Globe40Jury-Entscheidung pro Burke und Fink, Spitzenduell hält an

Tatjana Pokorny

 · 07.04.2026

Team Belgien hat am 7. April im Dauerduell der beiden punktgleichen Spitzenreiter wieder eine knappe Führung vor "Crédit Mutuel" übernommen.
Foto: Jean-Marie Liot/Globe40

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Das Globe40-Finale serviert das erwartete Kampfduell um den Gesamtsieg. Fast in Sichtweite ringen Franzosen und Belgier um die Vorherrschaft im Nordatlantik. Dabei zwingt das ausgedehnte Azorenhoch sie und ihre Verfolger weit in den Westen. Lennart Burke und Melwin Fink haben Platz drei erobert. Lisa Bergers „Wilson“-Team kämpft.

​Knapp 2400 Seemeilen hatten die Spitzenreiter am Tag nach Ostern noch bis ins Globe40-Ziel zu meistern. Es werden keine leichten sein. Nach dem Start der Finaletappe waren bereits unterschiedlichste Wetterlagen und Herausforderungen zu parieren. Zuletzt die „Sargassoqualen“ mit starker Algenpräsenz, die die Boote immer wieder ausbremsten. Inzwischen aber treten die führenden Duos das Gaspedal wieder durch.

Globe40-Finale: Belgier und Franzosen belauern sich

Für Spannung ganz vorne sorgt, dass im Zweikampf der punktgleich ins Globe40-Finale gestarteten Franzosen und Belgier am Montagmorgen wieder die Belgier mit sechs Seemeilen Vorsprung vorpreschten. Von 3. bis 7. April hatte “Crédit Mutuel” geführt, davor die Belgier, die jetzt wieder obenauf sind. Eine Vorentscheidung im letzten und entscheidenden Duell zwischen Jonas Gerckens und Benoît Hantzperg vom Team Belgium Ocean Racing und Ian Lipinski mit Antoine Carpentier auf „Crédit Mutuel“ könnte beim westlichen Umfahren des Azorenhochs fallen, das den Kontrahenten die eine oder andere Flautenfalle stellen wird.

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Den Top-Crews auf den Fersen sind Lennart Burke und Melwin Fink. Das deutsche Duo ist auf der sechsten und letzten Etappe beim Comeback nach ihrem Ausscheiden auf Etappe 3 der Weltumseglung auf Rang drei vorgerückt, hat zu den beiden führenden Booten aber immer noch rund 190 Seemeilen gutzumachen. Nach hinten hielt das jüngste Team der Flotte zuletzt am Mittag des 7. April einen Vorsprung von rund 17 Seemeilen vor dem schnellsten Spitzbug-Boot „Barco Brasil“. In Richtung 30. Breitengrad Nord unterwegs, erfuhren die schnellsten Boote wieder Beschleunigung im Nordostpassat.

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Bei uns ist es gerade wild. Ordentlich Wind, ordentlich Welle.“ Melwin Fink

Am Dienstag nach Ostern vermeldete Melwin Fink von See, dass es für sein Team gerade zur Sache gehe. So erlebten es auch die anderen beiden Scow-Bug-Boote an der Flottenfront. Der Belgier Jonas Gerckens zeigte hier mit einem Clip, wie sein Team die aktuellen Atlantikbedingungen erlebt. “Wenn das Boot unter blauem Himmel dahingleitet, dann bemerkt man diese rohe Einsatzintensität manchmal gar nicht. Und auch nicht, dass es ein 24/7-Job ist”, kommentierte Gerckens die rasante Fahrt.

Nach Westen ausgedehntes Azorenhoch verlängert den Kurs

„Es hat heute Nacht ganz schön geballert. Wir hatten in Böen bis 35 Knoten. Die sind jetzt so runter auf 20, 25 Knoten. Bei ganz schöner Welle. Aber das Boot springt gut durch die Wellen. Wir fahren immer so zwischen 12 und 14 Knoten. Es läuft ganz gut”, kommentierte Melwin Fink das aktuell wieder flottere Fortkommen. Die Hoffnungen der Crew seien groß, dass die Sargassoplage „nun vorbei ist“. Melwin Fink sagte: „Das hat uns manchmal ganz schön eingebremst, weil man immer wieder das Boot davon befreien musste. Die anderen haben das ja aber auch. Es nervt einfach nur.“

Zur Ansteuerung des Azorenhochs hat sich das Team Next Generation Boating Around the World auch schon Gedanken gemacht. „Es wird auf jeden Fall spannend, denn es ist gerade relativ weit westlich. Also werden wir es auch relativ weit westlich umfahren“, gab Fink einen Ausblick auf die kommenden Tage. „Ob die vor uns oder wir da direkt stehenbleiben, können wir noch nicht so recht vorhersagen, weil die Wettermodelle da auch voneinander abweichen.“

Aktuelles Ziel von Lennart Burke und Melwin Fink ist es, im Globe40-Schlusskapitel „ordentlich Meilen nach Norden zu machen“ und „das Ganze im Blick zu behalten“. Die beiden vor ihnen liegenden Boote, so Fink, würden „gerade wieder in etwas leichtere Winde fahren“. Man müsse abwarten, wie sich die Lage entwickle.

Zwei Comeback-Chancen für Burke und Fink

Gefragt nach den Comeback-Chancen für Team Germany, nach den Chancen, die beiden enteilten führenden Boote doch noch einmal angreifen zu können, sah Melwin Fink zwei Chancen für die verbliebenen Kursabschnitt: „Zum einen rund ums Azorenhoch, wie eben schon beleuchtet. Zum anderen vielleicht auch in der Biskaya. Da sieht es auch gerade danach aus, als könnte es leichten Wind geben. Also, wir werden mit ziemlich viel Wind reinfahren. Dann soll es eine Flaute geben. Mal schauen… Die Informationen sind noch sehr vage.“

Team und Boot seien in guter Verfassung, „lediglich etwas angestrengt dadurch, dass wir seit neun Tagen auf dem gleichen Bug segeln“, erklärte der 24-jährige Fink. Er fügte hinzu: „Man würde sich auch gerne mal wieder ein bisschen bewegen, doch es dauert noch, bis das wieder stattfinden kann.“ An Land ist inzwischen ein Antrag auf Wiedergutmachung vom Team Next Generation Boating Around the World von der Jury positiv entschieden worden.

Der Antrag hatte sich gegen die Rückstufung des Teams im Klassement gerichtet. Da rangierten die deutschen Class40-Segler nach ihrem Aus auf Etappe drei von La Réunion nach Sydney zunächst entsprechend ihrer Punkte im Mittelfeld, sackten dann den weiteren nicht bestrittenen Etappen noch etwas zurück. Plötzlich aber hatte die Wettfahrtleitung unter Hinweis auf den Anhang 4 AC Globe40 das deutsche Team auf den achten und letzten Platz gesetzt. Die Essenz des relevanten Anhangs: Ein Boot, das bei einer oder mehreren Etappen als DNC oder DNS gewertet wurde, wird hinter den Booten platziert, die alle Etappen beendet haben.

Globe40-Jury gibt GER-Antrag auf Wiedergutmachung statt

Dagegen und im gleichen Zug auch gegen den später ergänzten, aber nicht ausreichend kommunizierten Anhang 4 AC Globe40, hatten sich Lennart Burke und Melwin Fink mit ihrem Wiedergutmachungsantrag gewehrt. Dem hat die Jury am 4. April stattgegeben. Die Boote sollen weiter in der Reihenfolge der ersegelten Punkte und nicht nach der Vorgabe des Anhangs oder auf Basis nicht bestrittener Etappen gewertet werden.

Womit der sechste Platz von Team Next Generation Boating nach der vorletzten Etappe steht, auch wenn sie vier Tage nach der Jury-Entscheidung im offiziellen Zwischenklassent immer noch rot markiert auf dem letzten Platz geführt wurden. Melwin Fink sagte zum erfolgreichen Antrag auf Wiedergutmachung: „Das ist so, wie wir uns das vorgestellt haben. Darüber sind wir glücklich. Das gibt uns ein besseres Gefühl. Das setzt unsere Leistung jetzt auch beim Comeback in einen besseren Kontext.“

Spannend bleibt auf der laufenden Etappe indessen auch der Kampf der Spitzbugboote um den dritten Podiumsplatz in der Gesamtwertung und die Krone der „Pointer“. Hier blieb in der laufenden Etappe „Barco Brasil“ weiter vorne, während auch „Free Dom“ und „Jangada Racing“ Boden gutmachen konnten. Lisa Berger und Jade Edwards-Leaney sind auf „Wilson“ vorerst auf Position sieben zurückgefallen. Dabei hatten sie allerdings nur wenige Seemeilen Rückstand auf die beiden vor ihnen liegenden Boote, während sie am frühen Dienstagnachmittag beim atlantischen Aufstieg das westlichste der Spitzbugboote waren. Hier geht es zum Globe40-Tracker.

Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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