Der Amerikaner Matt Struble galt in diesem Jahr als Titelfavorit bei der Nordamerikanischen Meisterschaft im Eissegeln. Und mit ihm waren weitere US-Top-Akteure der internationalen DN-Szene titelhungrig am Start. Doch das galt auch für Karol Jablonski. Der in Polen aufgewachsene, 1986 nach Deutschland ausgewanderte und inzwischen wieder in Polen lebende Top-Segler meldete sich mit formidabler Leistung als Champion auf dem Eis zurück.
Der Green Lake zählt in Wisconsin im Norden der USA zu den Hausrevieren der besten US-Segler auf Kufen. 52 Starter aus sechs Ländern waren zwei Wochen vor der voraussichtlich in Polen stattfindenden Welt- und Europameisterschaft im US-Revier angetreten. Der Wettstreit im Eissegeln fand unter extremen Bedingungen bei gefühlten Temperaturen von bis zu minus 30 Grad statt.
Sieben Rennen konnten ausgetragen werden. Ein Ergebnis durften die DN-Steuerleute streichen. Der 12-malige Weltmeister Karol Jablonski war mit den Rängen 3 und 2 gut in die Serie eingestiegen, bevor ihn ein sechster Rang leicht zurückwarf, den er im weiteren Verlauf der Serie aber aus der Wertung nehmen und gleich darauf mit einem zweiten Rang kompensieren konnte, als sich zeitgleich Matt Struble einen sechsten Rang einfing.
Als erfolgreichster Eissegeler der Geschichte seines Sports ließ sich Jablonski auch im Alter von 63 Jahren nicht lumpen. Seine ersten Begegnungen mit dem Eissegelsport hatte er als 14-jähriger Teenager. Ein halbes Jahrhundert ist inzwischen vergangen. In dem gewann er 1993 den Admirals Cup mit dem deutschen Team, war als Steuermann namhafter Yachten wie “Container”, “Pinta” oder “Thomas-i-Punkt” erfolgreich. Im 32. America’s Cup segelte er mit dem spanischen Team Desafío Espanõl erfolgreich bis ins Halbfinale der Herausfordererrunde.
Karol Jablonski steuerte Maxi-Yachten wie “Y3K”, “Saudade” oder “Hetairos”, gewann das Match Race Germany 2016 und zählte lange zu den Top-Akteuren des internationalen Duellsegelsports. Bei der Meisterschaft der Meister für Deutschlands beste Segler aus allen Klassen holte Jablonski zwischen 1994 und 2004 sechs Siege – so viele wie kein anderer Teilnehmer in der 45-jährigen Geschichte des nationalen Meistergipfels. Sein Talent zeigte er meist auf dem Wasser, aber immer wieder auch auf Eis.
Bei der Nordamerikanischen Meisterschaft fiel die Entscheidung in den letzten drei Rennen am Finaltag. Legende Jablonski drehte auf und lief in druckvollen Winden im “Eishaus” in Wisconsin zu vollendeter Form auf. Sein Bericht: „Nach zwei Tagen intensiven Wettkampfs lag ich mit nur geringem Punkterückstand auf die Führenden auf dem dritten Platz. Es war klar, dass der letzte Tag entscheidend sein würde. Ich kam gut mit den Strapazen vieler Stunden auf dem Eis bei extremer Kälte zurecht, obwohl ich noch nie in solchen Bedingungen gesegelt habe.”
Die letzten drei Wettfahrten wurden bei starkem Wind auf sehr hartem Eis ausgetragen, was extrem schnelles Segeln begünstigte. Die Eiskönner wissen: Das sind die “typisch amerikanische“ Bedingungen, in denen die einheimischen Segler seit Jahren dominieren. Entsprechend ging Titelverteidiger Matt Struble auch als Favorit in die Schlussphase der Regatta. Doch Karol Jablonski kämpfte.
„Ich war trotz allem überzeugt, dass ich mit den Amerikanern mithalten kann. Ich bin sehr schnell und taktisch klug gesegelt. Das führte dann zu den Rängen 3, 2 und 1 – und letztlich zum Sieg bei dieser sehr prestigeträchtigen Meisterschaft“, zog Karol Jablonski nach der Finalschlacht glücklich Bilanz. Matt Struble blieb Silber, sein Landsmann Ron Sherry gewann Bronze. Beide sind mehrfache Weltmeister. Die deutschen DN-Akteure Jost Kolb und Bernd Zeiger segelten auf Eis auf die Plätze 11 und 18. Hier geht es zu den Ergebnissen.
Jabłonskis Triumph im DN-Eissegeln in Amerika ist deshalb von besonderer sportlicher Bedeutung, weil er die speziellen Eis- und Windbedingungen sowie die Heimvorteile der Amerikaner erfolgreich kontern konnte. Entsprechend groß war die Freude des Allzeit-Meisters der International DN Ice Yacht Racing Association (IDNIYRA).
Es ist ein außergewöhnlicher Erfolg, besonders unter solchen Bedingungen und in Anbetracht meines Alters…” Karol Jablonski
Der Taktiker und Tüftler jubelte aus vielen Gründen und sagte: “Am meisten freut mich jedoch, dass ich meine Geschwindigkeit zurückgewonnen habe und die Belastungen des Wettkampfs sehr gut verkraftet habe.” In Abhängigkeit vom Eis, so Jablonski, stünden noch im Februar die Welt- und Europameisterschaften im Eissegeln auf dem Programm. Jablonski erklärte: “Sie werden mit großer Wahrscheinlichkeit in Polen stattfinden.” Wird der Champion das ersehnte Heimspiel zum sagenhaften 13. WM-Titel nutzen können?