Die leichten Winde, die sowohl die Crews auf der laufenden letzten Ocean-Race-Etappe als auch die Aktiven bei der 129. Kieler Woche und sogar die SailGP-Profis in Chicago am vergangenen Wochenende auf die Probe gestellt haben und teilweise weiter stellen, haben auch die Zweihand-Crews bei der Doublehand-EM schwer geprüft. 40 Boote waren zur kontinentalen Meisterschaft für Segel-Duos in Helsingør aufgekreuzt.
Da war Streifenankern gefordert” (Arno Böhnert)
Arno Böhnert und Christian Heermann traten bei der Doublehand-EM mit der First 36 “Salicornia” in Klasse A an, konnten aber am Ende mit EM-Platz acht nicht zufrieden sein. Sie hatten lange berechnet auf Platz eins ihrer Gruppe gelegen. Dann aber blieb das Duo im Grønsund stecken, der mit nahezu totaler Windlosigkeit auch bei einigen anderen Teams Verzweiflung verursachte. “Wir haben die letzte Ecke nicht geschafft. Es fehlten 200 Meter, wo andere noch rumkamen. Am Ende sind wir 15 Stunden nach der Landmark 43 ‘White Shadow’ ins Ziel gekommen. Das war schon sehr, sehr frustrierend”, berichtete Arno Böhnert.
Weiter berichtete Böhnert, wie manche Konkurrenten der hartnäckigen Flaute begegneten: “Die Crew von der Farr 30, die in Klasse B Zweite wurde, hat erzählt, dass sie insgesamt achtmal geankert hat! Die sind von Streifen zu Streifen gefahren. Da war Streifenankern gefordert.” Die “Salicornia”-Crew selbst war bereits 20 Meter dicht unter Land und konnte sich vom unfreiwilligen Ankerplatz erst wieder lösen, als das sicher möglich war, um nicht direkt aufs Ufer zu treiben.
Zu 80 Prozent haben wir Wind unter sieben Knoten erlebt” (Michael Höfgen)
In Klasse B hatten Michael Höfen und Jasper Marwege mit ihrer JPK 10.30 “Lightworks” die Herausforderung ebenso angenommen wie Lina Rixgens und Sverre Reinke auf der Dehler 30 OD “Crazy Boats”. In Klasse C waren Detlef und Morten Göpfert auf der Dehler 38C “Uminoko” und Martin Fürst/Nathan Lauer mit der First 31.7 “Meister Hora” im Einsatz und beendeten das Rennen als Fünfte und Achte. Die insgesamt fünf deutschen Boote machten ein Sechstel des Starterfeldes aus und fühlten sich von Robert Jacobsen vom Deutschen Segler-Verband vor Ort gut betreut. “Da hatten wir wirklich tolle Unterstützung”, sagte Michael Höfgen.
Aufs Podium segelte auf der in leichten Winden verkürzten “Seebahn” über rund 260 Seemeilen nur ein GER-Team: Michael Höfgen und Jasper Marwege holten auf dem Kurs um Anholt, durch den großen Belt und untendurch zurück via Kopenhagen nach Helsingør EM-Bronze. Darüber freute sich das Duo besonders, denn die JPKs fanden in den leichten Winden nicht ihre “Schokoladenbedingungen” vor. “Zu etwa 80 Prozent haben wir Winde unter sieben Knoten erlebt. Da sind andere wie beispielsweise die Farr bevorteilt”, wusste Michael Höfgen schon vor dem Start.
Es waren auch ein paar ganz gute Moves dabei” (Lina Rixgens)
Der EM-Kurs mag kein “echter” Offshore-Kurs gewesen sein, beinhaltete aber trotz der flauen Sommerwinde auch einige wenige schnelle Abschnitte. Michael Höfgen, der 2022 noch mit Max Gurgel Zweihand-Vizeweltmeister wurde, erzählte: “Von Anholt in den Belt hat es richtig Spaß gemacht. Da hatten wir unter A2, Stagsegel und gerefft in frischen Winden und Böen bis 25 Knoten schon mal 17, 18 Knoten auf der Uhr.”
Sverre Reinke und Lina Rixgens segelten beim ersten gemeinsamen Zweihand-Regattaeinsatz in dieser Saison auf Platz fünf. “Damit sind wir nicht komplett zufrieden, hatten uns schon etwas mehr erhofft. Aber es waren auch ein paar gute Moves dabei”, sagte Lina Rixgens. Spaß hatte das Mixed-Team auf dem Abschnitt von Anholt nach Samsø, wo es flott voranging. Dass sie sich der norwegischen Dehler-Schwester “Hyrrokin” geschlagen geben mussten, wunderte die deutsche Mixed-Crew nicht. Lina Rixgens erzählte: “Die norwegische Dehler ist total auf ORC optimiert. Da ist dann innen auch wirklich gar nichts mehr drin.”
Kein Wunder also, dass Michael Höfgen erzählte, wie sehr ihn die Dehlers beeindruckt haben: “Die Dehlers waren echt stark. Es ist krass, wie die sich in den letzten Jahren in Handling und Bootsgeschwindigkeit positiv entwickelt haben.” Die eigene JPK dagegen, so Höfgen, spiele ihre Stärken “eigentlich erst ab 15 Knoten aus”. Weshalb der Doublehand-Liebhaber aus München höchst zufrieden mit dem Podiumsplatz bei dieser Europameisterschaft in Dänemark war.
Das Gesamturteil fiel nicht nur bei den EM-Dritten positiv aus: “Die Europameisterschaft war gut organisiert. Es war vielleicht kein ganz echtes Offshore-Event, sondern eher ein Rennen wie das Vegvisier Race, aber es hat Spaß gemacht.” Nach der EM ist für Michael Höfgen schon vor der ORC-WM Anfang August in Kiel. Da will er mit einer fünf- oder sechsköpfigen Crew auf der “Lightworks” starten. “Ich bin gespannt”, so Höfgen, “wie sich die JPK da macht. Die Up & Downs kommen uns weniger entgegen, die Coastals schon eher.”
Im Fernvisier haben Höfgen und weitere deutsche Zweihandsegler jetzt schon die Zweihand-WM in Oslo im kommenden Jahr. Kurzfristiges Ziel der seesegelnden Duos ist die Deutsche Meisterschaft Doublehand im Rahmen der Travemünder Woche.

Freie Reporterin Sport