Figaro-SaisonauftaktJörg Riechers und Sanni Beucke im Ziel: "Ich bin happy, stolz und zufrieden"

Tatjana Pokorny

 · 21.04.2022

Figaro-Saisonauftakt: Jörg Riechers und Sanni Beucke im Ziel: "Ich bin happy, stolz und zufrieden"Foto: Vincent Olivaud / Solo Maître CoQ 2022

Ohne vordere Plätze, aber dennoch im Glück: Susann Beucke hat ihre Figaro-Bewährungsprobe bestanden, und Jörg Riechers glänzte mit Schlussspurt-Qualitäten

Zwei Tage und zwei Nächte waren Solo-Neueinsteigerin Susann Beucke und 32 weitere Skipper und Skipperinnen zum Saisonauftakt der leistungsstarken Figaro-Klasse im Solo Maître CoQ gefordert. Für die 30-jährige Olympia-Zweite im Skiff 49erFX an der Seite von Tina Lutz war es die Feuertaufe nach ihrem Umstieg ins Einhand-Seesegeln. Eine gute Platzierung hatte sie selbst nur wenige Monate nach Beginn ihrer Ausbildung in Frankreich noch nicht erwartet. Der Stolz am Ende des Rennens war auch mit Platz 30 groß. Ihr 53-jähriger Landsmann und "Alva Yachts"-Skipper Jörg Riechers hat sich nach verhaltenem Auftakt mit kleineren Handling-Problemen mit einem eindrucksvollen Schlussspurt noch auf Platz 15 vorgekämpft. Der erfahrene Seesegelprofi will die Figaro-Saison zum Training und zur Vorbereitung auf die geplante Teilnahme an der Vendée Globe 2024/25 nutzen. Auch ihm war klar, dass er auf den anspruchsvoll zu segelnden Figaros im starken Feld nicht auf Anhieb ganz vorn würde landen können. "Hier sind von 33 Startern 25 wirklich kompetitiv, also geht der 15. Platz sehr in Ordnung." Seine Kampfqualitäten allerdings hat der mit allen Wassern gewaschene Offshore-Profi in der Schlussphase mit einem Satz nach vorn um ein halbes Dutzend Plätze binnen weniger Stunden durchaus zeigen können, nachdem er zu Beginn des Rennens im Eifer des Gefechts die Gennaker-Tackline "nicht im geforderten Muster angebaut" hatte. "Als ich den Gennaker dann entrollen wollte, ist er gleich vorn von der Tackline abgegangen. Da ist es dann blöd bei viel Wind, wenn man einen Gennaker, der gerollt wird, so bergen muss", berichtete er mit Galgenhumor. Bei der Enge in der Flotte habe ihn das Malheur rund zehn Plätze gekostet, doch sein Speed und auch der weitere Verkauf des Rennens haben ihn wieder versöhnlich gestimmt.

  Die leistungsstarke Figaro-Klasse gilt als Wiege und Sprungbrett für künftige Solo-WeltumseglerFoto: Vincent Olivaud / Solo Maître CoQ 2022
Die leistungsstarke Figaro-Klasse gilt als Wiege und Sprungbrett für künftige Solo-Weltumsegler
  Jörg Riechers war trotz kleiner Handling-Fehler zu Beginn des Rennens zufrieden mit dem Verlauf. Er nutzt die Figaro-Saison zum Training für die geplante Vendée-Globe-KampagneFoto: Vincent Olivaud / Solo Maître CoQ 2022
Jörg Riechers war trotz kleiner Handling-Fehler zu Beginn des Rennens zufrieden mit dem Verlauf. Er nutzt die Figaro-Saison zum Training für die geplante Vendée-Globe-Kampagne

Erfüllt kehrte Sanni Beucke vom Solo Maître CoQ in den berühmten Hafen von Les Sables-d'Olonne zurück, wo alle vier Jahre auch die Vendée Globe beginnt und endet, die ihr Fernziel ist. Sie sagte: "Ich bin richtig, richtig happy, glücklich und stolz und zufrieden. Diese Rennen sind megacool. Das macht so Spaß. Bis zum ersten Morgen war ich noch ganz in der Nähe von allen. Es war toll zu sehen wie hoch das Niveau in dieser Klasse ist. Das hat in mir richtig den Wettkampfgeist geweckt." Der früheren olympischen Jollenseglerin war von Beginn an klar, dass sie noch nicht um die vorderen Plätze würde kämpfen können. "Mein Ziel war, erst einmal ja nur ankommen. Es ist so viel anders als das, was ich bislang gemacht habe. Ich muss das Schlafen an Bord lernen, das Leben an Bord, einfach alles und dann auch noch in Frankreich zu segeln. Dieses Revier ist so anspruchsvoll. Natürlich bin ich bei den Platzierungen was anderes gewohnt, aber da muss man einfach einmal die Kirche im Dorf lassen. Ich glaube, ich kann richtig happy sein. Es war hart, sehr viel Wind, der im Wetterbericht nicht angesagt war. Ich habe halt alles super sicher gemacht."

  Saisonstart für die Figaros, die mit dem Solo Maître CoQ ihre Serie 2022 einläutetenFoto: Vincent Olivaud / Solo Maître CoQ 2022
Saisonstart für die Figaros, die mit dem Solo Maître CoQ ihre Serie 2022 einläuteten

Über die eigene Vorsicht zu Beginn ihrer neuen Karriere konnte sie auch lachen und erzählte: "Ganz oft gab es Spinnaker-Manöver genau in der Nähe von einem Flach. Da habe ich dann schon so zwei Meilen vorher den Spi runtergenommen, was dann vielleicht ein bisschen übertrieben war. Aber es war für mich ja auch das erste Mal, dass ich den Spi bei viel Wind allein runternehmen musste. Und ich hatte so ein Adrenalin, bin so wahnsinnig stolz, dass die Manöver so gut geklappt haben." Dass sie auf ihrer Figaro mit dem Namen "This Race is female" noch jede Menge Lehrgeld zahlt, überrascht weder ihre Beobachter noch sie selbst: "Natürlich sind auch Dinge schiefgangen. Jetzt zuletzt ist mein GPS ausgefallen. Deswegen musste ich raten, wo beim Zurücksegeln der Hafen war. Und deshalb bin ich woanders rausgekommen und musste zurücksegeln. Solche Kleinigkeiten gehören einfach noch dazu. Aber ich bin richtig zufrieden, dass ich das geschafft habe."

  Susann Beuckes Porträtbild von Fotograf Vincent Olivaud für das Solo Maître CoQ 2022Foto: Vincent Olivaud / Solo Maître CoQ 2022
Susann Beuckes Porträtbild von Fotograf Vincent Olivaud für das Solo Maître CoQ 2022

Den Sieg sicherte sich Corentin Horeau auf "Mutuelle Bleue" mit einer gesegelten Zeit von nur 1 Tag, 23 Stunden, 45 Minuten und 13 Sekunden. Der erst 24 Jahre alte Top-Favorit Tom Laperche, der schon mit dem großen François Gabart auf dessen "SVR Lazartigue" im Einsatz war, kam auf "Région Bretagne CMB Performance" eine knappe Stunde später ins Ziel, rettete seinen zweiten Platz mit nur zwei Minuten Vorsprung vor Guillaume Pirouelle auf "Région Normandie". Der wiederum verwies den besten Nicht-Franzosen Alan Roberts auf "Seacat Services" mit ebenfalls nur zwei Minuten Vorsprung auf Platz vier. Auch die weiteren Plätze wurden in dieser sportlich hochattraktiven Klasse im Minutentakt vergeben. Jörg Riechers erreichte die Ziellinie der spannenden 320-Seemeilen-Rallye inklusive Rundung der Île de Ré und der Belle-Île-en-Mer südlich von Quiberon auf seiner "Alva Yachts" als 15. nur gut eineinhalb Stunden nach dem Sieger. Sanni Beucke hat in 2 Tagen, 4 Stunden und 13 Minuten viel für ihre neue Karriere gelernt. Hier geht es zu den Platzierungen (bitte anklicken!).

  Tom Laperche vom Team Bretagne CMB segelte auf Platz 2Foto: Vincent Olivaud / Solo Maître CoQ 2022
Tom Laperche vom Team Bretagne CMB segelte auf Platz 2
  In dieser Saison mit der Figaro "Alva Yachts" im Einsatz: Skipper Jörg RiechersFoto: Vincent Olivaud / Solo Maître CoQ 2022
In dieser Saison mit der Figaro "Alva Yachts" im Einsatz: Skipper Jörg Riechers

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