Globe40Finaler Showdown ab Sonntag – Franzosen favorisiert

Tatjana Pokorny

 · 24.03.2026

In Recife vor dem Start zur Schlussetappe wiedervereint: Lennart Burke und Melwin Fink.
Foto: nextgenerationboating
Am 29. März fällt der letzte Startschuss im Globe40. Vor Recife beginnt die sechste und letzte Etappe. Die Karten für den Atlantik-Showdown nach Lorient sind verteilt: Vorne kämpfen die beiden Scow-Bug-Top-Teams um den Gesamtsieg, dahinter die drei besten Spitzbug-Teams um Platz drei. Lennart Burke und Melwin Fink haben auch ohne Podiumschance bei ihrem Comeback einiges vor.

Zwei Teams können die zweite Globe40-Auflage noch gewinnen. Drei Teams hinter ihnen haben im Finale noch die Chance, den dritten Podiumsplatz zu erkämpfen. Das ist die Ausgangslage für das Globe40-Finale am 29. März. Am kommenden Sonntag fällt im brasilianischen Hafen Recife um 14 Uhr Ortszeit der Startschuss. Emisg bereiten sich die acht Crews der inzwischen wieder kompletten Flotte der acht Class40ies auf den Showdown der Zweihand-Weltumseglung vor.

Globe40: Zweikampf um den Sieg, Dreikampf um Platz drei

Dabei hat jedes Team seine eigenen Herausforderungen zu bewältigen. So auch die punktgleich mit den französischen Spitzenreitern auf der Raison-Max 2 “Crédit Mutuel” auf Platz zwei liegenden Belgier. Ihr Lombard-Design wies in Recife Delaminationen auf. Die Techniker des Teams Belgium Ocean Racing – Curium haben aufgrund der großen Hitze Nachtschichten einlegen müssen, weil der Harz tagsüber bei Temperaturen um 35 Grad zu schnell aushärtet. Die beiden Top-Boote werden das Globe40-Finale bei bislang jeweils 19 Punkten auf dem Konto Kopf an Kopf bestreiten.

Wer von diesen beiden Scow-Bug-Teams die Ziellinie vor dem anderen erreicht, holt den Gesamtsieg bei dieser zweiten Auflage des Class40-Rennens um die Welt. Dahinter kämpfen die drei besten Spitzbug-Teams um den verbleibenden dritten Podiumsplatz. Die Chance dazu haben sowohl die nach Prolog und fünf Etappen mit 49,50 Punkten auf Platz drei liegende “Barco Brasil”-Crew als auch die österreichische “Wilson” (54 Punkte) mit Lisa Berger und Jade Edwards-Leaney und die französische “Free Dom” (58 Punkte).

Meistgelesene Artikel

1

2

3

Alle drei können mit einer erfolgreichen Schlussetappe – und teilweise in Abhängigkeit von den Platzierungen der anderen – noch Platz drei bei dieser zweiten Globe40-Edition erreichen. Keine Verbesserung mehr ist für Lennart Burke und Melwin Fink bei ihrem Comeback in Aussicht. Die Wettfahrtleitung hat die junge deutsche Crew, die bis zu ihrem Aus auf Etappe vier im Prolog und auf den ersten beiden Abschnitten beeindruckende Leistungen gezeigt hatte, trotz besserer Punktbilanz als “Jangada Racing” und “Whiskey Jack” erst jetzt während des Zwischenstopps in Recife auf den letzten Platz gesetzt.

Wie gefällt Ihnen dieser Artikel?

Die Ausgangsbasis fürs Comeback im Globe40

Verwiesen wird dazu auf “Anhang 4 AC Globe40”: “Ein Boot, dass auf einer oder mehreren Etappen mit DNC oder DNS gewertet wurde, schließt hinter den Booten ab, die alle Etappen bestritten haben.” Entsprechend der eigenen Regeln hätten die Veranstalter das Team Next Generation Boating Around the World schon nach der nicht beendeten dritten Etappe auf dem achten Platz zurückstufen müssen., tat es aber lange nicht. Das Thema Ergebnisse zählte in diesem Globe40 nicht immer zu den Stärken der engagierten Globe40-Macher.

Am Motto von Lennart Burke und Melwin Fink für ihren Wiedereinstieg ändert das nichts: “Wir haben nichts zu verlieren. Unser technischer Leiter hat gesagt, wir hätten das frischeste Boot und seien ausgeruhter. Auf der anderen Seite bringen die anderen die Erfahrung aus der Runde um die Welt mit. Wir kennen unser Boot auch sehr gut, aber die ihre Boote jetzt nach der langen Zeit noch besser. Wir wiederum haben neuere Segel, aber einen Nachteil vielleicht dann, wenn es viel Reaching gibt. Alles ist offen. Um den Etappensieg mitzukämpfen, das wird ein hartes Brett”, sagte Melwin Fink in Recife.

​Unser großes Ziel ist es, nochmal einen rauszuhauen!” Melwin Fink

Die deutsche Class40 ist fit für das letzte Globe40-Gefecht über theoretische 4290 Seemeilen von Recife nach Lorient. Offiziell ist die Finaletappe mit einer etwa 20-tägigen Dauer beschrieben. Melwin Fink sagte: “Wir rechnen mit etwa 16 bis 18 Tagen, werden alles geben.” Das hat vor allem sportliche Gründe, doch auch einen privaten: Seine Lebensgefährtin Elena Schultheis wird am 18. April 24 Jahre alt. Den Geburtstag würden sie gerne zusammen in Lorient feiern. “Also dürfen wir nicht länger als bis zum 18. April unterwegs sein”, sagt Melwin Fink grinsend.

Müde Segel am Ende der Weltumseglung

Auch wenn Burke und Fink die Konkurrenz auf den letzten Etappen nur von außen verfolgt haben, so haben sie doch genau hingeschaut und auch in Recife einiges gehört und gesehen. “Ich denke, ich tippe auf die Franzosen im Kampf um den Sieg, weil deren Boot in einem sehr guten Zustand ist”, sagte Melwin Fink. Und auch dies: “Alle haben jetzt gegen Ende des Rennens Riesenprobleme mit den Segeln, die langsam auseinanderfallen. Auch wenn sie den letzten Streich nun auch noch damit bestreiten werden.” Drei Segel durften die Crews übers gesamte Rennen austauschen”, erklärt Fink, “das haben mittlerweile alle gemacht.”

Ich glaube, die Franzosen haben es einfach am meisten verdient.” Melwin Fink

Finks Meinung bezieht sich auch auf die Tatsache, dass Ian Lipinski, Antoine Carpentier, die gerade ins französische America’s-Cup-Team aufgenommene Amélie Grassi und Alan Roberts in wechselnden Zweierkombinationen auf den bislang insgesamt sechs Globe40-Abschnitten fünfmal siegten. Einen Etappenerfolg teilten sie sich mit den Belgiern. Die wiederum hatten die mit Faktor drei hochgewertete Etappe zwei nach La Réunion im Finalkrimi gewonnen können, bevor binnen neun Minuten erst Fink und Burke und als Dritte dann Lipinski/Grassi ins Ziel gekommen waren.

Den geplatzten Traum von der eigenen kompletten Weltumseglung haben Lennart Burke und Melwin Fink inzwischen bestmöglich verarbeitet. Eine Narbe wird bleiben. “Ich dachte, man könnte es mit etwas Zeit komplett wegschlucken, aber bei den Ankünften der anderen war da schon auch ein etwas doofes Gefühl. Man kann nicht wegdenken, dass man das Rennen gerne komplett zu Ende gesegelt wäre”, räumt Melwin Fink freimütig ein.

Als die anderen in Recife ankamen und alle um Kap Hoorn gesegelt waren, hat das auch geschmerzt.” Melwin Fink

Burke und Fink wären aber in ihren noch jungen Leben nicht so weit gekommen, wenn der Globe40-Rückschlag sie nun ausbremsen würde. Das Gegenteil ist der Fall: Über die nun schnell näherrückende letzte Etappe hinaus freuen sich beide auf die Rückkehr in die Heimat, den kompletten Wiedereinstieg in ihre auf Hochtouren laufenden Betriebe Next Generation Boating in Hamburg und Next Generation Yachting Kiel.

Burke und Fink: Gas geben, ankommen, neue Ziele anpeilen

Ein Start bei der Route du Rhum im Herbst ist nicht geplant. Die Class40 geht vorerst an Land. Die Verträge mit den aktuellen Partnern und Sponsoren laufen bis zum Frühsommer. “Dann wollen wir bewusst einen Cut machen und lieber den Fokus auf eine neue Kampagne legen”, erklärt Fink.

Wäre das Leben ein Wunschkonzert, würden Burke und Fink im kommenden Jahr einen eigenen Class40-Bau in Angriff und das nächste Globe40 im Olympiajahr 2028 ins Visier nehmen. Davor aber stehen das Ankommen vom Globe40 und das Gasgeben im eigenen Unternehmen. Neue Pläne und Taten im Regattasport werden aber voraussichtlich nicht lange auf sich warten lassen.

Und weil es so schön war – der Rückblick auf die Recife-Ankunft von Lisa Berger und Jade Edwards-Leaney:

Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

Meistgelesen in der Rubrik Regatta