Für Ian Lipinski und Atoine Carpentier war es auf der fünften Globe40-Etappe gerade noch ein Sonntagsfinale. Um 23.20 Uhr deutscher Zeit haben sich die beiden Franzosen mit ihrem Sieg auf Etappe fünf in der vergangenen Nacht wieder eine hauchdünne Führung im Globe40 zurückerkämpft. Die Kap-Hoorn-Etappe von Valparaiso nach Recife haben sie über 5.898 Seemeilen in 25 Tagen und 5 Stunden bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 9,7 Knoten gemeistert.
Nach dem Prolog und vier Etappen hatte die fünfte am 18. Februar vor Chile begonnen. Beim Start lagen im Zwischenklassement der Class40-Zweihand-Weltumseglung die Belgier mit 15 Zählern vorne. Die Franzosen folgten mit 17 Punkten. Eine Etappe weiter haben nun die Franzosen auf der doppelt gewerteten Etappe nach Recife die Belgiern wieder überholt. “Crédit Mutuel” führt das Globe40-Klassement mit 19 Zählern vor dem punktgleichen Team Belgium Ocean Racing – Curium mit mehr Etappensiegen und dem jüngsten Triumph an.
Die Lage vor der Schlussetappe ist so klar wie offen: Wer ankommt und vor dem anderen die letzte Ziellinie passiert, hat die zweite Edition des Globe40 gewonnen. Das Szenario bringt entsprechende Hochspannung für den Endspurt in den französischen Start- und Zielhafen der Weltumseglung auf Class40ies. Der Startschuss zur sechsten und letzten Etappe fällt am 29. März.
Noch spannender macht den Endspurt das Comeback von Lennart Burke und Melwin Fink, die nach ihrem Mastschaden-Aus auf Etappe drei zum Finale noch einmal ins Rennen zurückkehren. Zwar kann die junge Crew nach drei verpassten Etappenwertung in der Gesamtwertung nicht mehr viel ausrichten. Wohl aber können Burke und Fink im Duell um den Sieg zwischen Franzosen und Belgiern zum Zünglein an der Waage werden und auch selbst um einen Etappensieg kämpfen.
In der Anfangsphase des Globe40 hatte das Team Next Generation Boating Around the World beide Favoritenteams schon schlagen können. Der belgische Skipper Jonas Gerckens gratulierte am Montag nach dem Zieldurchgang seines Teams den bereits angekommenen Rivalen auf “Crédit Mutuel” zum Etappenerfolg. Gerckens kommentierte die Siegermeldung der Ausrichter mit “Bravo, Jungs! Rendez-vous im Finale!” Gerckens weiß: “Die letzte Etappe wird über den Gesamtsieg entscheiden, insbesondere mit Blick auf das Comeback des deutschen Bootes.”
Die Belgier hatten auf der fünften Etappe am 23. Februar bei Problemen mit dem Großsegeltraveller und dem gebrochenen J1-Fall erst einen frühen Reparaturstopp einlegen müssen, dann im chilenischen Hafen Valdivia repariert und im weiteren Rennverlauf unwiderstehlich aufgeholt. Von einem Rückstand von bis zu 612 Seemeilen waren sie zwischenzeitlich bis auf zwölf Seemeilen an die Franzosen herangekommen, bevor auch sie mit den Leichtwindzonen vor der brasilianischen Küste zu kämpfen hatten.
Schlimmer noch für die Belgier: Ihr grandioses Comeback, bei dem auch Jonas Gerckens kaum fassen konnte, “dass wir plötzlich wieder eine Chance auf den Etappensieg haben”, wurde von einem Fischernetz vor der Küste von Pernambuco gestoppt. Ein unfreiwilliges einstündiges Bad, nachlassender Wind – schon flog das französische Team erneut davon. Und dieses Mal konnten Jonas Gerckens und Corentin Douguet ihre Dauerrivalen Ian Lipinski und Antoine Carpentier nicht mehr einfangen.
Natürlich werde ich mich mein ganzes Leben an diese erste Kap-Hoorn-Passage in idyllischen Bedingungen erinnern.” Antoine Carpentier
Am Ende fehlte den Belgiern auf Kurs Recife rund 16.5 Stunden auf die Etappensiegerin “Crédit Mutuel”. Hinter den beiden Scow-Bug-Dominatoren des Rennens um die Welt, die sich packende Duelle in Serie liefern, drängeln sich im Endspurt nach Recife nun die Spitzbugboote, deren Crews in ihrer eigenen Liga einen ebenfalls spannenden Kampf miteinander ausfechten. Hier verteidigte am Montagnachmittag die französische “Free Dom” Platz drei.
Ihr folgte die bislang meist geschlagenen Schlusslichter auf “Whiskey Jack” – jetzt auf Platz vier. Melodie Schaffer und Paul Stratfold waren die einzigen zwei Segler dieser Globe40-Auflage, die Kap Hoorn nicht zum ersten Mal passiert hatten und diese Erfahrung gewinnbringend einsetzen konnten. Bei knapp 400 Seemeilen bis ins Ziel nagten aber Lisa Berger und Jade Edwards-Leaney auf “Wilson” am Montagnachmittag schon wieder am Heck von “Whiskey Jack”.
Der Kampf der Crews auf den Spitzbugbooten dauert im Südatlantik weiter an, während die Hitze auf dem Weg nach Norden drückender wird. Schlusslicht war am Montag die sonst weiter vorne zu findende “Barco Brasil”, deren Crew dem gebrochenen Bugspriet viel Tribut zollt. Mit den Entscheidungen über die Platzierungen der Verfolger der Top-Zwei rechnen die Veranstalter zwischen dem 18. und 19. März. Hier geht es zum Globe40-Tracker. In Recife bleiben der gesamten Flotte noch bis zum 29. März Zeit. Dann hebt sich der Vorhang zum letzten Akt.

Freie Reporterin Sport