knapp acht Seemeilen. “Wilson”-Skipperin Lisa Berger und ihr Co-Skipper Jade Edwards-Leaney sind mit viel Ehrgeiz im Einsatz, wollen unbedingt ihre Podiumschance wahren.
Die Österreicherin berichtet auf ihren Kanälen in den sozialen Netzwerken fast täglich mit abwechslungsreichen Clips vom Rennen. Und auch von den Naturerlebnissen ihrer Crew. Besonders heiter war in dieser Woche ein Video, das plötzlich fünf statt zwei Lebewesen an Bord zeigte. Da waren auf “Wilson” drei Seevögel zu Gast. Sogenannte Braunnoddies, kurz auch “Noddies” genannt”, nutzten die Köpfe des Mixed-Duos und die Class40 zum Landen und Ausruhen. Heute schon gelacht? Hier dauert es keine Minute… Ein Fan schrieb: “Die haben ja einen Vogel!” Tatsächlich waren es drei.
Nach dem eher langsamen Etappenauftakt rechnen die Globe40-Teams für Mitte April mit der Ankunft in Lorient. “Wir gehen immer noch vom 16. bis 18. April aus. Das bleibt realistisch, auch wenn die ersten Tage deutlich langsamer waren als erwartet. Aber es hängt natürlich davon ab, wie wir um die Azoren herum- und in die Biskaya reinkommen”, sagte Melwin Fink rund zwei Wochen vor dem Zieleinlauf und der Entscheidung über den Gesamtsieg und die Podiumsplätze im Zweihandrennen um die Welt.

Freie Reporterin Sport