Zwei Monate haben Lennart Burke und Melwin Fink für ihr Comeback im Globe40 geschuftet. An diesem Sonntag konnten sie die Früchte ernten und mit dem Start in die sechste und letzte Etappe ihr Comeback feiern. Ein Mastschaden hatte das deutsche Duo nach der ersten Woche der dritten Etappe zum Abbruch, zur Rückkehr nach La Réunion und zur Reparatur bewogen. Es folgte die Überführung via Kapstadt nach Recife, das die verbliebene Flotte auf dem vorgegeben Kurs rund Kap Hoorn erreichte.
Jetzt läuft das Globe40-Finale. Zur ausführlichen Vorschau und dem spannenden Szenario im Kampf um den Gesamtsieg und den dritten Podiumsplatz geht es hier. Die Teams Crédit Mutuel und Belgium Ocean Racing – Curium sind in den erwarteten leichten Winden Kopf an Kopf in den Atlantik-Endspurt gegangen. Wer von diesen beiden Teams die Ziellinie vor Lorient zuerst erreicht, dem gehört die Krone dieser zweiten Auflage der Zweihand-Weltumseglung auf Class40ies.
Deutlich mehr als 30.000 Seemeilen werden die Teams, die den Prolog und alle sechs Etappen bestritten haben, am Ende gesegelt sein. Die Schlussetappe macht davon gut 14 Prozent aus. Ihre Ergebnisse werden mit Faktor zwei multipliziert, so wie auf den Etappen 3 und 5. Dreifach gewertet wurden Etappe 2 mit 7050 Seemeilen von Mindelo auf den Kapverden nach La Réunion und Etappe 4 von Sydney über 6390 Seemeilen nach Valparaiso.
Nach der Anzahl der Etappensiege hat “Crédit Mutuel” bei fünf von bislang sechs möglichen Siegen die Bugspitze vorne. Weil aber die Belgier, die seit Januar den 24-Stunden-Rekord (459,78 Seemeilen; Speedschnitt: 19,156 Knoten) in der Class40 halten, die hochbewertete Etappe drei gewannen und sich den Sieg auf der zweiten hochbewerteten Etappe 5 mit den Franzosen teilten, kam es zum Gleichstand vor dem Finale. Für die Segler und Fans könnte die Ausgangslage nun kaum spannender sein.
In Lorient hatte das Globe40 nach einer Sturmverzögerung am 4. September 2025 begonnen. In Lorient geht es Mitte April zu Ende. Für Team Crédit Mutuel ist es der französische Heimathafen. “Abgesehen von der Party, die unsere brasilianischen Konkurrenten organisiert hatten, haben wir jeden Moment in Recife zum Ausruhen genutzt”, sagte Ian Lipinski zur Vorbereitung seines Teams auf den Sonntagsstartschuss.
Im Fußball sagt man, ein Finale spielt man nicht. Man gewinnt es. Aber natürlich müssen wir dieses Finale spielen. Und natürlich wollen wir es auch gewinnen!” Ian Lipinski
Der Top-Favorit und seine wechselnden Mitstreiter – Antoine Carpentier (auch bei der laufenden Etappe), Amélie Grassi und Alan Roberts – mussten nach Rang drei auf der “Monsteretappe” von Mindelo nach La Réunion kämpfen, um vor der Schlussetappe wieder zu den enteilten Belgiern aufschließen zu können. Das ist gelungen. Jetzt solle auf Kurs La Base auch der letzte Schritt folgen.
Dagegen aber wollen sich die Belgier stemmen, auch wenn sie selbst die Franzosen als Favoriten sehen. In einer Team-Meldung hieß es: “Ben und Jonas werden die BEL187 steuern, die nach unglaublicher Arbeit Tag und Nacht durch das Team nach der Kap-Hoorn-Etappe wieder in Topform gebracht wurde, um den Favoriten des Rennens bis zum Schluss das Leben schwer zu machen und zu versuchen, den Pokal ins „Belgien“-Haus zu holen.”
Ebenso aufregend bleibt der Kampf um den dritten Podiumsplatz, den die besten Spitzbugboote unter sich ausmachen werden. Hier geht es zum Zwischenklassement nach der fünften Etappe. Auch die Österreicherin Lisa Berger und ihr walisischer Co-Skipper Jade Edwards-Leaney haben noch eine Chance, diesen Podiumsplatz zu erobern. Hochkonzentriert blieb das Duo nach dem Start an diesem Sonntag auf Rang zwei gleich einmal dran an den Belgiern Jonas Gerckens und Benoît Hantzperg, während “Crédit Mutuel” anfangs überraschend auf dem vorletzten Rang hinterhersegelte.
Viel Aussagekraft hatte das frühe Positionsgerangel in den lauen Winden aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Lennart Burke und Melwin Fink hielten an diesem 29. März eineinhalb Stunden nach dem Start um 20.30 Uhr deutscher Zeit vorerst Rang vier. Wichtig wird es in dieser ersten Etappenphase sein, nicht in ärgerliche Flautenfallen zu tappen.
Lisa Bergers Prognose für den atlantischen Aufstieg nach Lorient: “Vor uns liegt eine weitere Äquatorüberquerung, inklusive des tückischen Kalmengürtels. Ein langer Kurs auf Steuerbordkurs nach Norden und dann, nach Passieren der Azoren, der letzte Abschnitt nach Osten in die Biskaya, wo uns möglicherweise ein weiteres ordentliches Tiefdruckgebiet dazu bringt, zur Ziellinie in Lorient zu fliegen.”
Die Österreicherin ist sicher, dass “diese letzte Etappe noch einiges zu bieten hat”. Sie sagte: “Wir werden um das Podium kämpfen – sogar der Sieg in der Classic Class 40-Kategorie ist möglich!” Gemeint ist damit die um die drei schnellen Scow-Bug-Boote der Franzosen, Belgier und Deutschen bereinigte Wertung der Spitzbugboote. Lisa Berger erklärte vor dem letzten Etappenstart mit Bezug zur Spitzbug-Wertung: “In der Gesamtwertung liegen wir derzeit auf dem zweiten Platz, nur 4,5 Punkte hinter dem Ersten und 4 Punkte vor dem Dritten. Wie spannend ist das denn!”
Ungewöhnlich war die Einschätzung einiger Crews zur Etappendauer: Ursprünglich war der letzte Globe40-Abschnitt mit 4290 Seemeilen und einer Dauer von rund 20 Tagen beziffert worden. Doch vor dem Start rechneten beispielsweise Burke und Fink eher mit einer direkten Kurslänge von nur rund 3500 Seemeilen. Melwin Fink ging zuletzt von einer Etappendauer von “nur” 15 bis 16 Tagen aus.
Bis zu den Azoren dürften nach Annahme der Aktiven eher leichte Winde und warme Temperaturen vorherrschen. In der weiteren Folge jedoch wird mit zunehmend härteren Bedingungen gerechnet. Auf Höhe der Biskaya werden aus dem Westen kommend Stürme erwartet. Über den Umgang mit ihnen werden die Crews dann zu entscheiden haben.
Begonnen hat diese finale Globe40-Etappe zunächst mit viel Segellust und viel Kaffee an Bord beim Team Next Generation Boating Around the World. “Der hält uns wach”, verkündete Melwin Fink fröhlich. Lennart Burkes Ansage kurz vor dem Start: “Ich habe richtig Bock zu segeln und das Boot nach Hause zu bringen.”

Freie Reporterin Sport