Europameisterschaft Sechs-Meter-Klasse“Momo” holt den Titel

Tatjana Pokorny

 · 11.09.2022

Europameisterschaft Sechs-Meter-Klasse: “Momo” holt den TitelFoto: Neuza Aires Pereira

Dieter Schön, Markus Wieser und ihre Crew auf “Momo” haben vor Cascais die Europameisterschaften der Sechs-Meter-Klasse gewonnen. Im Krimifinale setzte sich “Momo” nach starkem Comeback punktgleich gegen Patrick de Barros’ “Seljm” durch

Nach fünf genussreichen Regattatagen vor Cascais endete die Sechs-Meter-Europameisterschaft am Wochenende mit einem spektakulären Finale im achten und letzten Rennen. Zwei Punkte nur hatten Patrick de Barros’ Spitzenreiterin “Seljm”, John Harald Ornergerbs von Vasco Pereira gesteuerte “Scoundrel One” und Dieter Schöns “Momo” am Morgen des Finaltages getrennt. Mit Blick auf den engen Dreikampf blieb die Titelvergabe bis zum letzten Zieldurchgang der Favoriten offen.

Dieter Schöns “Momo” bei der EM vor Cascais. Vorn im Bild ist Taktiker Markus Wieser zu sehenFoto: Neuza Aires Pereira
Dieter Schöns “Momo” bei der EM vor Cascais. Vorn im Bild ist Taktiker Markus Wieser zu sehen

Dem “Momo”-Team gelang ein großartiger Start, als es wirklich wichtig war. “Es war der beste Start der Woche”, erzählt Markus Wieser, der einräumt, dass er zuvor auch “Starts versaut” habe. Darüber hinaus hatte die Crew einen Protest verloren, konnte bis zum Finaltag keine zwingende Position erreichen. Dann aber klappte in der letzten Wettfahrt alles. Sogar die Konkurrenz half mit …

Mit unwiderstehlichem Start und Schützenhilfe der Konkurrenz zum Sieg

Das neueste Boot der Flotte führte das Feld an der ersten Marke an. Das allein aber hätte dem “Momo”-Team nicht zum erfolgreichen Abschluss gereicht. Dieter Schön, Taktiker Markus Wieser und ihr Team mussten noch mindestens ein Boot zwischen sich und “Seljm” bringen, um den Titel zu holen. Dafür standen die Zeichen gut, denn “Scoundrel One” rundete die Marke in fünfter Position, “Seljm” direkt dahinter. Die Aufgaben der “Momo”-Crew im weiteren Rennverlauf: schnell segeln und auf das Beste hoffen.

Das “Momo”-Quintett baute seinen Vorsprung souverän aus, aber auch die “Seljm”-Crew kämpfte und machte auf jedem Abschnitt Boden gut. Als die Boote das Ziel ins Visier nahmen, fieberten auch die Zuschauer mit ihrem Landsmann Patrick de Barros und seiner Crew mit, die mit beeindruckender Vorwindgeschwindigkeit immer dichter an die führenden Boote heranrückten. “Momo” gewann das Rennen mit anderthalb Minuten Vorsprung souverän.

Klassische Linien, viel Regattavergnügen: Die Sechser preschen los. Im Vordergrund ist “Momo” gut zu erkennen | Foto: Neuza Aires Pereira
Klassische Linien, viel Regattavergnügen: Die Sechser preschen los. Im Vordergrund ist “Momo” gut zu erkennen | 

Eine packende Verfolgungsjagd und eine knappe Entscheidung

“Seljm” segelte einen hervorragenden letzten Lauf, aber es war Stephan Lindbergs “Jane Ann”, die sich den entscheidenden zweiten Platz sicherte. Jeremy Thorpes “Battlecry”, Jan Eckerts “Ginkgo Too” und “Seljm” surften dahinter Bug an Bug auf die Linie zu. Die Aufholjagd in letzter Minute brachte “Seljm” im Ziel einen Millimeter-Vorsprung vor den beiden Konkurrentinnen und – Punktgleichheit mit “Momo”.

Weil aber die “Momo”-Crew einen Rennsieg mehr auf dem Konto hatte, ging nach dem WM- auch der EM-Titel in der offenen Sechs-Meter-Division an Dieter Schön und seine Mannschaft. “Seljm” holte Silber. “Scoundrel One” kreuzte die Ziellinie als Siebte. Das reichte zum Sprung auf den dritten Podiumsplatz. Hier geht es zu den Ergebnissen in der offenen und in der klassischen Division.

Die glücklichen EM-Sieger auf der “Momo”Foto: Neuza Aires Pereira
Die glücklichen EM-Sieger auf der “Momo”

Dieter Schöns Siegerboot “Momo”: von Judel/Vrolijk entworfen, von Wilke gebaut

Erst Anfang dieses Jahres war Dieter Schöns neue “Momo” vom Stapel gelaufen. Ihr Team ist mit Eigner und Steuermann Dieter Schön, Taktiker Markus Wieser, Dirk De Ridder, Ross Halcrow und Victor Marino Prieto im Zusammenspiel sehr erfahren. Mit dem vierten Regattasieg in Folge hat die internationale Crew der Klasse bereits ihren Stempel aufgedrückt. Die Mannschaft segelt seit mehreren Jahren gemeinsam auf 5,5ern und Maxis. Sie gewann zweimal die Maxi-72-Weltmeisterschaft. “Momo” ist ein von Judel/Vrolijk entworfenes und von Wilke in der Schweiz gebautes Boot. Der Idealstart war ihrem Team Anfang des Jahres mit dem WM-Sieg vor Cascais gelungen.

Der erneute Sieg in diesem Revier war hart erkämpft. Dieter Schön sagte bei der Siegerehrung beim gastgebenden Club Naval de Cascais: “Ich möchte mich bei Patrick de Barros und ‘Scoundrel One’ für einen großartigen Kampf in dieser Woche bedanken. Ich möchte mich beim Club für die tolle Arbeit und das großartige Segeln bedanken. Und ich möchte mich bei meiner Crew bedanken: Wir sind ein gutes Team, und wir haben es wieder geschafft.”

Eine “Momo”-Impression aus dem TrainingFoto: Momo Sailing Team
Eine “Momo”-Impression aus dem Training

Eine königliche Siegerin in der Klassik-Division

In der zweiten, klassischen Division stand “Bribon 500” mit dem kanadischen Steuermann Ross Macdonald, Alejandro Abascal, Alberto Viejo, Eduardo Marin und Roi Alvarez bereits ein Rennen vor Schluss als Europameisterin 2022 fest. Ebenso wie Catalin Trandafirs “Essentia” als Vize-Europameisterin. Das Siegerboot wurde 1947 von Arvid Laurin entworfen und von Plym in Neglinge in Schweden für Harry Nystrom gebaut, der es “Gallant” nannte. Laurin galt zu seiner Zeit als radikaler Designer und schuf nur drei Sechser: Sinkadus (1939), Gallant (1947) und Trickson VI (1948).

Altkönig Juan Carlos segelte das legendäre Boot unter dem Namen “Bribon” bei den klassischen Weltmeisterschaften 2017 und 2018 zum Sieg. Mit Pedro Campos am Ruder gewann sie auch die Classic Europeans 2021 und die Classic Worlds 2022, was die “Bribon 500” zu einem der erfolgreichsten klassischen Sechser aller Zeiten macht. Die nächste internationale Meisterschaft der Klasse wird die Sechs-Meter-WM 2023 sein, die vom 31. August bis 8. September 2023 von der Royal Yacht Squadron und der British Six Metre Association im historischen britischen America’s-Cup-Revier vor Cowes ausgerichtet wird.

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