Für ihr Team und alle Beobachter war es ein großer Tag: Mit ihrer ersten Testfahrt hat die französische “Maxi Edmond de Rothschild”, kurz “Gitana 18”, einen weiteren Meilenstein in ihrer Entwicklung gelegt. Das 28. Boot der Gitana-Saga seit dem Aufbruch von Julie de Rothschild im Jahr 1876 zog seine ersten Bahnen im Revier vor Lorient. Nach der Aufsehen erregenden ersten öffentlichen Präsentation im Dezember und der Erstwasserung am 14. Februar ließen Charles Caudrelier und das Team die Ultim-Gigantin nun erstmals von der Leine.
200 Menschen haben das jüngste Meisterwerk französischer Bootsbaukunst in 50.000 Design- und 200.000 Baustunden geschaffen. 3000 Stunden im Simulator haben zum aktuellen Entwicklungsstand von “Gitana 18” geführt, die in dieser Woche erstmals unter Segeln zu bewundern war. Das Gitana-Team hat damit das neue Kapitel für sein jüngstes Meisterwerk aufgeschlagen, will nun “das Design der Riesin entdecken” und “den fliegenden Maxi-Prototypen entdecken, entwickeln, testen und verlässlich machen”.
“Magisch” war eines der meistgenutzten Attribute in den Fan-Kommentaren zu diesen ersten Bildern, die in den sozialen Netzwerken kursieren. Aufgefallen ist Beobachtern beispielsweise das im Top deutlich rechteckig ausgestellte Großsegel” – eine konsequente Antwort auf stärkere und stabilere Winde in der Höhe. Der erste reale Segeltest wurde seit dem “Gitana 18”-Stapellauf mit Spannung erwartet. Als der 32 Meter lange foilende Trimaran jetzt Kurs aufs offene Meer nahm und die Crew endlich die Segel dieses Ende 2022 begonnenen Projekts setzen konnte, waren es für alle bewegende Momente.
Nachdem auch in den letzten Wochen auf Hochtouren für den “Gitana 18”-Einsatz in ihrem Element gearbeitet worden war, hatte sich das Shore Team nach Abschluss der für jedes neue Boot üblichen statischen Tests damit beschäftigt, die mechanischen Systeme zu optimieren und der Bordhydraulik und -elektronik den letzten Schliff zu verpassen. Die ersten Meilen auf See läuteten gleichzeitig den Beginn der segelsportlichen Vorbereitungen von Skipper Charles Caudrelier auf das wichtigste sportliche Ziel der Saison ein: die Teilnahme an der Route du Rhum, die am 1. November beginnt.
Am Segelpremierentag von “Gitana 18” dann waren alle Systeme einsatzbereit und die Wetterbedingungen günstig, um endlich ein Gefühl für das Steuern der revolutionären Gigantin zu bekommen. „Unsere ersten Eindrücke sind ausgezeichnet! Es ist eine wahre Freude für das gesamte Team, nach den vielen Stunden im Büro und auf der Werft endlich aufs Meer hinauszufahren“, schwärmte Charles Caudrelier nach der Rückkehr an Land.
Der technische “Shakedown” fand in leichten Winden zwischen den Inseln Groix und Belle-Île-en-mer statt. Dabei war noch kein Geschwindigkeitstest angesetzt. Vielmehr ging es darum, ein Gefühl für das Boot zu bekommen und alle hochinnovativen Systeme an Bord von “Maxi Edmond de Rothschild” in der natürlichen Umgebung zu entdecken. “Alles ist anders, es ist also eine ganz neue Lernerfahrung, was ein weiterer spannender Aspekt dieser Phase ist, in die wir jetzt starten”, sagte “Gitana 18”-Bändiger und Route-du-Rhum-Titelverteidiger Charles Caudrelier.
Wir müssen uns kontrolliert vorarbeiten, während wir sie auf Geschwindigkeit bringen. Unser technischer Zeitplan wurde unter diesem Gesichtspunkt erstellt.” Charles Caudrelier
Caudrelier weiß: “Natürlich sind die Erwartungen an dieses neue Boot sehr hoch, und wir sind gespannt darauf, es fliegen zu sehen und sein wahres Potenzial zu entdecken. Allerdings ist diese neue ‘Maxi Edmond de Rothschild’ so innovativ, dass wir nichts überstürzen dürfen. Wir müssen geduldig sein und alle Testphasen der Reihe nach absolvieren. Wie geplant werden die Foils erst etwas später integriert.”
Weiter sagte der frühere Ocean-Race-Sieger: “Die ersten Stunden auf dem Wasser waren sehr positiv: Wir haben es geschafft, die Segel zu setzen, die wichtigsten neuen Funktionen am Mast und an den Salingen sowie das gesamte Steuersystem des Bootes zu testen, einschließlich der Ruder, die viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Die vor uns liegende Arbeit verspricht anspruchsvoll und spannend zu werden, genau wie die ‘Gitana 18’ selbst, die ein hochentwickeltes Boot ist. Es gibt viel zu bedenken. Wir müssen uns Zeit nehmen und jedes Element nacheinander angehen.“
Wie bei ihrer berühmten Vorgängerin, so sind auch die auffälligen Grafiken auf der ‘Gitana 18’ das optische Ergebnis einer engen Zusammenarbeit mit dem Palais de Tokyo in Paris. Sie zeigen den künstlerischen Ansatz, der 2017 auf Wunsch von Ariane de Rothschild ins Leben gerufen wurde: einen großen Renntrimaran in ein ausgefallenes Kunstwerk des berühmten europäischen Kunstzentrums zu verwandeln.
Das neue Boot zeigt unter Segeln nun die Arbeit der französischen Künstler Florian und Michaël Quistrebert, die bei der Produktion und Gestaltung von der maritimen Expertise des Grafikers Jean-Baptiste Epron profitiert haben, in vollem Ausmaß. Gemeinsam haben die künstlerischen Schöpfer eine kraftvolle und moderne Komposition geschaffen, die als weibliches Epos konzipiert ist.
So sollen die technologische Leistung und die Kunst im Gitana-Rennstall erfolgreich miteinander verbunden werden. Bei der Jungfernfahrt in dieser Woche bot sich vor der Küste von Lorient nun die Gelegenheit, neben der Rennmaschine auch die außergewöhnliche grafische Signatur erstmals in vollem Ausmaß zu bestaunen. “Gitana 18” ist die “Maxi Edmond de Rothschild”: ein gigantischer Trimaran der neuesten Ultim-Generation, der für Offshore-Flüge und extreme Hochleistungen auf See konzipiert wurde.

Freie Reporterin Sport