Fünfter StreichMax Billerbeck verteidigt seinen Contender-Titel vor Norderney

Ursula Meer

 · 03.09.2026

Die IDM der Contender 2026 fand vor Norderney statt, das raue Nordseerevier forderte die Jollensegler mit viel Wind, Wellen und Strömung.
Foto: Lutz Brandt

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42 Einhand-Trapezsegler, sechs anspruchsvolle Wettfahrten, Nordsee-Bedingungen und ein Herzschlagfinale: Die Internationale Deutsche Meisterschaft der Contender-Klasse vom 27. bis 30. August 2026 auf Norderney bot alles, was den Segelsport ausmacht. Am Ende setzte sich der Mann durch, der die deutsche Contender-Szene seit Jahren prägt.

Max Billerbeck vom Wassersportverein Kollmar ist Internationaler Deutscher Meister im Contender 2026. Auf der Nordsee-Insel Norderney holte sich der 40-Jährige seinen fünften IDM-Titel und verteidigte damit erstmals erfolgreich einen zuvor gewonnenen Meistertitel. Von 2019 bis 2025 hatte er immer nur in den ungeraden Jahren triumphiert. 2026 durchbrach er dieses Muster.

​Herzschlagfinale mit punktgleichem Ausgang

Es hätte kaum dramatischer werden können: Billerbeck und der neue Vizemeister Christoph Homeier (Sportverein Grambke-Oslebshausen) trennten am Ende null Punkte – beide kamen nach Streichung auf neun Zähler. Den Ausschlag gab die letzte Wettfahrt: Billerbeck gewann sie als Erster, Homeier musste sein schlechtestes Ergebnis der Serie streichen. Insgesamt kam Billerbeck so auf drei Tagessiege, Homeier auf zwei. Dritter wurde Eike Tjark Martens vom Wassersportverein Hemelingen mit 18 Nettopunkten. Hinter dem Podium folgten Markus Maisenbacher (29 Punkte) und Lars Kruse (36 Punkte).

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Den inoffiziellen Titel der Deutschen Meisterin, den die Klassenvereinigung auslobt, sicherte sich Miriam Hoffmann (Baltische Segler-Vereinigung). Sie belegte im Gesamtklassement Rang 39. Damit verwies sie knapp Kerstin Schepanski (Cospuder Yacht Club Markkleeberg) auf den zweiten Platz unter den Frauen.

In seiner Siegerehrungsrede gab Billerbeck einen ungewöhnlich persönlichen Einblick: Er hatte in dieser Saison kein eigenes Auto zur Verfügung, konnte aber stets auf die Unterstützung der Contender-Gemeinschaft zählen. Sie sorgte dafür, dass er und sein „Conti" zu allen Regatten reisen konnten. Seine Dankbarkeit gegenüber der Klasse war ihm anzumerken.

Das Revier hatte es in sich

Die Nordsee mit ihrer Gezeitenströmung, dem Seegang und dem kräftigen Wind stellte die 42 gemeldeten Seglerinnen und Segler vor echte Herausforderungen. An den ersten beiden Wettfahrttagen ermöglichten die Bedingungen je drei Rennen von rund 35 Minuten Länge. Am dritten Tag musste die Wettfahrtleitung die AP-Flagge setzen – das international gültige Aufschubsignal, das Rennen bis auf Weiteres zurückstellt. Eine Gruppe von Seglern fuhr trotzdem noch aufs Wasser. Sie bestätigte anschließend aber die Entscheidung, unter diesen Bedingungen nicht zu starten. Damit blieb es bei insgesamt sechs Wettfahrten.

Billerbeck selbst zog ein begeistertes Fazit: „Die IDM war allein schon wegen ihrer Location etwas ganz Besonderes. Erst mit dem Auto, dann mit der Fähre auf die Insel kommen und dann hier in ein echtes Nordseerevier mit Tidenströmung eintauchen, war ein Erlebnis." Seinen Konkurrenten zollte er Respekt: „Wenn wir an den beiden letzten Tagen noch gesegelt wären, hätte Christoph mich sicher noch geschlagen – bei viel Wind ist er und auch Eike meistens besser als ich."

Auch Lutz Brandt, erster Vorsitzender des gastgebenden Seglerverein Norderney, betonte den besonderen Charakter des Reviers: „Gerade für Jollenseglerinnen und -segler ist das Revier vor Norderney herausfordernd. Es ist deutlich rauer als die Binnenreviere, und mit der Tidenströmung muss man lernen, umzugehen."

Pathfinder-Start: Innovation auf dem Wasser

Wegen der starken Strömung erprobte die Wettfahrtleitung am zweiten Regattatag erstmals für die Contender-Klasse den sogenannten Torstart, auch Pathfinder-Verfahren genannt. Dabei segelt ein Segler als „Pathfinder" auf Steuerbordbug entlang der Startlinie. Die übrigen Teilnehmender starten auf Backbordbug durch das entstehende Tor zwischen ihm und einem begleitenden Motorboot. Nach zwei Minuten schließt sich das Tor, und auch der Startsegler wechselt auf Backbordbug.

Ulf Denecke ist Leiter der Abteilung Ausbildung und Wettsegeln beim DSV. Er unterstützte das Jury-Team in seiner Freizeit und erläutert die Vorteile des Torstarts: „Es hat den Vorteil, dass ein Frühstart nahezu unmöglich ist, es weniger Kollisionen gibt und keine lange Startlinie ausgelegt werden muss." In der 505er-Klasse, wo das Verfahren bei bis zu 100 Booten angewendet wird, habe es sich bewährt. Für die Contender-Klasse war es eine Premiere.

Denecke lobte auch die Disziplin der Flotte ausdrücklich: „Die Contender-Segler sind so routiniert, die gucken sich vor der Tonne in die Augen und wissen genau, wer Vorfahrt hat. Wir mussten nur zweimal die gelbe Flagge zeigen."

Das Meisterboot und seine Geschichte

​Als Bootsbaumeister segelt Billerbeck auf einem selbstgebauten Contender, der als Prototyp für weitere Jollen aus seiner Werft dient. Er absolvierte seine Ausbildung bei der Bootswerft Hein in Kölln-Reisiek bei Elmshorn. Heute ist er gemeinsam mit seimem Compagnon Steffen Radtke deren Geschäftsführer. Folgerichtig tritt er auf einem Contender aus eigener Hand an: „Mein Contender ist die Baunummer 0", erklärt Billerbeck. „Seitdem haben wir schon acht Einheiten gebaut." Treffend heißt sein Contender “Hein Boot”.

​Als der Contender 1967 entworfen wurde, galt er selbst unter gestandenen Regattaseglern als kaum beherrschbar – ein knapp fünf Meter langes Boot mit einem rund elf Quadratmeter großen Großsegel alleine aus dem Trapez heraus am Wind zu steuern, erschien nahezu unmöglich. Heute gilt der Contender als „state of the art" und Vorbild für einige modernere Einhand-Trapez-Skiffs; weltweit zeigen Segler auf über 2.700 Booten, dass es durchaus möglich ist.

Gastgeber mit Tradition und Teamgeist

Der Seglerverein Norderney, der im vergangenen Jahr sein 100-jähriges Bestehen gefeiert hatte, bewährte sich erneut als versierter Regatta-Gastgeber. Wie bereits bei der IDM der 505er vor drei Jahren übernahm die Baltische Segler-Vereinigung aus Berlin Wettfahrtleitung und Jury, während sich der SV Norderney um Hafen, Stellplätze, Catering und das Rahmenprogramm kümmerte – mit Blasmusik, Chor und echter Nordsee-Atmosphäre.


Buchtipps

Regattasegeln erklärt die taktischen und strategischen Entscheidungen rund um eine Wettfahrt – von der Vorbereitung über Start und Kurswahl bis zur Analyse danach. Damit ergänzt der Titel die Berichterstattung über den Contender-Europa-Cup auf Norderney um die Perspektive hinter knappen Ergebnissen: Welche Entscheidungen unter Zeitdruck über Platzierungen entscheiden und wie sich ein Rennen systematisch auswerten lässt.

Regatten gewinnen auf Jollen und Yachten richtet den Blick stärker auf die seglerische Umsetzung. Das Buch behandelt unter anderem Material, Segeltrimm, Wetter, Wind und Strom sowie die psychologischen Aspekte des Wettsegelns. Für Jollensegler liefert es damit praktische Ansatzpunkte, um die Bedingungen eines Reviers wie Norderney besser einzuschätzen und die eigene Leistung zwischen den Läufen gezielt zu verbessern.


Welche taktische Entscheidung war für Sie bei einer Regatta unter wechselnden Wind- und Strombedingungen am häufigsten ausschlaggebend?

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Ursula Meer

Ursula Meer

Redakteurin Panorama und Reise

Ursula Meer ist Redakteurin für Reisen, News und Panorama. Sie schreibt Segler-Porträts, Reportagen von Booten, Küsten & Meer und berichtet über Seenot und Sicherheit an Bord. Die Schönheit der Ostsee und ihrer Landschaften, erfahren auf langen Sommertörns, beschrieb sie im Bildband „Mare Balticum“. Ihr Fokus liegt jedoch auf Gezeitenrevieren, besonders der Nordsee und dem Wattenmeer, ihrem Heimatrevier.

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