Tatjana Pokorny
· 01.01.2026
Mit Beginn des neuen Jahres hat im Globe40 die zweite Halbzeit des Class40-Rennens um die Welt begonnen. Hier ein Clip zum Start. Während Lennart Burke und Melwin Fink nach ihrem vorläufigen Aus auf Etappe drei den Start nur aus dem fernen Hamburger Heimathafen verfolgen konnten, ist die Flotte der sieben verbliebenen Zweihand-Teams in den rund 6400 Seemeilen langen Pazifik-Abschnitt nach Valparaiso in Chile gestartet. Der Startschuss fiel um 15 Uhr Ortszeit in Sydney (5 Uhr morgens deutscher Zeit).
Auf ihrem Kurs wird die Flotte tief in ins Südmeer und in die Roaring Fourties, die “Brüllenden Vierziger”-Breitengrade vorstoßen. Die Kursbegrenzung liegt über weiter Strecken der Etappe bei 50 Grad Süd. Die Zweihand-Teams haben den gesamten Paziik zu meistern – von der australischen Olympia-Metropole der Jahrtausendspiele bis an die chilenische Küste. Wie schon Etappe zwei, so wird auch diese vierte der insgesamt sechs Etappen dreifach gewertet. Die Ergebnisse werden einen starken Einfluss auf die Gesamtwertung haben und sich entsprechend intensiv auch auf den Kampf um den Globe40-Sieg auswirken.
Der Kurs führt die beiden im Zwischenklassement führenden Scow-Bug-Boote der Teams Belgium Ocean Racing – Curium (10,50 Punkte nach dem Prolog und drei Etappen) und Crédit Mutuel (12,50 Punkte) sowie die fünf folgenden Spitzbug-Boote an Neuseeland vorbei in die Weiten des Pazifiks. Wenige Stunden nach dem Rennstart lagen zunächst “Wilson”-Skipperin Lisa Berger und ihr Co-Skipper Jade Edwards-Leaney in Führung. Dabei profitierten die Österreicherin und der Waliser auch von ihrer südöstlichen Positionierung, während die Konkurrenz nach Südwesten ausholte.
Lisa Berger und Jade Edwards-Leaney lagen im Zwischenklassement nach dem Prolog von Lorient nach Cádiz und den drei Etappen via Mindelo und La Réunion nach Sydney am Ende der ersten Globe40-Halbzeit auf Platz sechs. Auf die vor ihnen liegende “Free Dom” hatten Lisa Berger und Jade Edwards-Leaney vor dem jüngsten Etappenstart nur drei Punkte Rückstand. In der laufenden Etappe müssten sie “nur” einen Platz besser sein, um mit den Franzosen Thibaut Lefevre und Maxime Bourcier auf “Free Dom” gleichzuziehen.
Lennart Burke und Melwin Fink sind nach ihrem unglücklichen Bruch-Aus auf Etappe drei zunächst von Platz zwei auf Platz vier zurückgefallen. Die jüngste Crew im Rennen wird nach gut einem Monat zuhause in Deutschland und dem Besuch der boot Düsseldorf (17. bis 25. Januar) erst gegen Ende des Monats nach La Réunion zurückkehren und ihr Boot für die Überführung nach Recife vorbereiten. Sodann werden Burke und Fink den brasilianischen Etappenhafen nach kurzem Reparatur-Pitstop in Kapstadt ansteuern.
Auf diesem fordernden Weg wollen Burke und Fink sicherstellen, zumindest noch die sechste und letzte Etappe des Rennens um die Welt von Recife nach Lorient bestreiten zu können. Sie wollen das Globe40 mit einem würdigen Finale zu Ende bringen. “Aufgeben gibt es für uns nicht. Immer weitermachen”, sagte Lennart Burke zur Haltung des Teams nach dem geplatzten Traum von der ersten gemeinsamen Weltumseglung mit Melwin Fink.
Hinter den anderen sieben Teams lag am Neujahrstag ein bemerkenswerter Zwischenstopp in Sydney, wo sie auch den Trubel rund ums 80. Rolex Sydney Hobart Race erlebten. Die JPK 10.30-Rennsigerin “Min River” ist kurz vor dem Globe40-Start geehrt worden. “Zuhause” fühlten sich die Globe40-Weltumsegler in den beiden gastgebenden Vereinen: der Royal Sydney Yacht Squadron (RSYS) im Norden der Bucht und dem Cruising Yacht Club of Australia (CYCA), der die Globe40-Flotte nach dem Ablegen der Hobart-Segler im Süden willkommen hieß.
Die Weltumsegler erlebten in Sydney ein außergewöhnliches Silvesterfest. Die Kulisse dafür bildeten die berühmte Harbour Bridge über der Bucht von Sydney, das charakteristische Opernhaus und das Neujahrsfeuerwerk. Gedacht wurde in der Globe40-Flotte auch den Opfern des Anschlags am Bondi Beach.
Die eigenen Neujahrswünsche der Seglerinnen und Segler werden eine glückliche und erfolgreiche Etappe beinhaltet haben. Etappe vier des Globe40 bietet ihren Herausforderern von Sydney via Neuseeland nach Valpariso drei Optionen: die Nordroute, die Cookstraße zwischen den beiden Hauptinseln und die Südroute, die vor dem Start als die wahrscheinlichste galt. Die Route führt dann bis hinunter zur gesetzten Eisgrenze, die weitgehend bei 50 Grad Süd gesetzt ist.
Mit ihrer Distanz von rund 6400 Seemeilen ist Etappe vier die zweitlängste im Globe40, rund 2000 Seemeilen kürzer als der zweite Abschnitt von Mindelo nach La Réunion, etwa 400 Seemeilen länger als die zurückliegende Etappe von La Réunion nach Sydney. Vorbei geht es an Point Nemo, dem von jeglicher Zivilisation am weitesten entfernten Punkt der Erde, auch “pazifischer Pol der Unzugänglichkeit” genannt. Feind oder Freund: Die großen Tiefdruckgebiete des Südens werden die Class40-Weltumsegler bei niedrigen Temperaturen begleiten.
Etwa drei Wochen werden die Globe40-Teams im Pazifik unterwegs sein. Für die um den Gesamtsieg kämpfenden Teams Crédit Mutuel und Belgium Ocean Racing – Curium steht mit Blick auf den erneut hohen Wertungsfaktor 3 viel auf dem Spiel. Beide Teams haben frische Akteure in den bereits laufenden Abschnitt geschickt: Auf belgischer Seite bestreitet Djemila Tassin die vierte Etappe mit Benoit Hantzperg, der seit den Kapverden an Bord ist und bleibt.
Die französischen Rivalen auf “Crédit Mutuel” haben sogar ihre gesamte Crew ausgetauscht. Frontmann Ian Lipinski setzt nach Plan zum ersten und einzigen Mal eine Etappe aus. Auch Amélie Grassi, die auf den vergangenen Etappen aktiv war, geht von Bord. Dafür kommt ihr britischer Ehemann Alan Roberts ins Team, bestreitet Etappe vier an der Seite des bereits Globe40-erfahrenen Antoine Carpentier. Auf dem Papier wirkt das französisch-britische “Crédit Mutuel”-Duo Roberts/Carpentier sehr stark, doch die Belgier konnten schon auf der langen zweiten Etappe mit ihrem Sieg glänzen.