Globe40Der Gipfel der Weltumseglung – ”Wir sind jetzt Kap Hoorniers!”

Tatjana Pokorny

 · 28.02.2026

Glücklich vor Kap Hoorn: Lisa Berger und Jade Edwards-Leaney auf "Wilson".
Foto: Lisa Berger Sailing/Wilson Around the World
Im Globe40 herrschte heute Gedrängel bei Kap Hoorn. Auf der fünften und vorletzten Etappe des Zweihand-Rennens um die Welt hat zwei Tage nach den Spitzenreitern das Verfolger-Quartett die wichtigste Landmarke einer jeden Weltumseglung passiert.

Mit gut 300 Seemeilen Rückstand auf die früh enteilten Spitzenreiter haben am 28. Februar die ersten vier Verfolger von Ian Lipinski und Antoin Carpentier auf “Credit Mutuel” Kap Hoorn passiert. Dabei trennten das Globe40-Jäger-Quartett nur etwas mehr als 20 Seemeilen voneinander.

Kap-Hoorn-Parade im Globe40

Als erste erreichten Thibault Lefévère und Maxime Bourcier auf “Free Dom” den Längengrad von Kap Hoorn. Es folgten José Guilherme und Luiz Bolina auf “Barco Brasil” und das nach der frühen Reparaturschleife stark wieder vorgerückte Team Belgium Ocean Racing – Curium mit Jonas Gerckens und und Corentin Douguet.

Tschüß Pazifik, hallo Südatlantik.” Lisa Berger

Als Vierte des Quartetts und Gesamt-Fünfte der Globe40-Flotte genossen dann Lisa Berger und Jade Edwards-Leaney ihre erste Kap-Hoorn-Passage in vollen Zügen. Bei angenehmen bis frischen Winden köpften die Österreicherin und der Waliser vor der legendären Landspitze der chilenischen Felseninsel Isla Hornos eine Flasche Champagner, rissen die Fäuste in den Himmel und feierten für ein paar Momente das bislang Erreichte. Hier der aktuelle Clip der “Wilson”-Crew.

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Vom Stolz, ein Kap Hoornier zu sein

Lisa Berger sagte kurz vor der Hoorn-Passage: “Es ist so schön! Verrückt schön! Und da um die Ecke kommt Kap Hoorn. Ein bisschen können wir es schon sehen.” Dann kam die für viele Segler so magische Marke voll in Sicht. Dunkelgrau zeichneten sich seine Umrisse vor weiß-grauem Himmel ab. “ Die Bilder kommentierte Lisa Berger fasziniert: “Ja, wir haben gerade Kap Hoorn passiert! Cool! Da ist es es. Schaut mal, wie wundervoll es ist. Jetzt ist es an der Zeit für Champagner. Es ist ein guter…”

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Schon zwei Tage zuvor hatten die Spitzenreiter auf “Crédit Mutuel” Kap Hoorn passiert. Ian Lipinskis Co-Skipper Antoine Carpentier hatte dazu seine Einschätzung von See geschickt: “Endlich haben wir Kap Hoorn umrundet! Wir sind Kap Hoorniers, jaaa! Es ist ein bisschen bittersüß, das zu sagen, denn ein Leben lang haben wir Segler Stürmen getrotzt, hauptsächlich auf den Ozeanen rund um Europa! So viele Meilen haben wir zurückgelegt, bevor wir diesen heiligen Gral erreicht haben!”

Weiter schrieb Antoine Carpentier: “Danke an Ian, dass er mir vertraut hat, danke an Crédit Mutuel, dass wir unseren Traum leben dürfen. Wir haben den Ozean gewechselt, das kann man nicht jeden Tag schreiben. Für uns war die Kap-Hoorn-Passage idyllisch: schönes Wetter, ruhige See, wie wir gerne sagen. Ein Moment, der mir für immer in Erinnerung bleiben wird, und das Tüpfelchen auf dem i ist, dass wir die Etappe 5 anführen!”

Nach der Kap-Hoorn-Passage: harte Zeiten für “Crédit Mutuel”

Inzwischen segeln Lipinski und Carpentier schon den Atlantik hinauf. Der Tracker zeigt den riesigen Vorsprung, den sich die Franzosen mit ihrer schnell Scow-Bug-Class40 vor dem Feld erarbeitet haben. Ziel ist der brasilianischen Hafen Recife – die vorletzte Station im Globe40, bevor die sechste Etappe die Flotte der Class40-Zweihandcrews wieder in den Start- und Zielhafen Lorient führt.

Antoine Carpentier berichtete vom atlantischen “Aufstieg” seines Teams: “Seit wir Kap Hoorn passiert haben, hat der Wind zugenommen, das Boot wird mit kurzer, unruhiger See und Dreiviertel-Vorwindkurs auf die Probe gestellt. Es ist schwierig, die richtigen Einstellungen und Segel zu finden.” Der Wind, so Carpentier, dessen Crew zur Zeit der Kap-Hoorn-Passage der vier Verfolger bereits südlich der Falklandinseln segelte, variiere ziemlich stark in seiner Intensität.

Carpentier schrieb: “Das Leben an Bord ist im Moment nicht angenehm, aber das ist eigentlich ein gutes Zeichen. Es ist ein Zeichen dafür, dass wir Wind haben, und nach den Wettervorhersagen zu urteilen, wird das auf dieser Etappe über den Südatlantik nicht oft der Fall sein.” Ihren Sieg auf dieser Kap-Hoorn-Etappe sahen Lipinski und Carpentier trotz 300-Seemeilen-Vorsprung keinesfalls als gesichert.

Spannendes Szenario im Kampf um den Globe40-Sieg

Dazu notierte Antoine Carpentier: “Es ist eine lange Strecke, und es gibt viele Fallstricke. Die Vorhersagen ändern sich von Tag zu Tag ziemlich stark; wir werden ein bisschen Glück brauchen, um unseren ersten Platz zu halten. Wir freuen uns auf wärmeres Wetter, darauf, unsere Kleidung zu trocknen.” Binnen zehn Tagen, so formulierte es Antoine Carpentier, “ werden wir die aktuelle Kälte vermissen”. Und setzte noch heiter hinzu: “Diese Segler sind auch nie zufrieden!” Zum Globe40-Zwischenklassement nach vier Etappen geht es hier.

In der Nacht zum Sonntag werden auch die letzten beiden im Globe40 aktiven Crews vor Kap Hoorn erwartet. Melodie Schaffer und Co-Skipper Paul Stratfold führen dabei mit weniger als 20 Seemeilen Vorsprung vor der britischen “Jangada” mit Richard Palmer und Rupert Holmes. Für den Kampf um den Gesamtsieg im Globe40 ist die aktuelle Situation spannend, weil “Crédit Mutuel” mit zwei Punkten Rückstand auf Team Belgium Ocean Racing – Curium in die fünfte Etappe gestartet ist.

Kann die “Crédit Mutuel”-Crew den Etappensieg ins Ziel bringen, könnten Lipinski und Co. den Spieß umdrehen und ihrerseits als Spitzenreiter in die Finaletappe nach Lorient starten. Wie viele Punkte Vorsprung sie – wenn das denn gelingt – als Polster in den Endspurt mitnehmen können, hängt auch vom aktuellen Etappenergebnis für die Belgier ab, die sich in imposanter Weise wieder ans Feld herangearbeitet haben und alles tun werden, um “Crédit Mutuel” wieder näherzukommen.

Die deutsche Class40 auf Kurs Recife

Im Showdown auf Kurs Lorient sind dann auch Lennart Burke und Melwin Fink wieder im Einsatz, die nach ihrem Aus auf Etappe drei noch einmal angreifen und das Rennen würdig zu Ende bringen wollen. Die ersten 1000 Seemeilen ihrer Südatlantiküberführung nach Recife hatten Melwin Fink und seiner Überführungscrew bereits vor Wochenendbeginn geschafft. Nicht ausgeschlossen, dass sie auch ohne eigene Chance auf einen Podiumsplatz eine wichtige Rolle im Duell um den Globe40-Triumph zwischen Franzosen und Belgiern spielen werden.

Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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