EM Ilca 6 & 7“Buhl is back” – Silber für den Dauerbrenner

Tatjana Pokorny

 · 22.05.2026

Philipp Buhl segelte im kroatischen Revier von Split zu EM-Silber.
Foto: Thom Touw/EurILCA
Philipp Buhl ist wieder Vizeeuropameister. Bei der Ilca-7-EM in Kroatien lieferte sich der Allgäuer am Finaltag noch ein packendes Duell mit Champion Pavlos Kontides. Nur ein Punkt trennte den zweimaligen Olympia-Zweiten aus Zypern und den deutschen Weltmeister von 2020 am Ende der Titelserie im kroatischen Revier von Split. Für Buhl war die Silbermedaille von doppelt wichtiger Bedeutung.

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​Kein deutscher Olympiasegler hat in den vergangenen 15 Jahren so viele EM- und WM-Medaillen gesammelt wie Philipp Buhl. Mit Platz zwei bei der Europameisterschaft der olympischen Ilca-7-Segler in Split hat der 36-jährige Allgäuer seiner imposanten Sammlung jetzt mit der Silbermedaille das achte Edelmetall hinzugefügt. Zusammengekommen sind bei Weltmeisterschaften einmal Gold (2020), einmal Silber (2015) und zweimal Bronze (2013, 2018). Bei Europameisterschaften hatte Buhl bislang Gold (2012), Silber (2015) und Bronze (2019) gesammelt.

Ilca-7-EM: die achte große Medaille für Philipp Buhl

Bei der Ilca-7-EM kam jetzt eine weitere Silbermedaille dazu. Sie zeigt zum einen die Klasse des Dauerbrenners und bestätigt zum anderen den geforderten Nachweis zur Nachnominierung für den Förderkader des German Sailing Teams. Hierfür war die Hürde im XL-Feld von 173 Startern aus 53 Nationen hoch: Buhl musste sich unter den Top-Drei platzieren. Das ist ihm unter Druck meisterlich gelungen.

Vor Beginn der Ilca-7-EM hatte Philipp Buhl erklärt, es sei “sehr schwer, das auf den Punkt zu schaffen, aber ich versuche es.” Nach neun Wettfahrten – erst in Seebreeze-Bedingungen, dann zuletzt auch in komplizierten und unbeständigen Winden – war die Aufgabe mit Bravour gelöst.

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Am Ende von neun Rennen und einem herausragenden vorletzten Lauf fehlte Philipp Buhl bei 40 Punkten nur ein Zähler zu den 39 Punkten, mit denen der Zypriot Pavlos Kontides zum Europameister gekürt wurde. Philipp Buhl, der in den vergangenen Monaten ohne Kaderstatus in Eigenregie im Einsatz war und sich intensiv auf die wichtige EM-Aufgabe konzentriert hatte, sagte in Split: “Ich habe mir und anderen gezeigt, dass ich in einer kompromissbehafteten Situation vorne segeln kann. Das ist viel wert. Und es macht auch Spaß, vorne zu sein.”

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Mit harter Arbeit, Mentaltraining und Top-Coach zum Erfolg

Zwei Faktoren haben Buhl bei dieser Ilca-7-EM zusätzlich beflügelt: “Ich habe im athletischen Bereich fleißig und viel trainiert. Und ich habe einige Stunden mit einem Mentaltrainer gearbeitet. Dazu kam, dass Marc Pickel einfach ein super Coach mit sehr viel Erfahrung und Expertise ist. Er hat eine sehr analytische und auch geniale Denkweise. Und vielleicht eine Schwäche, die gleichzeitig seine große Stärke ist: er spricht ungefiltert. Wenn du wissen willst, was ist, dann sagt er das.”

Dom Tidey, Cheftrainer des German Sailing Teams, hatte die Titelkämpfe vor Ort beobachtet und sagte: “Philipp hat seine Weltklassefähigkeit gezeigt. Das zeigt, was man mit dem richtigen Mindset leisten kann. Wir freuen uns für ihn und darüber, dass er eine Medaille für den deutschen Segelsport geholt hat.” Dritter der offenen EM-Wertung wurde der Neuseeländer George Gautrey (42 Punkte). EM-Bronze in der geschlossenen EM-Wertung ging an den Kroaten Filip Jurisič (68 Punkte).

Der für den Segelclub Alpsee-Immenstadt und den Norddeutschen Regatta Verein startende Philipp Buhl hat mit seiner Leistung die Voraussetzungen für sein Kader-Comeback geschaffen. Viele Gratulationen erreichten ihn dazu am Freitagabend. In den sozialen Netzwerken hieß es mehrfach “Buhl is back”. Dom Tidey signalisierte, dass der Verband im Gespräch mit dem erfolgreichsten deutschen Ilca-7-Steuermann herausfinden will, “wie Philipp weitermachen will und was wir als Verband dafür tun können.” Mit etwas weniger Fortune agierten bei diesen Titelkämpfen die weiteren Ilca-7-Besten der Segelnationalmannschaft, die das Jahr formidabel eingeläutet hatten.

Die Jungen setzen EM-Glanzpunkte, U23-Bronze für Schweckendiek

Zweitbester war bei der Europameisterschaft der 23 Jahre alte SCAI-Vereinskamerad Julian Hoffmann. Der freute sich zwar über fünf starke Top-Sechs-Ergebnisse, hatte aber mit den Rängen 42, 43 und 21 auch hohe Punktzahlen kassiert. Ihm selbst war unter anderem aufgefallen, dass er seine schlechteren Ergebnisse eher in den ersten Läufen eines Renntages hatte. “Das muss man einmal genauer analysieren”, sagte Hoffmann. Und auch dies: “Ich bin nicht happy, aber zufrieden.”

Der EM-Sechszehnte zählte wie auch andere Teamkameraden zu jenen, die bei dieser EM mehr als einmal Pech hatten, dass Wettfahrten aufgrund zu starker Dreher abgebrochen wurden, als er und die anderen GER-Jollen glänzend positioniert waren. Das Schicksal teilte auch der erst 21 Jahre alte Ole Schweckendiek, der bei einem abgebrochenen Rennen sogar in Führung lag. Bundestrainer Alex Schlonski sagte zum Abbruch des ersten Rennens am Finaltag: “Es war etwas frustrierend, dass dieses Rennen abgebrochen wurde, denn beim nächsten Versuch gab es ähnlich starke Winddreher, doch das Rennen ging dann durch.” Mit weniger guten Ergebnissen für seine Schützlinge…

Schlonskis EM-Bilanz fiel offen aus: “Es war nach den guten Ergebnissen beim Saisonstart hier nicht ganz das, was wir uns vorgestellt hatten. Wir hatten uns mehr erwartet. Der 16. Platz von Julian ist ein guter. Ole, Nik und Justin können es besser.” Ole Schweckendiek (Kieler Yacht-Club), Nik Aaron Willim (Norddeutscher Regatta Verein) und Justin Barth (Berliner Yacht-Club) beendeten die Serie auf den Plätzen 30, 31, und 32. Mehr als ein dickes Trostpflaster und die Erinnerung daran, dass er erst 21 Jahre alt und schon Rennsiege im Seniorenfeld einfahren kann, bekam Ole Schweckendiek aber bei der Siegerehrung in der Marina Koštela mit U23-Bronze.

Julia Büsselberg segelt in die EM-Top-Ten

Parallel zu den Ilca-7-Männern waren in Kroatien auch die Ilca-6-Frauen gefordert. Maria Erdi aus Ungarn ist die neue Europameisterin. Sie setzte sich mit nur 54 Punkten in der offenen EM-Wertung gegen die Amerikanerin Charlotte Rose (62 Punkte) und die Britin Matilda Nicholls (79 Punkte) durch. Die Berliner Olympiateilnehmerin Julia Büsselberg vom Verein Seglerhaus am Wannsee ersegelte im Feld von 120 Starterinnen einen starken zehnten Platz. Hier geht es zu den EM-Ergebnissen der Ilca-6-Flotte.

Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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