Globe40Die vorletzte Etappe läuft – Lipinski entschlossen, Berger kämpft

Tatjana Pokorny

 · 20.02.2026

Ian Lipinski und Antoine Carpentier jagen die belgischen Spitzenreiter.
Foto: Jean-Marie Liot/Globe40
Im Globe40 läuft die fünfte und vorletzte Etappe. Auf dem Königsabschnitt nach Recife werden die sieben Class40-Crews Kap Hoorn passieren – der so klassische wie von allen Herausforderern herbeigesehnte Gipfelsturm einer Weltumseglung. Zuerst aber mussten sie sich nach dem Start durch schwierige Bedingungen kämpfen. Das ist nicht allen gleich erfolgreich gelungen.

​4.860 Seemeilen lagen beim beim Start am 18. Februar auf dem Kurs von Valparaiso nach Recife vor den Globe40-Crews. Wichtigster Meilenstein der fünften und vorletzten Etappe ist mit dem legendären Kap Hoorn das letzte der drei großen Kaps – Kap der Guten Hoffnung, Kap Leeuwin, Kap Hoorn – auf dem Kurs von Weltumseglungen von West nach Ost. Der Kurs führt die sieben Class40-Zweihandcrews zunächst den Pazifik hinunter nach Süden, an Kap Hoorn vorbei und wieder hinauf im Südatlantik bis in den brasilianischen Zwischenstopphafen.

Das Globe40-Spitzenduell geht weiter

Die Etappe zählt zu den komplexesten im Globe40. Bei einem Koeffizienten von 2 ist erneut mit einem atemlosen Spitzenduell zwischen dem in der Gesamtwertung führenden Team Belgium Ocean Racing – Curium und dem französischen Team Crédit Mutuel zu rechnen. Die Details zum knappen Zwei-Punkte-Vorsprung der Belgier und die weiteren Zwischenstände finden sich in unserem Vorbericht hier.

Ian Lipinski und Antoine Carpentier müssen und wollen ihren Zwei-Punkte-Rückstand ausgleichen, um sich für den Showdown von Recife nach Lorient – ebenfalls mit doppelter Wertung versehen – eine ebenbürtige Ausgangsbasis im Kampf um den Globe40-Sieg verschaffen. Besonders spannend wird dann auf der letzten Etappe zu beobachten sein, wie sich der Wiedereinstieg von Lennart Burke und Melwin Finkl auf das Top-Duell auswirkt.

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Ohne eigene Chance auf einen Podiumsplatz, könnten das Team Next Generation Boating durchaus eine mitentscheidende Rolle im Zweikampf um den Sieg spielen. Lennart Burke und Melwin Fink hatten bis zu ihrem Aus auf Etappe drei auf Augenhöhe mit Belgiern udn Franzosen agiert. Die jungen Deutschen hatten auf den drei Kursabschnitten, die sie ins Ziel bringen konnten, beide führende Boote schon schlagen können.

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Globe40: Kap Hoorn kommt!

Doch zunächst geht es nach dem Prolog und vier Etappen jetzt auf Etappe fünf für die sieben verbliebenen Duos um einen gleungenen Kap-Hoorn-Gipfelsturm bei dieser Regatta um die Welt und die bestmögliche Platzierung in Recife. Mit offensichtlicher Entschlossenheit waren Ian Lipinski und Antoine Carpentier am Mittwoch vor Valparaiso in ihre Aufholmission gestartet. Nach den ersten beiden Nächten hatten die Franzosen sich am 20. Februar einen Vorsprung von gut 20 Seemeilen vor den Belgiern erarbeitet. Das ist ein kleines Polster in dem Scow-Bug-Duell, das so oft schon Bug an Bug geführt wurde.

Zurück unter den vorne liegenden Booten ist auch die französische “Free Dom” nach ihrer Sydney-Reparaturschleife auf Etappe vier und der sehr späten, aber doch rechtzeitigen Ankunft vor dem Start zur fünften Etappe. Die in der Gesamtwertung durch den Rückschlag auf Platz fünf und in der Sonderwertung der Spitzbugboote auf Platz drei zurückgefallen Franzosen wollen wieder vorrücken. Sie lagen vor dem Wochenende mit rund 50 Seemeilen Rückstand auf “Crédit Mutuel” auf Rang drei der laufenden Etappe.

Nicht ganz glücklich vom Start weggekommen waren Lisa Berger und Jade Edwards-Leaney. Zunächst wie die gesamte Flotte mit Winden bis zu 30 Knoten konfrontiert, gerieten sie im dann mit 5 bis 25 Knoten sehr variablen Windfeld in die Flautenfalle. Zwar gelang der eigentliche Start gut, doch die Österreicherin und der Waliser konnten die Bucht von Valparaiso erst als letztes Boot verlassen, weil sie zu lange in einem flauen Feld steckengeblieben waren. Gegen den Rückstand kämpfen sie nun zunächst als Flottenletzte an. Hier der Kommentar vor Lisa Berger vor dem Rennstart.

Eine Etappe mit vielen Herausforderungen

Von den fast 5.000 Seemeilen waren für “Wilson Around the World” zwei Tage nach dem Start an diesem freitag noch 4680 verblieben. Für ihre Aufholjagd haben sich Lisa Berger und Jade Edwards-Leaney auf der Außenflanke der Flotte positioniert. Alle Boote werden auf ihrem Kus nach Süden voraussichtlich am Wochenende einen schwer kalkulierbaren Hochdruckrücken durchqueren müssen, der das Klassement durcheinanderbringen könnte und Aufholchancen bietet.

Auch nach der Kap-Hoorn-Passage erwartet die Globe40-Weltumsegler kein leichtes Programm: Vor den Küsten Argentiniens und Brasiliens ist mit Tiefdruckgebieten aus den Anden und ausgedehnten Flautengebiete zu rechnen. Bevor sie die südöstlichen Passatwinde erreichen, werden die Duos mit Herausforderungen am laufenden Band zu kämpfen haben.

Eine gute Woche noch dürfte es für die Duos bis Kap Hoorn sein. Die Passage zählt zu den anspruchsvollsten bei Weltumseglungen wie dem Globe40. In der Region an der Südspitze von Chile treffen starke Winde, teils extremer Seegang und verschiedene Strömungen aufeinander. Genauere Wetterprognosen für die Passage der Globe40-Teams wird in der kommenden Woche möglich sein. Zum aktuellen Tracking geht es hier.

Vor dem Start zur fünften Etappe – Stimmung und Stimmen aus Valparaiso:

Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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