Globe40Filmdoku zum Finale – ”All in” für Lennart Burke und Melwin Fink

Tatjana Pokorny

 · 26.03.2026

Ab 27. März (18 Uhr) bei YouTube zu sehen: die neue Doku "All in" mit Lennart Burke und Melwin Fink.
Foto: nextgenerationboating
Sie wollten die Welt im Sturm erobern, doch dann knallte es im Indischen Ozean. Eine neue Doku zeigt, wie Lennart Burke und Melwin Fink das Globe40 trotzdem noch zu ihrem machten. Der Film “All in” beleuchtet über 90 Minuten lang eine außergewöhnliche Freundschaft auf extremen Kursen, den Ehrgeiz, die Nehmerqualitäten und den Mut zweier junger Aufsteiger.

Manchmal wird Mut nicht belohnt. So mussten es Lennart Burke und Melwin Fink bei ihrer ersten Weltumseglung erfahren. Sie waren hoffnungsfroh und vielversprechend ins Globe40 gestartet. Auf den ersten drei Abschnitten der Zweihand-Weltumseglung konnten sie den Top-Favoriten aus Frankreich und Belgien Paroli bieten, aufmischen und trotz kleiner Dämpfer mehrfach glänzen. Nach dem ersten Drittel lag die jüngste Crew der Flotte aussichtsreich auf Platz zwei. Alles schien in diesem Zweihandrennen für Class40-Duos möglich.

Und dann ging es los mit der ersten Nacht Downwind-VMG-Segeln bei Wind, 20 Knoten. Und dann hat es geknallt an Bord.” Melwin Fink

Ein Bumerang-Bruch und damit verbundene schwere Mastprobleme stoppte das deutsche Duo auf Etappe drei von La Réunion nach Sydney im vollen Lauf. Fünf Tage nach dem Start noch in Führung, mussten die beiden Segel- und Geschäftspartner nach dem Schock auf See dann die schwerste Entscheidung Entscheidung treffen: Sie gaben die Etappe mit auf See irreparablen Schäden auf, humpelten mit düsteren Gedanken zurück in den Etappenstarthafen auf La Réunion. Sie wussten, dass ihr Traum von der Weltumseglung geplatzt war. Doch Aufgeben kam nicht in Frage.

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Du wirst konfrontiert mit dem Schönen, aber genauso auch mit der Natur, die einfach immer stärker ist als du.” Lennart Burke

Der weitere Verlauf der Stehaufmänner ist bekannt: Während die Globe40-Flotte die Weltumseglung fortsetzte, reparierte das Team Next Generation Boating seine Class40 auf La Réunion. Melwin Fink brachte das Boot mit einer Überführungscrew via Kapstadt über den Atlantik in den letzten Zwischenstopp-Hafen Recife. Dort steht das Duo jetzt vor dem Comeback, startet am 29. März mit der Flotte in die Schlussetappe nach Lorient.

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Globe40: Traum geplatzt, aber nicht losgelassen

Der Traum von der vollendeten Weltumseglung mag geplatzt sein. Der Wille der beiden Segler ist ungebrochen. Erst 27 und 24 Jahre alt, packen der in Stralsund geborene Burke und der in Bad Salzuflen aufgewachsene Fink, die parallel zum Rennen um die Welt zu ihrer Werft Next Generation Boating in Hamburg mit Next Generation Yachting in Kiel noch eine zweite Niederlassung aufbauen, mit viel Dynamik an. Für die kommenden drei Wochen liegt der Fokus der beiden Wahl-Hamburger nun noch einmal auf dem Globe40.

Lennart Burke und Melwin Fink wollen nach dem schweren Rückschlag und den Strapazen des Comebacks noch einmal zeigen, was sie draufhaben. “Um den Etappensieg mitzusegeln, wird ein schweres Brett. Aber wir wollen kämpfen und zeigen, wozu wir imstande sind”, sagt Melwin Fink. Wozu die beiden Segler aus Hamburg fähig sind, haben sie in den vergangenen Jahren oft demonstriert. Mit bescheidenen Mitteln und großen Kämpferherzen haben sie ihre Radien von den Anfängen über die Einsätze in der Mini-Klasse, das Mini-Transat, den Umstieg in die Class40 und den Aufstieg konstant erweitert.

Nicht wenige fragten sich auf dem Weg: Wie machen die das? Wie halten die beiden jungen Männer ihr gerade erst gegründetes gemeinsamen Unternehmen, ihre Projekte, ihre Partnerschaften und das Leben im Dauerbeat zusammen? Acht, neun Tage nach dem Start erlebte Lennart Burke tatsächlich “so einen kleinen mentalen Zusammenbruch”. Ihm laufen die Tränen übers Gesicht.

Ein “echtes Herzensprojekt” der Filmemacher

In der Retrospektive der Doku erzählt Burke: “Ich habe viel davon erzählt, dass wir vier Monate lang Vollgas gegeben haben, alles geopfert, an nichts anderes mehr gedacht haben: Nur noch Aufstehen und Schlafengehen. Und dazwischen wurde gearbeitet. Man hat versucht, alles zusammenzuhalten: die Firma, sich selber, seine Beziehung und das Projekt. Irgendwie hat einen das in dem Moment überwältigt.”

Ihre Geschichte erzählen jetzt mit der neuen Doku “All in” die Filmemacher Emilia Vaes und Hannes Cord. Der Film zeichnet die außergewöhnliche Reise der beiden Aufsteiger im deutschen Segelsport nach, zeigt, wie zwei junge Segler ihren Traum vom Offshore-Segeln verfolgen – und dabei auch über ihre Grenzen hinausgehen müssen. Das “echte Herzensprojekt” setzten Emilia Vaes und Hannes Cord innerhalb von zwei Monaten um.

Für Social-Media- und Sponsoring-Managerin Emilia Vaes war es die erste eigene Großproduktion einer Dokumentation in Spielfilmlänge von mehr als eineinhalb Stunden. Seit zwei Jahren mit ihrem Unternehmen Social Fascination selbständig, hat die Lebensgefährtin von Lennart Burke das Projekt Seite an Seite mit Filmemacher und Videograph Hannes Cord (Bæst Agency) umgesetzt.

Viele Perspektivwechsel in der Filmdoku “All in”

Ihr Antrieb für das in kürzester Zeit realisierte Mammutprojekt: “Ich bin unglaublich dankbar, diesem Projekt so nah gewesen zu sein und es dokumentieren zu dürfen. Das Projekt mit Lennart und Melwin war für mich einer der Hauptgründe, überhaupt in die Selbstständigkeit zu gehen. Für mich war schnell klar: Ich will etwas zurückgeben und zeigen, was aus diesem Vertrauen entstehen kann, dem Vertrauen von Lennart, Melwin und all den Menschen, die ihre Geschichten mit uns geteilt haben.“

​Emilia Vaes selbst ist sowohl vor als auch hinter der Kamera aktiv. Die Doku zeigt neben eindruckvollen Impressionen vom Globe40 und den Protagonisten im Einsatz auch Beobachter und Begleiter der Kampagne Next Generation Boating in Interviews. Zu Wort kommt der zweifache Weltumsegler und zweimalige America’s-Cup-Teilnehmer Tim Kröger, der Lennart Burke und Melwin Fink seit ihren ersten Schritten in der Mini-Klasse beobachtet.

Der Film zeigt auch, wie der Hauptsponsor Otto Wulff auf das Geleistete des Teams im Globe40 und darüber hinaus blickt. Zu sehen und zu hören ist, was die Mütter Anette Burke und Projektmanagerin Anja Fink zu sagen haben. Auch die Partnerinnen Emilia Vaes und Elena Schultheis teilen ihre Perspektiven. Intensiv und schnörkellos kommen am ausführlichsten die Globe40-Segler Lennart Burke und Melwin Fink selbst zu Wort.

Zwei junge Segler teilen ihre Passion

Die beiden Meeresstürmer nehmen ihre Fans und Zuschauer mit auf eine faszinierende Reise in die Welt des Offshore-Segelns – geben in ruhigen 1:1-Interviews tiefe Einblicke in Höhflüge und Tiefschläge auf ihrem Kurs. Vor allem teilen sie ihre ungebrochene Leidenschaft mit dem Publikum. Dazu serviert die Doku starke Szenen aus dem Globe40. Nach dem Motto “Macht’s noch einmal”, geht es ab Sonntag für Burke, Fink und ihr Team Next Generation Boating noch ein letztes Mal im Globe40 zur Sache.

Der Startschuss zur Schlussetappe, in die Team Germany nach drei verpassten Etappenwertungen hungrig wieder einsteigt, fällt im Hafen von Recife um 14 Uhr. Hier geht es zur Vorschau, dem Favoritentipp und einem Ausblick.

Die Doku “All in” ist ab 27. März (18 Uhr) bei YouTube zu sehen. Zur Sneak-Preview geht es hier:

Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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