GIDJM vor SchilkseeJubelschreie im Hafenvorfeld

Tatjana Pokorny

 · 16.08.2022

GIDJM vor Schilksee: Jubelschreie im HafenvorfeldFoto: ChristianBeeck.de

Ohne die letzten Rennen, aber mit viel Freude: Vor Schilksee gingen am Dienstag die Gemeinsamen Internationalen Deutschen Jugendmeisterschaften (GIDJM) zu Ende

Nach glücklichen Segeltagen in Traumbedingungen blieben am Finaltag vor allem Spaß an Land und die umjubelte Siegerehrung der GIDJM. Bei der Preisverleihung mit Schleswig-Holsteins Innenministerin Sabine Sütterlin-Waack und Lantagspräsidentin Kristina Herbst wurden in den Gesamt- und Altersklassenwertungen junge Sportlerinnen und Sportler aus acht Bundesländern sowie aus den Gastländern Schweden, Dänemark und der Ukraine aufs Siegerpodest gebeten.

Der WM-Fünfte Henric Wigforss aus Schweden siegte trotz eines Ausrutschers im Optimisten souveränFoto: ChristianBeeck.de
Der WM-Fünfte Henric Wigforss aus Schweden siegte trotz eines Ausrutschers im Optimisten souverän

Im Optimisten setzte sich souverän der 14-jährige Schwede Henric Wigforss durch, für den die Serie ein halbes Heimspiel war, weil seine Mutter aus Deutschland stammt. Nach nur einem kleinen Patzer gewann der Nachwuchssteuermann vom Royal Swedish Yacht Club die Meisterschaft souverän vor dem Dänen Frederik Dam Hastrup (Skovshoved Sejlklub) und Levian Büscher vom Düsseldorfer Yacht-Club. Büscher jubelte über seine Bronzemedaille und sagte: „Damit bin ich super zufrieden. Vor mir sind zwei, die auch bei der WM vor mir waren. Ich bin erster Deutscher. Damit habe ich mein Ziel erreicht.“

AP über Alpha: für die Besten das Siegersignal

Die neuen Meisterinnen in der Teeny-Klasse hätten am Finaltag bereitgestanden, um sich noch einmal auf dem Wasser mit der Konkurrenz zu messen. Als dann aber „AP über Alpha“ für die Absage aller weiteren Rennen gesetzt wurde, registrierten das Jona Lotta Hahn und Svea van Raden gelassen: „Ob wir noch segeln oder nicht, war eigentlich egal. Denn der erste Platz war ziemlich sicher. Jetzt sind aber schon sehr stolz, denn es waren starke Gegner“, sagte die glückliche Steuerfrau. Ihre Vorschoterin ergänzte mit dem Blick auf die bisherigen Resultate in der Saison: „Es war nicht ganz unwahrscheinlich, dass wir vorne mitfahren können.“ Nun können die beiden auf viele Reaktionen aus verschiedenen Vereinen rechnen. Denn sie starten zwar für den SV Speichersee Emsland, ihre Heimatvereine aber sitzen in Bremerhaven und auf Borkum. Für die Berliner Verfolger Niko Becker und Timo Orth (Touren-Segler-Vereinigung) sowie Jeanne Lemme/Theska Hagen (Touren-Segler-Vereinigung) ergab sich durch den Abbruch keine Chance mehr auf einen Angriff. Die Punktabstände waren allerdings vor dem Finaltag schon deutlich.

Das siegreiche Nordsee-Duo: Jona Lotta Hahn und Svea van Raden gewannen die GIDJM vor Schilksee im TeenyFoto: ChristianBeeck.de
Das siegreiche Nordsee-Duo: Jona Lotta Hahn und Svea van Raden gewannen die GIDJM vor Schilksee im Teeny

Leif Lüders erfuhr vom Abbruch der Rennen am Finaltag und damit auch von seinem Triumph in der Ilca-4-Klasse, als er gerade voll fokussiert auf seinem Boot saß und sich zuvor noch eine letzte Motivation vom Trainer abgeholt hatte. Schnell wich die Anspannung dem Strahlen. Der Steuermann vom Kieler Yacht-Club sagte: „Meine Rechnung mit der Deutschen Jugend-Meisterschaft ist nun rundum beglichen. Nach der verpassten Medaille im letzten Jahr jetzt Gold zu gewinnen ist super. Und das in meiner letzten Regatta im Ilca 4.“ Mit dem bevorstehenden Schritt in die nächstgrößere Klasse Ilca 6 will Leif Lüders gleich auf höchstem Niveau Erfahrung sammeln und schon bei der Deutschen Meisterschaft in Greifswald starten. „Ich gehe davon aus, dass ich da noch nicht so weit vorne landen werde. Schade ist, dass Ole (Schweckendiek, d. Red.) nun schon aus dem Ilca 6 in den Ilca 7 umsteigt. Er ist ein toller Segler, und ich hätte gern ein paar Regatten gegen ihn bestritten.“ Mit Tom Struve auf Platz zwei kann der ausrichtende Kieler Yacht-Club einen Doppelsieg im Ilca 4 feiern. Dritter wurde Franz Lasch vom Segel-Club Fraternitas.

Ilca-4-Sieger vor Schilksee: Leif Lüders vom Kieler Yacht-ClubFoto: Sascha Klahn/saschaklahn.com
Ilca-4-Sieger vor Schilksee: Leif Lüders vom Kieler Yacht-Club

Ole in aller Munde: Der junge KYC-Steuermann eilt von Erfolg zu Erfolg


Er segelt in diesem Jahr von Sieg zu Sieg und wird schon hoch gehandelt: Mit makelloser GIDJM-Bilanz bis zum zweiten Rang im letzten Rennen erwies sich Ole Schweckendiek einmal mehr als Dominator im Ilca 6. Weil er den zweiten Rang streichen konnte, brachte der Kieler ausschließlich Siege in die Wertung ein. Mit dem kleinen Luxusproblem haderte der sympathische wie ehrgeizige KYC-Steuermann ein wenig: „Es hat mich schon ziemlich geärgert, dass so etwas in der letzten Wettfahrt passiert“, sagte Schweckendiek, der Willy Sörensen (MSC) einmal den Vortritt lassen musste. Sörensen hatte schon am Wochenende zuvor die KÜZ-Regatten gewonnen. Doch bei der GIDJM lief alles für Schweckendiek, der ungefährdet vorneweg segelte. „Es war schon easy“, erklärte der Europameister und Dritte der Youth Worlds, der bereits Freitag Richtung Portugal zur U21-WM fliegt, um sich dann in der olympischen Bootsklasse Ilca 7 zu messen. „Ich wünsche mir leichtere Winde“, hofft das Leichtgewicht beim ersten internationalen Auftritt in der neuen Klasse der Olympioniken. Auf die Plätze zwei und drei segelten vor Schilksee mit Paul Porthun und Willy Sörensen gleich zwei Talente vom Mühlenberger Segel-Club an der Hamburger Elbe.

Er lächelt, wie er segelt – schon wie ein Großer: Lokalmatador Ole Schweckendiek gewann die GIDJM und greift nun künftig auch im Ilca 7 anFoto: ChristianBeeck.de
Er lächelt, wie er segelt – schon wie ein Großer: Lokalmatador Ole Schweckendiek gewann die GIDJM und greift nun künftig auch im Ilca 7 an

In der Europe gab es einen Doppelsieg für gleich zwei Aktive von der Seglervereinigung Hüde: Antonia Richter gewann vor Larson Schütze. Platz drei erkämpfte sich Nils Wittich von der Segler-Vereinigung Altona-Oevelgönne.

Konzentriert am Steuer: Europe-Siegerin Antonia Richter, die sich nach EM-Bronze mit Gold vor Kiel die zweite Medaille binnen einer Woche sicherteFoto: ChristianBeeck.de
Konzentriert am Steuer: Europe-Siegerin Antonia Richter, die sich nach EM-Bronze mit Gold vor Kiel die zweite Medaille binnen einer Woche sicherte

Zwei Brüder geben Gas: Anton und Johann Sach dominieren im 29er

Im 29er setzten sich einmal mehr die Brüder Anton und Johann Sach durch. „Lief gut“, fasste Johann in seiner typisch kurz angebundenen Art die Serie aus seiner Sicht zusammen. Zusammen mit seinem Bruder Anton beherrscht er das 29er-Geschehen schon geraume Zeit. In Kiel unterstrichen 19 Punkte Vorsprung vor den Zweiten, den Rostockern Carl Krause/Max Georgi, und sieben Wettfahrtsiege die Dominanz in der für die Sachs letzten Regatta des Jahres. „Es stehen kaum noch international besetzte große Regatten an. Zu der auf dem Gardasee reisen wir wohl nicht“, kündigte Johann vom Lübecker Yacht-Club an. Denn zunächst einmal stehe nach vielen Segeleinsätzen wieder die Schule auf Platz eins der Aktivitätenliste. Ganz ohne Segeln aber können die Sachs auch nicht und nehmen parallel zum 29er-Engagement schon das Training im 49er FX auf. „Wir segeln jetzt zweigleisig. Bevor es im 49er FX ernst wird, wird erst einmal allein trainiert“, deutet Johann die nächsten Schritte Richtung olympischen 49er an. Die Söhne von Kat-Experte Christian Sach (Zarnekau) werden vorsichtig an die neue Bootsklasse herangeführt. Bei der GIDJM feiern die Nachwuchs-Skiff-Asse ihren zweiten deutschen Meistertitel in Folge. Hinter den zweitplatzierten Carl Krause/Max Georgi (Rostocker Segelverein Citybootshafen) folgten die Bayern Moritz Wagner/Ole Guntermann (Deutscher Touring Yacht-Club/Diessner Segel-Club) mit Respektabstand.

Nach schwerem Unfall zum Erfolg: Johann Emmer/Jannis Liebig siegen im 420er

Geschwindigkeit und Gelassenheit waren die beiden Erfolgsfaktoren der neuen 420er-Meister Johann Emmer und Jannis Liebig aus Berlin. Beides will das für den Verein Seglerhaus am Wannsee und den SV03 Berlin startende Duo auch in die Zukunft tragen. Steuermann Johann Emmer sagte: „Jetzt wissen wir, wie es geht. Das ist unser erster großer Sieg. Wir müssen einfach ruhig bleiben und unseren Speed ausspielen.“ Der neu gewonnene Blickwinkel auf das Regattageschehen hat der Berliner nach einem schweren Unfall auf einer Yacht gelernt. Von dem offenen Schädelbasisbruch hat er sich erst eine Woche vor der Meisterschaft erholt – und lief vor Schilksee gleich zu großer Form auf. „Etwas brauche ich aber noch, um das alles zu realisieren“, reflektierte Emmer. Die zweitplatzierten Leonard von Holtum und Josh Berktold vom Essener Turn- und Fechtclub hatten bereits am Tag zuvor den Hut vor der Leistung von Emmer/Liebig gezogen. Die drittplatzierten Lysander Winter und Constantin Bötsch (Norddeutscher Regatta Verein/Bayerischer Yacht-Club) freuten sich, im Endspurt noch eine Medaille geholt zu haben.

Dynamisches junges Duo mit besonderer Geschichte: Johann Emmer und Jannis Liebig setzten sich bei der GIDJM im 420er durchFoto: saschaklahn.com
Dynamisches junges Duo mit besonderer Geschichte: Johann Emmer und Jannis Liebig setzten sich bei der GIDJM im 420er durch

Einer der Jubelschreie am Finaltag der GIDJM in Schilksee kam von Johan Rohner. „Tatsächlich Deutscher Jugend-Meister!“, rief der Vorschoter von Mia Sophie Aldag aus. Davon hatte der Berliner vor einer Woche nicht mal träumen können. Erst der Ausfall des Vorschoters seiner Steuerfrau brachte ihm den IDJM-Einsatz im Piraten. „Krass, nach sieben Tagen, die wir uns kennen, und fünf Tagen segeln“, freute er sich. Auch seine Steuerfrau war etwas ungläubig: „Das ist jetzt eine ziemliche Erlösung nach der Anspannung. Es gibt viele, die gefragt haben: 'Warum seid ihr so schnell?'“ Eine erschöpfende Antwort konnte sie darauf nicht geben: „Es hat einfach vieles gestimmt in dieser Woche.“ Bereits am Vorabend war unter den Piraten-Seglern gefeiert worden. Nach der Entscheidung gab es eine lange Schlange an Gratulanten für die Überraschungssieger. „Der Zusammenhalt in der Piraten-Klasse ist unglaublich groß“, sagte Mia Sophie Aldag vom Hamburger Segel-Club, die mit ihrem Spontan-Vorschoter vom Verein Spandauer Jollensegler vor Lissa Müncheberg/Charlotte Meyer (Akademischer Segler-Verein zu Rostock/Segel-Club Ribnitz) und Aike Braje/Marie Luise Bark (Segel-Club Münster/Wassersport-Verein-Güstrow) siegte.

Sorgten für die wohl größte Überraschung bei der GIDJM 2022: Steuerfrau Mia Sophie Aldag und Johan Rohner siegten als spontan gebildete Last-Minute-Crew im Piraten | Sascha Klahn | Copyright: Sascha Klahn/saschaklahn.com
Sorgten für die wohl größte Überraschung bei der GIDJM 2022: Steuerfrau Mia Sophie Aldag und Johan Rohner siegten als spontan gebildete Last-Minute-Crew im Piraten | Sascha Klahn | Copyright: Sascha Klahn/saschaklahn.com

In der neuen Jugendmeisterschaftsklasse der Surfer gab es sportlich zu keinem Zeitpunkt Zweifel an der Überlegenheit von Jakob Ditzen. Zwei Frühstarts im Open Windfoil schlugen allerdings Kerben in die Serie von Siegen und zweiten Plätzen des 17-Jährigen. „Daran muss ich arbeiten, denn so etwas kann teuer werden“, sagte der Berliner selbstkritisch. „Ansonsten habe ich allerdings alles rausgeholt. Ich bin gut vorbereitet in diese Meisterschaft gegangen, hatte mir eine Chance auf den Titel ausgerechnet. Denn Elias (von Maydell, d. Red.) und ich haben die größte Erfahrung in dem Feld. Die Bedingungen waren in den Tagen okay, aber es hätte gern auch mehr Druck sein dürfen.“
Mit der Möglichkeit von drei Streichresultaten in den 15 gesegelten Wettfahrten eroberte Jakob Ditzen sein Gold souverän vor dem Clubkameraden Elias von Maydell vom Windsurfing Verein Berlin. Dritter wurde Meno Büchler vom Surf Club Kiel. Nun geht der Blick des Siegers, der im Oktober seinen 18. Geburtstag feiert, bereits nach vorn: „Von Kiel aus fahren wir gleich zum Silvaplanasee zu den iQ Foil Youth and Junior Worlds. Da möchte ich in die Goldflotte fahren. Und im Oktober plane ich noch die Teilnahme an den Worlds der Senioren in Brest.“ Hier geht es zu allen GIDJM-Ergebnissen (bitte anklicken!)

Hat ehrgeizige Pläne auf dem foilenden Board: Windsurfer Jakob Ditzen gewann die GIDJM-Serie vor Schilksee im  Open Windfoil souverän Copyright: Sascha Klahn/saschaklahn.comFoto: Sascha Klahn
Hat ehrgeizige Pläne auf dem foilenden Board: Windsurfer Jakob Ditzen gewann die GIDJM-Serie vor Schilksee im Open Windfoil souverän Copyright: Sascha Klahn/saschaklahn.com

Das Staffelholz vom erfolgreichen Nachwuchs übernehmen nun die „Oldies, but Goldies“: Am Mittwoch beginnt die Jubiläumsregatta der Olympiaklassen im selben Revier vor Schilksee. Zum Auftakt ist die Tempest-Klasse gefordert. Alle Infos rund um „50 Jahre Olympia“ finden Sie auch in YACHT 17. Hier geht zu den aktuellen Informationen rund um das historische Segelfestival mit Aktiven von einst und bekannten aktuellen Segel-Größen (bitte anklicken!).

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