Globe40Die Eisernen – ”Wilson”-Crew nach Schockmoment auf Kurs

Tatjana Pokorny

 · 12.01.2026

Ein Screenshot aus dem Mastrettungsclip von Lisa Berger und Jade Edwards-Leaney: Man sieht das umherschwingende Stag durchs Bild fliegen.
Foto: Wilson Around the World
Es geschah tief im Südpazifik, mitten in der Nacht auf Etappe vier der Zweihand-Weltumseglung Globe40: Auf der österreichischen Class40 “Wilson” schwang plötzlich auf der Leeseite ein Stag in der Dunkelheit frei umher. Lisa Berger und Jade Edwards-Leaney brauchten nicht lange, um sich vom Schockmoment zu erholen. Sie reagierten mit einer MacGyver-Aktion.

Für Lisa Berger und Jade Edwards-Leaney war es der erste Schockmoment im Globe40. Die Österreicherin und der Waliser lagen auf Etappe vier von Sydney nach Valparaiso auf Rang vier. In den Roaring Fourties hatten sie sich aufgrund herannahender Sturmtiefs gerade – wie auch die Verfolger “Jangada Racing” und “Whiskey Jack” – etwas nach Norden verholt.

“Wir dachten, das Rennen sei vorbei”

Lisa Berger berichtet: “Da hörten wir ein komisches neues Geräusch. Ein Blick nach oben zeigte uns den Grund dafür: Eines der Stagen hatte sich gelöst und flog in Lee frei herum. Wir dachten erst, es sei gebrochen. Weil das so weit weg von Land eine potenziell gefährliche Situation ist, dachten wir, das Rennen sei vorbei und wir müssten im Sicherheitsmodus weitermachen, um sicherzustellen, dass der Mast stehenbleibt und wir sicher den nächsten Zwischenstopp-Hafen erreichen.”

Sehr schnell fasste die “Wilson”-Crew dann einen ebenso lösungsorientierten wie beherzten Plan. Lisa Berger erzählt: “Wir dachten, dass wir unseren Kurs nach Nordosten fortsetzen, um dort etwas leichtere WInde zu finden und es dann später zu sichern. Aber uns wurde schnell klar, dass wir in den Mast müssen, um das Stag zu sichern. Wir mussten das Umherschwingen und die Gefahr weiterer Schäden stoppen.”

Also gingen Lisa Berger und Jade Edwards-Leaney mit “Wilson” auf Downwind-Kurs. “Der Wind ließ ein bisschen nach und sie segelte superstabil als wüsste sie, dass wir sie jetzt sehr fokussiert brauchen”, beschreibt die Skipperin das Verhalten ihrer betagten, aber soliden Akilaria RC2 von 2010. Dann zieht sie ihren Co-Skipper in den Mast.

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MacGyver-Aktion im Globe40 rettet den Mast

“Hoch ging er, hing da wie immer wie eine Ballerina und hielt sich mit aller Kraft am Mast fest, während er unseren Mast mitten in der Nacht und mitten im Pazifik rettete. Unglaublich: Er hat es geschafft, das Stag wieder festzuschrauben! Wir sind froh, dass es nicht gebrochen ist und wir unser Rennen fortsetzen können. Wir werden nach dem Sturm, sobald sich die Bedingungen bessern, wieder in den Mast gehen und vernünftige Checks durchführen. Wir geben niemals auf!”

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Für ihre umgehende Problemlösung in unwirtlichen Bedingungen wurden Lisa Berger und Jade Edwards-Leaney vorerst belohnt: Sie verteidigen ihre Position auch am 12. Januar und setzten zu Wochenbeginn auf der Nordflanke des herannahenden Sturms ihren Kurs nach Osten fort. Bei rund 800 Seemeilen Rückstand auf die Spitzenreiter vom Team Belgium Ocean Racing – Curium hatte das “Wilson”-Duo auf dieser vierten Globe40-Etappe noch etwas mehr als 3800 Seemeilen bis Valparaiso vor sich. Hier aktuelle “Wilson”-Szenen aus dem Südpazifik.

Am Montagmorgen berichteten auch die auf Rang fünf liegenden Richard Palmer und Ruper Holmes von den stürmischen Bedingungen im Südpazifik. In einer Nachricht von der “Jangada”-Crew hieß es: “Wir haben zum ersten Mal, seitdem wir Lorient (Red.: Starthafen des Globe40) verlassen haben, ein drittes Reff eingezogen. Wir haben auch zum ersten Mal eine Bootsgeschwindigkeit von 26,1 Knoten erreicht. Es ist auch das erste Mal, dass wir mit Kopfschutz segeln. Bei diesen Bedingungen steht die Sicherheit an erster Stelle..”

Die Bewegungen des Bootes sind größtenteils kontrollierbar, aber gelegentlich auch unvorhersehbar.” Richard Palmer

Vorne in der Flotte waren es für die Belgier am Montagmorgen noch gut 3000 Seemeilen bis zum chilenischen Etappenziel. Benoît Hantzperg und Djemila Tassin, die gerade erst den 24-Stunden-Rekord für Class40ies ein weiteres Mal hochgeschraubt haben, strebten Valparaiso an der Eigrenze beim 50. Breitengrad Süd entgegen. Vor ihren Dauerrivalen vom Team Crédit Mutuel hatten sich die Belgier zuletzt ein kleines Polster von 23 Seemeilen Vorsprung erkämpft.

Drei Globe40-Duos segeln an der Eisgrenze

Antoine Carpentier und Alan Roberts waren mit “Crédit Mutuel” zu Wochenbeginn gut einen Knoten langsamer unterwegs als die Belgier. Auch die ersten Verfolger des Spitzenduos haben sich für den extremen Südkurs an der Eisgrenze entschieden. Knapp 750 Seemeilen hinter den belgischen und französischen Globe40-Pacemakern trieben José Guilherme Caldas und Luiz Bolina “Barco Brasil” im Sturm voran. Ihr Vorsprung vor Lisa Berger und Jade Edwards-Leaney betrug am Morgen des 12. Januar gut 50 Seemeilen. Hier zeigt der Globe40-Tracker die Positionen der sechs Boote im Südpazifik.

Betagt, aber solide – hier stellte Lisa Berger ihre Akilaria RC2 “Wilson” vor Rennbeginn vor:

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