Tatjana Pokorny
· 14.03.2026
Zum 19. Mal seit dem Premierenjahr 2008 wurde im Hamburger Rathaus vor rund 200 Gästen aus Politik, Wirtschaft und dem Segelsport Deutschlands erfolgreichste Hochseeyacht honoriert. Für das Jahr 2025 ging der Preis an die für den Plöner Segel-Verein startende modifizierte GP 42 «X-Day». Ihr Team um den Dortmunder Eigner Walter Watermann und Skipper Lars Hückstädt aus Plön erhielt den Preis für die Leistung im 51. Rolex Fastnet Race 2025.
Da war die Crew mit dem rasanten Farr-Design im herausragenden Endspurt im Feld von insgesamt 380 Fastnet-Yachten noch auf Platz acht in der IRC-Gesamtwertung gerast. Der Sprung in die Fastnet-Top-Ten gelang “X-Day” in einem anspruchsvollen Rennen, in dem die Tidenhürden im Endspurt manches Top-Boot noch ausgebremst hatten. Staatsrat Christoph Holstein sagte in seiner Laudatio, das Boot werde “von einem wunderbaren Duo aus Eigner und Skipper organisiert, die zusammen mit ihrem Team alles für große Erfolge vorbereiten”.
Und so wurde, wie Staatsrat Christoph Holstein sagte, “das Rolex Fastnet Race 2025 ein großer Erfolg.” Holstein erinnerte in seiner Rede auch an den Rennverlauf: “Nach dem Start ging es rund 30 Stunden über 345 Seemeilen gegenan, bis die Yacht am 28. Juli gegen 16 Uhr den berühmten Rock umrunden konnte. Die Belohnung für eine Kreuz dorthin war der lange Raumschotskurs ins Ziel nach Cherbourg. In 18,5 Stunden sauste die Yacht mit über 15 Knoten Speed über den Ärmelkanal. Lag sie bei der Zwischenwertung am Fastnet Rock noch auf Platz 60, kam sie schließlich als 37. Einrumpfyacht ins Ziel. Was für ein Ritt!“
“Für uns ist es eine große Ehre”, sagte Skipper Lars Hückstädt zur Auszeichnung mit dem Senatspreis. “Die Nominierung war eine große Überraschung. Natürlich auch, dass Sie und Ihr uns gewählt habt. Da freuen wir uns riesig! Vor allem auch herzlichen Glückwunsch an alle anderen nominierten Yachten. Wir freuen uns wirklich ganz herzlich über diese wundervolle Überraschung. Kurz vor der Segelsaison ist die Vorfreude jetzt noch viel größer, als sie es ohnehin schon war.
Nominiert waren für den German Offshore Award neben der «X-Day» vier weitere Kandidaten: die Swan 441 «Best Buddies» (Norddeutscher Regatta Verein) von Kay-Johannes Wrede und Susann Eggers-Wrede für ihren so beherzt wie hart erfochtenen Sieg bei der anspruchsvollen griechischen Langstrecke Aegean 600. Dazu die von den Baltic-500-Vätern Rasmus Töpsch und Cord Hall bei der Zweihandregatta Transquadra auf Platz drei gesegelte JPK 10.10 “Sharifa”.
Zu den Nominierten zählte ebenso die von den “Red Bandits” vom Bayerischen Yacht-Club im Rolex Middle Sea Race auf Platz neun gesegelte Botin 56 “Black Pearl”. Eigner Stefan Jentzsch hatte sie dem jungen Team nach dessen Mastbruch beim Admiral’s Cup zur Verfügung gestellt, nachdem das eigene Boot nicht einsetzbar war. Last but not least war Jost Stollmanns für den Düsseldorfer Yacht-Club startende Solaris 80RS «Alithia» für ihre Leistungen im Sydney Hobart Race für den German Offshore Award nominiert. Das Team hatte Platz sieben in der PHS-Wertung und Platz 18 im Gesamtklassement ersegelt.
Den Wehring & Wolfes Jugendpreis räumte beim Festempfang zum German Offshore Award das erfolgreiche J/70-Bundesliga-Juniorenteam vom Norddeutschen Regatta Verein ab. Die Crew um den erst 22 Jahre alten Mats Schönbeck hatte bereits im Vorjahr den Internationalen Deutschen Meistertitel in der J/70 gewonnen. Es folgte mit dem Gewinn der Deutschen Vereinsmeisterschaft in der Bundesliga und dem Saisonsieg in der Junioren-Bundesliga der Doppel-Erfolg 2025.
Publikumsliebling war am Abend im Zeichen des German Offshore Awards ein Mann, der seinem 100. Geburtstag in diesem Jahr entgegensteuert: Den Lifetime Award für sein Segellebenswerk erhielt mit Gerd Trulsen der Ehrenvorsitzende des Hamburgischen Vereins Seefahrt (HVS), dessen Motto “Mit jungen Crews die Welt ersegeln” er bis heute aktiv dient. Im Kaiser-Saal des Hamburger Rathauses nahm Gerd Trulsen die vier Treppenstufen auf die Bühne leicht, wurde dabei von stürmischem Beifall begleitet. Über 21 Jahre hatte Gerd Trulsen den HVS als Vorstandsvorsitzender gesteuert.
Weit darüber hinaus hat er sich für den Seesegelsport und die Nachwuchsförderung eingesetzt. Bis jetzt in seinem 100. Lebensjahr dient Trulsen dem HVS, dem Seesegelsport und den nachfolgenden Generationen als engagierter Ehrenvorsitzender. Gert Trulsen sagte in einer kurzen Dankesrede vor den begeisterten Gästen: “Ich bin gerührt, wirklich gerührt.” Er könne sich an einige Ereignisse aus der Laudatio des NRV-Vorsitzenden Tobias König nicht mehr erinnern, “doch ich finde, das ist mein gutes Recht mit fast 100 Jahren”.
Am Abend im Zeichen des Seesegelns sagte Staatsrat Christoph Holstein, der German Offshore Award sei “zu einer Tradition in einer Sportart geworden, von der wir als Gesellschaft einiges lernen können, gerade in schwierigen Zeiten, wie wir sie aktuell erleben: Teamgeist, Verlässlichkeit, Disziplin, Professionalität, Zuversicht und Mut. Gerade in schweren Zeiten. Das sind Attribute, die das Hochseesegeln auszeichnen und die gleichzeitig heute in einer Zeit elementarer Umbrüche wohl wichtiger sind als je zuvor.”
Weiter sagte Christoph Holstein: “Das passt auch zu Hamburg, denn es geht uns darum, in einer Zeit geprägt von Disruptionen und von nachvollziehbarer Verunsicherung bei den Menschen herauszuarbeiten, welche Beiträge hier in unserem Fall der Sport leisten kann, um die Welt, unser Land, unsere Stadt und unsere Gesellschaft auf Kurs zu halten. Was kann der Sport tun? Er kann den gesellschaftlichen Teamgeist erhalten und stärken. Er kann Mobilität und Gesundheit der Menschen erhöhen. Er kann gerade jungen Leuten Respekt vor der Leistung anderer beibringen.”
Es wäre schön, wenn unsere Gesellschaft so wäre wie das Team einer guten erfolgreichen Hochseesegelyacht.” Christoph Holstein
Hamburgs Sportstaatsrat ließ die segelsportliche Gelegenheit nicht ungenutzt, für die Bewerbung Hamburgs um die Ausrichtung Olympischer Spiele in den Jahren 2036, 2024 oder 2044 zu werben. Auf diesem Weg hatten sich unter vier Bewerben im nationalen Wettstreit die Hamburger früh für Kiel als Segelpartner entschieden. “Hamburg bewirbt sich erneut um die Austragung Olympischer und Paralympischer Spiele. Gemeinsam mit Kiel.” Olympia in Hamburg bezeichnete Holstein als “nicht nur eine Chance für den Sport, sondern für die gesamte Stadtgesellschaft”.
Der German Offshore Award segelt nun seiner runden 20. Auflage entgegen. Prominentester und häufigster Sieger in der Geschichte des German Offshore Awards bleibt der sechsmalige Weltumsegler Boris Herrmann, dessen Boote 2010 («Beluga Racer») sowie 2019 und 2022 («Malizia – Seaexplorer») insgesamt dreimal ausgezeichnet wurden. Jeweils zweimal konnten Jörd Riechers (2011 und 2013 mit der Class40 “Mare.de”) und Jens Kellinghusen (2014 und 2015 mit der Ker 51 “Varuna”) den großen Silberteller abräumen.
Der NDR hat in seiner Sendung Hamburg Journal noch am freitagabend kurz vom German Offshore Award berichtet. Die Bilder sind hier ab Minute 18:30 zu sehen.

Freie Reporterin Sport