Drachen-WM in KühlungsbornKlaus Diederichs steuert seinen Drachen "Fever" zum WM-Sieg

Tatjana Pokorny

 · 20.06.2022

Drachen-WM in Kühlungsborn: Klaus Diederichs steuert seinen Drachen "Fever" zum WM-SiegFoto: Tom Körber

Vor Kühlungsborn hat Klaus Diederichs den Titel mit Jamie Lea und Diego Negri souverän gewonnen. Ein anderer Co-Favorit beschäftigte die Jury gleich mehrmals…

Immerhin 51 "feurige" Drachen-Crews hatten sich unter Flaggen aus 13 Ländern hungrig zur Weltmeisterschaft vor Kühlungsborn versammelt, die ursprünglich schon vor einem Jahr hatte stattfinden sollen. Das Rennen um die WM-Krone machte Klaus Diederichs "Fever". Der Investment-Banker steuerte selbst und siegte mit Starboot-Weltmeister Diego Negri und Jamie Lea im Boot nach zehn Wettfahrten souverän. Bei einem Streicher (21.) gelangen dem Erfolgstrio mit dem sympathischen "Gentleman-Segler" Diederichs an der Pinne zwei Tagessiege, von denen der zweite im zehnten und letzten Rennen zur Idealzeit kam. Mit ihrer konstant guten Serie verwiesen Diederichs und sein Team die britische Mannschaft um Andy Beadsworth und das Schweizer Team von Wolf Waschkuhn auf die Plätze zwei und drei. Die regelmäßig in den Top Fünf zu findenden Ingo Ehrlicher, Malte Philipp und Michael Lipp segelten auf Platz vier. Damit waren sie rein sportlich betrachtet zufrieden. Malte Philipp sagte: "Wir kommen auf etwa 25 Segeltage im Jahr unter den Verrückten hier, die teilweise mehr Aufwand betreiben als jeder Olympiasegler. Deshalb haben wir uns über unsere Leistung schon riesig gefreut." Der australische America's-Cup-Veteran und einstige Matchrace-Gigant Peter Gilmour erkämpfte mit Yasuhiro Yaji und seinem Sohn Sam Gilmour Platz sechs im stark besetzten Feld. Hier geht es zu den Gesamtergebnissen (bitte anklicken!).

  Klaus Diederich und seine Crew bei der Siegerehrung im Glück…Foto: Tom Körber
Klaus Diederich und seine Crew bei der Siegerehrung im Glück…

Das bildschöne Segelrevier, die neue Marina von Kühlungsborn und der ausrichtende Segelclub Kühlungsborn boten den 153 Aktiven und den Organisatoren ein charmantes und sportlich durchaus forderndes Zuhause auf Zeit. Der mit allen Wassern gewaschene Peter Gilmour aus Down Under schwärmte: "Es ist wie vor dem australischen Fremantle." Insbesondere der Verein gab sich viel Mühe mit dem Programm und dem Service für die WM-Teilnehmer. Einen Flautentag konnten Wettfahrtleiter Nino Smueli und sein Team mit drei Wettfahrten am Folgetag ausgleichen. Neben packenden Wettfahrten und spannendem Sport gab es aber auch einigen Diskussionsstoff an Land.

  Wie Zipfelmützen ragen die Drachen-Riggs hinter der Welle emporFoto: Tom Körber
Wie Zipfelmützen ragen die Drachen-Riggs hinter der Welle empor
  Kraftstrotzender Drache im WM-Einsatz vor KühlungsbornFoto: Tom Körber
Kraftstrotzender Drache im WM-Einsatz vor Kühlungsborn

Bereits vor der WM war der Fall des britischen Steuermanns Andy Beadsworth in der Drachen-Klasse intensiv diskutiert worden. Beadsworth war bei der Europameisterschaft im italienischen Revier von Sanremo von den Rennen 2, 3 und 4 aus technischen Gründen disqualifiziert worden. Sein Mastfußspiel hatte die vorgeschriebenen maximalen fünf Millimeter mit 1,5 Zentimeter allzu deutlich überschritten. " Eine Untersuchung des Falles mit Blick auf eine mögliche grobe Unsportlichkeit hatte es in Italien allerdings nicht gegeben, obwohl sie durch andere Teilnehmer in Form eines Reports an die Jury hätte angestoßen werden können. Beadsworth hatte sein Boot nach der klaren Jury-Entscheidung bei der EM im April zügig aus dem Wasser gekrant und das Ende der Regatta nicht mehr miterlebt.

  Hier fing Fotograf Tom Körber die Schönheit des Drachen-Segelns auf der Ostsee sehr charmant einFoto: Tom Körber
Hier fing Fotograf Tom Körber die Schönheit des Drachen-Segelns auf der Ostsee sehr charmant ein

Bei der WM trat Beadsworth nun wieder als einer der Co-Favoriten an. Erneut entzündeten sich Diskussionen an Vorfällen, in die er verwickelt war. So etwa ein Crash mit dem Team von Jan Woortman im Finalrennen, dessen Heck dabei beschädigt wurde. Der Protest wurde gemäß offiziellem Jury-Protokoll auf einen zu späten Protest Woortmans auf dem Wasser abgewiesen. Der Wortlaut der Begründung: "GER 1212 (Red.: Woortman) hat es versäumt, bei der ersten angemessenen Gelegenheit die rote Flagge zu setzen und sichtbar zu zeigen, wie es die RRS 61.1 (a) vorschreiben." Zu den Fakten, die der Jury-Erkenntnis und ihrem Urteil zugrunde liegen, notierte die Jury in WM-Protestfall 9 dies: "GER 1221 rief 'Protest' und zeigte 30 Sekunden nach dem Vorfall eine rote Flagge (eigene Aussage und im Protestformular vermerkt)." Die zweiteilige Feststellung weist darauf hin, dass der Protest wohl direkt erfolgt ist, die rote Flagge aber inmitten der hektischen Startphase erst etwas später gezeigt wurde. Dass im Kern Beadsworth die Vorfahrtsregeln offenbar missachtet hatte, blieb trotzdem hängen. Was sich auch daran gezeigt habe, so ein Teilnehmer, dass Wortmanns Heck und nicht die Seite des Drachens beschädigt worden war und damit keine Überlappung geherrscht haben könne. Ein Hinweis aus Jury-Kreisen an Beadsworth, dass es wohl richtig sei, den Schaden Wortmanns zu begleichen, sprach ebenfalls dafür.

  Drachen-Segeln auf der WM-Welle vor KühlungsbornFoto: Tom Körber
Drachen-Segeln auf der WM-Welle vor Kühlungsborn

Im Finale fiel Beadsworth nach dem Crash gleich noch einmal unfreiwillig auf, denn er war mit seiner Segelnummer TUR 1212 beim Start von Rennen 10 unter "Schwarzer Flagge" als Frühstarter identifiziert worden. Die Jury entschied jedoch im von Beadsworth eingereichten WM-Protestfall Nummer 7, dass der Drachen von Beadsworth in diesem letzten Rennen kein Frühstarter war, sich "nicht im von der Startlinie und der ersten Marke geformten Dreieck befunden" habe und gewährte eine Wiedergutmachmachung in Form der Durchschnittspunktzahl der in den WM-Rennen eins bis neun ersegelten Platzierungen. Als Begründung wurde von der Jury angegeben, dass die Wettfahrtleitung bei der Übermittlung der Frühstarter die Nummern verwechselt habe. Der zuständige Race Officer habe die Verwechslung in der Anhörung eingeräumt und sich entschuldigt. Durch den Fehler, so die Jury, sei "das Ergebnis von TUR 1212 in Rennen Nr. 10 durch eine unzulässige Maßnahme der Rennleitung ohne eigenes Verschulden erheblich verschlechtert", worden. Für viele Teilnehmer waren die Entscheidungen am Finaltag schwierig zu verstehen. Nicht nur Malte Philipp sagte: "Die Entscheidungen der Jury am letzten Wettfahrttag waren schwer nachvollziehbar." Das viertplatzierte Team mit Steuermann Ingo Ehrlicher, Malte Philipp und Michael Lipp wurde in der WM-Abschlussmeldung der Veranstalter zu den "Siegern der Herzen" gekürt. Die Corinthean-WM-Wertung gewannen Philipp Ocker, Florian Grosser und Oliver Davies vor der Crew um Christoph Skolaut (Österreich) und dem niederländischen Bakker-Team.

  Mit ihrem klassischen Riss bleiben die zeitlosen Drachen eine optisch schön anzusehende BootsklasseFoto: Tom Körber
Mit ihrem klassischen Riss bleiben die zeitlosen Drachen eine optisch schön anzusehende Bootsklasse
  Das internationale Feld der WM-Segler in DeutschlanFoto: Tom Körber
Das internationale Feld der WM-Segler in Deutschlan

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