Seit dem 4. September 2025 läuft das Globe40. Mehr als sieben Monate später streben die Zweihand-Crews und ihre Class40ies jetzt dem Start- und Zielhafen Lorient entgegen. Der Endspurt läuft. Spitzenreiterin “Crédit Mutuel” hatte am frühen Nachmittag des 13. April noch rund 640 Seemeilen bis zur Ziellinie vor sich, war dabei mit rund 14 Knoten Speed unterwegs.
Etwa 80 Seemeilen nordwestlich der Franzosen Ian Lipinski und Antoine Carpentier rangen die Belgier um den Wiederanschluss. Rechnerisch hatten sie auf dem Kurs nach Lorient rund 50 Seemeilen Rückstand auf “Crédit Mutuel”, waren zuletzt aber zweieinhalb Knoten schneller unterwegs. Die beiden Top-Teams bei dieser zweiten Globe40-Edition sind noch nicht fertig miteinander. Klar ist beiden punktgleich ins Finale gestarteten Teams und allen Fans: Wer die Lorient-Ziellinie zuerst erreicht, hat dieses Rennen um die Welt gewonnen.
Es sah gut zwei Wochen nach dem Startschuss zur laufenden letzten Globe40-Etappe nicht mehr so aus, als könnten Lennart Burke und Melwin Fink ihr “Wunder” von Etappe zwei im vergangenen Jahr bei aktuell gut 570 Seemeilen Rückstand auf die Spitzenreiter noch einmal wiederholen. Damals hatten sie auf dem Kurs von Mindelo nach La Réunion mehr als 660 Seemeilen Rückstand angehäuft, bevor sie das Top-Duo doch noch eingeholt und sich in einer Thriller-Entscheidung an “Crédit Mutuel” vorbei auf Rang zwei hinter den Belgiern katapultiert hatten.
Aktuell lagen Burke und Fink 15 Tage nach dem Start der Schlussetappe auf Rang drei. Dieses Mal müssen sie bei ihrem Comeback in Folge des Riggschadens auf Etappe drei und den dadurch drei verpassten Etappenwertungen ihre Position vor allem nach hinten verteidigen. Weil hinter den drei führenden Scow-Bug-Booten die Spitzbug-Class40ies noch miteinander um den dritten Podiumsplatz im Globe40 und die Vorherrschaft in ihrer “Pointer”-Sonderwertung kämpfen, stehen alle mit den Füßen auf dem Gaspedal.
Alle wollen das Rennen im Hoch beenden. So auch Lisa Berger und Jade Edwards-Leaney auf “Wilson”. Das österreichisch-walisische Dup lag zuletzt auf Rang sechs hinter “Barco Brasil” und “Free Dom”, würde aber gerne wieder weiter vorstoßen. Am Sonntagmorgen noch hatten Lisa Berger und ihr Co-Skipper 20 Knoten und mehr Bootsspeed genossen. “Wie ‘Wilson’ das liebt!”, schrieb Berger begeistert. Nach zwei Wochen auf dem gleichen Bug und ohne viele Manöver, kam am Montag wieder mehr Action ins Spiel.
Bis auf “Whiskey Jack”-Skipperin Melodie Schaffer markierte das Globe40 für alle anderen Teilnehmenden die erste Weltumseglung ihrer Segelkarrieren. In wenigen Tagen schon werden sie sie vollendet haben. Für Lennart Burke und Melwin Fink gilt das nur eingeschränkt, denn sie mussten die dritte Etappe nach dem Bumerangbruch abbrechen, konnten danach auch die Etappen vier und fünf nicht bestreiten.
Dennoch hat die jüngste Crew im Rennen viel geleistet. Mit insgesamt 26.000 absolvierten Seemeilen stehen sie den anderen, die über 30.000 einmal um die Welt gesegelt sind, kaum nach. Die deutschen Seemeilen kamen nach der abgebrochenen dritten Etappe und der auf La Réunion durchgeführten und in Kapstadt finalisierten Reparatur bei der Überführung ins brasilianische Recife zusammen. Dort ist das Team Next Generation Boating wieder zur Flotte gestoßen, die den brasilianischen Hafen aus Valparaiso via Kap Hoorn erreicht hatte.
Acht Monate Einsatz – mit einigen Unterbrechungen – will das deutsche Team auch ohne vollendete Runde um die Welt feiern. Für den 2. Mai ist eine öffentliche Willkommensparty in Hamburg geplant. Dann sollen zur Heimkehr des Teams Next Generation Boating Around the World der Seesegelsport, das Abenteuer und die Crew-Leistung ins Rampenlicht rücken.
Es war von Anfang an unser Traum, nach dem Rennen in Hamburg anzulegen, den Seesack von Bord zu nehmen und zu Fuß nach Hause zu gehen!” Melwin Fink
Wenn die Class40 von Lennart Burke und Melwin Fink die Elbe passiert und im Sandtorhafen festmacht, erwartet die Besucher ein maritimes Highlight: mit der Brückenöffnung auf Höhe der Elbphilharmonie – begleitet von Booten, Zuschauern und vor einzigartiger Kulisse – soll die Rückkehr von Next Generation Boating Around the World zum Erlebnis für ihre Familien, Freunde, Förderer und Fans werden. Das Ankunft hat das Team als öffentliche Veranstaltung konzipiert.
Nach dem Einlaufen des Teams auf seiner Class40 soll vor allem die Geschichte hinter der Regatta in den Mittelpunkt gestellt werden. Verfolgt wird laut Team Next Generation “das Ziel, den Offshore-Segelsport in Deutschland sichtbarer zu machen und langfristig auf Weltklasseniveau zu etablieren”.
Die Willkommensparty im Zeichen des Segelsports soll in den offiziellen Veranstaltungskalender der Hansestadt Hamburg aufgenommen werden. Nicht ohne Emotionen sagte Lennart Burke: “Dieser Moment ist für uns dann nicht nur ein Abschluss, sondern der Startschuss für das nächste große Kapitel.” Neben den Herausforderungen auf ihren beiden Werften Next Generation Boating in Hamburg und Next Generation Yachting in Kiel wollen Burke und Fink auch die dritte Auflage des Globe40 im Olympiajahr 2028 in Angriff nehmen.
Wer am 2. Mai nicht dabei sein kann, trifft das Team auch vom 7. bis 9. Mai beim Ancora Yachtfestival in Neustadt. Dort wird die Class40 an Steg T (Liegeplatz 19) zu sehen sein. Bis dahin sind im Globe40-Endspurt aber noch ein paar Meilen zu segeln. Hier geht es zum Tracker.

Freie Reporterin Sport