Tatjana Pokorny
· 31.03.2026
Die Globe40-Finaletappe hat spannend begonnen. In leichten Winden kämpfen sich die acht Zweihand-Crews vor der brasilianischen Ostküste etwa beim vierten Breitengrad Süd dem Äquator entgegen. Nur 37 Seemeilen trennten die belgischen Spitzenreiter und Schlusslicht “Whiskey Jack” nach den ersten beiden Nächten auf See. Dabei sind viele Augen auf die Spitze des Feldes gerichtet.
Vorne machen Joans Gerckens und Benoît Hantzperg auf ihrem schnellen Lombard Lift V2-Design so viel Druck, wie es die flauen Winde nur zulassen. Ihr Bug blieb zuletzt weiter stramm nach Norden gerichtet. Dabei hielt Team Belgium Ocean Racing – Curium einen Vorsprung von 20 Seemeilen vor dem bis dahin besten Spitzbug-Boot “Barco Brasil”. Mit gleicher Punktzahl wie Ian Lipinski und Antoine Carpentier auf “Crédit Mutuel” in die sechste und letzte Etappe des Globe40 gestartet, demonstrieren die Belgier frühe Entschlossenheit.
Und was machen die im Zweikampf um den Globe40-Sieg leicht favorisierten Franzosen? Ian Lipinski und Antoine Carpentier holen erneut nach Westen aus, orientieren sich mit ihrer Raison-Max 2 zu den in Küstennähe etwas stärker erwarteten Winden. Das “Crédit Mutuel”-Duo investiert in der Hoffnung auf eine Überholspur – siehe Bilder in der Galerie. Hier geht es zum Globe40-Tracking für das laufende Finale.
Wie für “Barco Brasil” ging es zuletzt auch für die weiteren Verfolger wieder aufwärts. Lisa Berger und Jade Edwards-Leaney segelten fast gleichauf mit den Brasilianern, konnten ihren Rückstand zu den belgischen Spitzenreitern auf 20 Seemeilen verkürzen. Auf der westlichen Außenflanke des Feldes hatte “Crédit Mutuel” auf Rang vier mit einem rechnerischen Rückstand von knapp 22 Seemeilen auf die Belgier, zunächst einige Meilen eingebüßt.
Aufwärts ging es zuletzt auch für das Team Next Generation Boating Around the World: Lennart Burke und Melwin Fink segelten immer wieder in Sichtweite von Lisa Berger und Jade Edwards-Leaney auf “Wilson”. Das österreichisch-walisische Duo strebt nach einem Podiumsplatz bei der Premiere als Teilnehmer einer Weltumseglung. In der Gesamtwertung der drei Scow-Bug-Boote und der fünf Spitzbug-Boote lagen die 34-Jährige vom Attersee und ihr Co-Skipper vor dem Start der Schlussetappe auf Platz vier, in der reinen Spitzbugwertung kämpfen sie von Platz zwei aus sogar um den Sieg.
Eine Erkrankung der Skipperin und eine Lebensmittelvergiftung ihres Co-Skippers hatten dem “Wilson”-Team einen unerwartet schweren Zwischenstopp in Recife beschert. Ins Finale jedoch konnten beide wieder bei Kräften und optimistisch starten. Geblieben waren beim letzten Globe40-Etappenstart bei Lisa Berger aber neben den eigenen gesundheitlichen Rückschlägen auch weniger schöne Ansichten in Recife.
Der Aufenthalt hier in Recife hat mich ziemlich stark deprimiert, weil die Umwelt so stark verschmutzt ist.” Lisa Berger
Nicht nur Berger hatte darauf hingewiesen, dass “das Hafenwasser stark verunreinigt” sei und “große Mengen ungefilterter Abwässer und Müll ins Meer gelangen”. An ihrem Kampfgeist und den ehrgeizigen sportlichen Zielen für den Globe40-Showdown änderte das aber nichts. Die Mixed-Crew hat sich ein bewusst hohes Ziel gesteckt, strebt nach dem Etappensieg bei den Spitzbug-Booten und eröffnete den Showdown entsprechend angriffslustig.
Mit 3745 theoretischen Seemeilen bezifferten die Globe40-Veranstalter das Finale von Recife nach Lorient zuletzt. In der Realität könnten daraus aber mit Blick auf das notwendige Umfahren des Azorenhochs bis zu 4500 Seemeilen werden, hieß es in der Startmeldung. Davor steht das Durchkommen durch den notorisch schwachwindigen Kalmengürtel. Im Nordatlantik warten dann Tiefs und die launische Biskaya als abschließende Herausforderungen.
Zur Erinnerung: Beim Auftakt des Zweihandrennens um die Welt wurden im Nordatlantik mit 65 Knoten die stärksten Winde der zweiten Globe40-Edition gemessen. Mit der Ankunft der schnellsten Boote wird in Lorient ab Ende der zweiten und in der dritten April-Woche gerechnet.

Freie Reporterin Sport