Doppeltes Jubiläum90. Pagensandregatta und 125 Jahre Segel-Club Oevelgönne

YACHT

 · 28.09.2026

90. Pagensandregatta 125 Jahre SCOe.
Foto: Marcus Reckermann
Wind mit Böen von bis zu 30 Knoten, 82 Meldungen und eine große Überraschung für den gesamten Hamburger Segelsport: Während der 90. Pagensandregatta feierten die Mitglieder des Segel-Clubs Oevelgönne ihr 125-jähriges Bestehen – und verkündeten mit dem „Elbmirals Cup" ein völlig neues Teamwertungsformat für die Elbe Super Sailing Tour.

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Die Veranstalter vom Segel-Club Oevelgönne von 1901 (SCOe) hatten für diese doppelte Jubiläumsveranstaltung früh die Werbetrommel gerührt. Die Rechnung ging auf: Statt der in den letzten Jahren üblichen knapp 50 Boote standen diesmal 82 Meldungen auf der Liste – ein Rekord. Obwohl die Elbe bei böigem Starkwind einen anspruchsvollen Regattakurs bot, kamen am Ende 70 Schiffe im Ziel an. Die 90. Pagensandregatta wurde dadurch zur bislang größten und eindrucksvollsten Ausgabe dieser traditionsreichen Wettfahrt.

Elbab mit der Ebbe

Punkt 12:00 Uhr schickte Wettfahrtleiter Martin Krings den ersten Start ins Rennen: die Jugendwanderkutter, die mit der ablaufenden Ebbe die Elbe hinunter segelten – passend zur Tradition dieser Wettfahrt. Wer die Wettervorhersage des Deutschen Wetterdienstes kannte, war vorgewarnt: Südwest 5 mit Böen bis 30 Knoten. Tatsächlich wurden in den stärksten Böen mehr als 25 Knoten gemessen.

Die Jugendwanderkutter hatten clubübergreifend eine pragmatische Entscheidung getroffen: Ein Boot blieb am Steg, und seine Crew wurde auf die anderen drei Kutter verteilt – ganz im Sinne guter Seemannschaft. Sechs Startgruppen mit jeweils 15 Minuten Abstand – notwendig, um der enormen Yardstick-Bandbreite dieser Regatta von 79 bis 120 bei wechselnden Tidenverhältnissen gerecht zu werden – schickten das Feld in Intervallen auf die rund 35 Seemeilen lange Bahn.

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Die Strecke führt seit knapp 30 Jahren vom Start vor dem Hamburger Yachthafen elbabwärts zur Tonne 92 bei Pagensand-Nord, dann an die Südseite der Elbe um zwei Regattatonnen – bevor es zurück ins Ziel vor Wedel geht. Der klassische Kurs rund um die Insel Pagensand ist nur noch Geschichte: Die zunehmende Verschlickung der Nebenfahrwasser der Elbe und der wachsende Tiefgang moderner Yachten passen schlicht nicht mehr zusammen.

Spi oder Chaos

Südwest bedeutet auf dem Stück von Stadersand bis Pagen-Nord Kurse von raumschots bis halbwinds. Einige Crews versuchten es mit Spinnaker oder Gennaker. Der Einsatz wurde je nach Talent mit rasanter Glitsch oder Chaos auf dem Vorschiff belohnt.

Positiver Effekt der Windrichtung: Trotz des Druckes in der Luft blieb das Wasser relativ glatt. Bei Nordwest in dieser Stärke hätten die Teilnehmer die zu Recht gefürchtete Wind-gegen-Tide-Welle bekommen – diesmal blieb sie aus.

Bunte Flotte

Die teilnehmenden Boote waren so verschiedenartig wie seit Jahren nicht. Von Elb-H-Jollen über Jollenkreuzer und Kielschiffe aller Baujahre bis hin zu Trapezjollen. Jüngste Teilnehmerin war die erst am Vorabend der Regatta getaufte JND 39 “Sakura” von Admirals-Cup-Teilnehmer Thomas Reinecke. Dessen Crew sicherte sich die Line Honours der mit gut 35 Seemeilen längsten Regatta der Elb-Saison mit einer gesegelten Zeit von 3:21:32. Was die Dramatik dieser Zahl ausmacht: Die „Jalla Jalla" (BSC), ein Australian Lightweight Sharpie – eine Trapezjolle, die auf der Elbe ihresgleichen sucht – benötigte nur 8½ Minuten mehr. Das langsamste Schiff im Feld war knapp zwei Stunden länger unterwegs – dank der gestaffelten Startzeiten aber dennoch gemeinsam mit dem Feld ins Ziel gekommen.

Berechnet – also nach Yardstick-Korrektur – gewann Ingo Ballerstein mit seiner Melges 15 „Alive and kicking" vom ausrichtenden SCOe. Vorsprung auf die zweitplatzierte Jalla Jalla: 80 Sekunden. Den dritten Platz belegte „Gammel", der 20m²-Jollenkreuzer von SCOe-Vorsitzendem Sven-Ove Baumgartner – mit knapp 20 Minuten Abstand auf die Führenden.

Besonders bemerkenswert die Plätze fünf und sechs: Beide gingen an Jugendwanderkutter. Die „Möwe von Köhlfleet" vom SCOe gewann die Kutter-Gruppenentscheidung.

Elbe Super Sailing Tour im dritten Jahr

Die Pagensandregatta ist seit 2024 Bestandteil der Elbe Super Sailing Tour (ESST) – einer Jahreswertung für Yardstick-Regatten auf den Gewässern der Unterelbe mit Start oder Ziel beim Hamburger Yachthafen. Acht Clubs tragen das Gemeinschaftsprojekt. Es gibt ein einheitliches Meldeverfahren über manage2sail, eine echte Rangliste, und einen professionellen Online- und Social-Media-Auftritt. Die Regattasegelei auf der Elbe wurde dadurch merklich belebt. Schon in der zweiten Saison 2025 standen 102 Boote in der Rangliste.

Die große Überraschung: Der Elbmirals Cup

Nach zwei schnell verhandelte Protesten und der Siegerehrung mit Fotos der Wettfahrt auf einer LED-Bühne und musikalischer Unterstützung folgte der Höhepunkt des Abends. Die ESST-Macher präsentierten den Elbmirals Cup – eine neue Teamwertung für die Elbe Super Sailing Tour, inspiriert durch den im Vorjahr nach langer Pause wieder ausgetragenen Admirals Cup.

Die Regeln sind bewusst einfach gehalten. Ein Team besteht aus je einem Boot mit Yardstick über 100 und einem mit Yardstick 100 oder kleiner – also bewusst ein schnelleres und ein langsameres Boot. In die Wertung kommen die Ergebnisse der besten drei ESST-Wettfahrten jedes Bootes. Das Team mit den meisten Punkten wird „Elbmiral". Ab sofort können Teams und potenzielle Partner sich unter elbmiralscup.com registrieren und auf Partnerschau gehen.

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